Tabu

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Oslo: Aschehoug, 1997, Titel: 'Trollspeilet', Seiten: 455, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 508, Übersetzt: Günther Frauenlob & Maike Dörries

Couch-Wertung:

65°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:80
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":1,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Wolfgang Weninger
Leider anfangs sehr schleppend

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Feb 2008

Bereits 1997 erschien der Erstling des norwegischen Schriftstellers und TV-Journalisten Tom Egeling als Trollspeilet, doch erst jetzt mit elf Jahren Verzögerung hat der Goldmann-Verlag den Thriller als Tabu auf den deutschen Büchermarkt geworfen. Offensichtlich hat der Erfolg des Buches Wolfsnacht den Verlag dazu veranlasst, das über 500 Seiten starke Taschenbuch mit dem Beginn um die Star-Journalistin Kristin Bye in der Übersetzung von Günther Frauenlob und Maike Dörries dem deutschsprachigen Leser nachzureichen.

Kristin Bye, damals noch nicht die Nachrichten-Queen des norwegischen Fernsehens, hat vom Dagbladet zum kommerziellen Nachrichtensender Kanal 24 gewechselt. In der Redaktion ist eine VHS-Kassette eingetroffen, die an sie adressiert war. Darauf ist eine junge Frau zu sehen, mit einem weißen Nachthemd bekleidet, angekettet an die Wand und offensichtlich unter Drogen gesetzt. Kurz darauf wird die Leiche der jungen Frau gefunden. Aber es bleibt nicht bei diesem Video und es bleibt nicht bei dieser Leiche.

Der Täter fordert Kristin Bye heraus. In einer Schnitzeljagd schickt er ihr Botschaften und fordert die Veröffentlichung seiner Videos. Während sich eine Sonderkommission der Polizei unter der Leitung von Runar Vang fieberhaft bemüht, den Täter, der sich selbst den Namen Aquarius zugelegt hat, zu finden, berät man in der Redaktion, ob und wie viel Brutalität man dem Fernsehzuschauer zumuten kann. Man schwankt zwischen Einschaltquoten und journalistischer Ethik, aber Aquarius macht klar, dass jede Nichtveröffentlichung seiner Videobotschaften den sofortigen Tod einer jungen Frau zur Folge hat.

Abwechselnd schildert Tom Egeland die redaktionellen Probleme bei Kanal 24 und die verzweifelten Versuche der Polizeibeamten, zwischen Medienrummel und Druck von oben zu ermitteln. Als Karin Bye schließlich ein Videoband erhält, das sie selbst als künftiges Opfer des Killers zeichnet, beginnt für die Journalistin die Berichterstattung zur tödlichen Gefahr zu werden.

Zentrales Thema in Tabu ist die Frage, wie weit sich die journalistische Wahrheitsfindung mit der Präsentation in der Öffentlichkeit arrangieren kann. Zeigt man die tödlichen Bilder einem Publikum im Fernsehen zur Hauptsendezeit, um Einschaltquoten zu gewinnen, oder verbietet es der Anstand, die Massen mit solchen Sendungen aufzurütteln. Dieses Hinterfragen des journalistischen Standpunktes zwischen dem Recht zur Information und der Beschränkung auf das Notwendige, auch wenn dadurch Seherzahlen verloren gehen, ist vom Fachmann spannender beschrieben, als es die Handlung selbst ist.

Serienmörder möglichst psychologisch abzuhandeln und ihr grausiges Tun zu beschreiben, haben andere Schriftsteller schon brutaler und fesselnder abgeliefert. Da merkt man zu deutlich, dass Tom Egeland einen Erstling abgeliefert hat, der etwa mit Wolfsnacht, dem dritten Teil der Kristin-Bye-Serie, bei Weitem nicht mithalten kann. Am Schreibstil kann man dabei nichts aussetzen, lediglich an Spannungsaufbau und Originalität hinkt der Autor kräftig der Konkurrenz hinterher. Nur dort, wo er sich darauf konzentriert, seine Erfahrungen aus dem journalistischen Bereich in die Geschichte einzubringen, bekommt der Leser stimmige Atmosphäre geboten.

Dazu kommt eine Kristin Bye, die im Wesentlichen keine sympathischen Züge trägt und als Person noch nicht gefestigt ist, so dass der Leser sich mit der Frau nicht identifizieren kann. Auch ihr alter Mentor Gunnar, gerade auf dem Sprung in die Rente, wird als echter Loser geschildert, der sich aber noch ordentlich durchbeißen kann und Kristin journalistisch und menschlich unterstützen darf.

Polizeidirektor Runar Vang ist, trotz seiner Ausbildung beim FBI in Quantico, ein recht farbloser Ermittler, der nach skandinavischem Schriftstellerbrauch ein angeschlagenes Familienleben mit sich schleppt. Seine Ermittlungen sind von Tom Egeland ziemlich einseitig und kurzsichtig gezeigt, aber dies wohl auch, weil hier die Polizei nicht die Lösung des Problems erzwingen darf, sondern die Heldin.

Tabu hat leider nicht genügend Qualität, um eine Topwertung zu erlangen. Die Handlung schleppt sich zu sehr über zwei Drittel der Seiten, bis wirklich die Dramatik so geschildert wird, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Wegen des flüssigen Schreibstils und dem interessanten Milieu in dem dieser Thriller spielt, kann man ihn leicht über dem Durchschnitt ansiedeln.

Tabu

Tabu

Deine Meinung zu »Tabu«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
17.02.2017 11:40:28
Eva

Das Buch ist wirklich übelst spannend aber auch ziemlich grauselig. Meiner Meinung nach gibt es zu viele Morde und viel zu viele unnötige Tote. Warum muss man Charaktere, die der Hauptperson nahe stehen töten? Absolut unnötig. Definitiv keine zu-bett-geh-Lektüre. Ob ich noch einmal ein Buch dieses Autors lesen würde, weiss ich nicht.

04.01.2009 13:48:14
Klaus

Ich kenne die beiden anderen Romane mit Kristin Bye als Hauptperson nicht, aber ganz ehrlich, ich bin auch nicht wirklich gross daran interessiert diese noch zu lesen.Ich finde es irgendwie umgekehrt zur Krimicouch Rezension.Anfangs ist alles noch im Dunkeln, und es ist doch eine gehörige Portion Spannung vorhanden.Doch leider hält sich diese nicht, so dass das Buch von Seite zu Seite irgendwie nicht wirklich interessanter wird.Es fehlende zündende Ideen, die ein wenig Spannung bringen.
Dass der anfänglich bereits als Täter ausgemachte Rune Strom am Schluss nicht wirklich der Täter ist, überrascht schliesslich niemandem mehr.Nunja, was bleibt ist ein durchschnittlicher Thriller, den man ruhig lesen kann, aber auch schnell wieder vergessen wird.

29.04.2008 20:46:44
Thomas71

Nach dem meiner Meinung nach schwächeren Roman "Das Hexenbrett" nun wieder ein Roman mit Kristin Bye, die schon aus Wolfsnacht bekannt ist. Der Plot ist spannend und gut konstruiert. Allerdings gibt es zwei Schwachpunkte bei dem Buch: zum einen bleibt die Motivation des Täters zu sehr im Dunkeln, zum andern (aber dafür kann der Autor nichts) haben es die Verantwortlichen beim Goldmann-Verlag wieder einmal nicht für nötig gehalten, die Bücher in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen. Das führt unter anderem dazu, dass Protagonisten, die in den späteren Romanen bereits verstorben sind, hier wieder leben. Warum die deutschen Verleger das bei so vielen Romanserien nicht auf die Reihe kriegen, bleibt wohl auf ewig deren Geheimnis :-(

Film & Kino
Knives Out

Bestsellerautor Harlan Thrombey feiert mit seiner Großfamilie, der Haushälterin und seiner jungen, hochgeschätzten Pflegerin Marta Cabrera, seinen fünfundachtzigsten Geburtstag im eigenen luxuriösen Herrschaftshaus. Jeder der anwesenden Verwandten bekommt an diesem Abend eine gut gemeinte, aber existentiell bedrohliche Abfuhr mit auf den Weg. Der Beginn einer unruhigen Nacht, an deren Ende der Hausherr tot aufgefunden wird. Titel-Motiv: © MRC II Distribution Company L.P.

zur Film-Kritik