Abzocker

Erschienen: Januar 1970

Bibliographische Angaben

  • Greenwich, Conn.: Fawcett, 1961, Titel: 'Mona', Originalsprache
  • München: Heyne, 1970, Titel: 'Die Mörder-Lady', Seiten: 141, Übersetzt: Ludwig Nagel
  • München: Heyne, 1980, Titel: 'Die Mörderlady', Seiten: 141, Übersetzt: Ludwig Nagel, Bemerkung: Blaue Krimis; Nr. 1425
  • Berlin: Argon, 2008, Seiten: 4, Übersetzt: Schöne, Reiner
  • New York: Berkley, 1986, Titel: 'Sweet Slow Death', Originalsprache
  • New York: Dorchester, 2004, Titel: 'Grifter´s Game', Originalsprache, Bemerkung: Hard Case Crime

Couch-Wertung:

80°
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Jochen König
Eine lakonisch erzählte, spannnende Liebesgeschichte

Buch-Rezension von Jochen König Feb 2008

Als Joe Marlin am Bahnhof von Atlantic City zwei Koffer klaut, ahnt er noch nicht, dass diese Tat sein ganzes Leben ändern wird. Nicht der Diebstahl, denn der ist eine Alltäglichkeit für den smarten Hochstapler, Zechpreller und Gigolo Marlin. Aber in einem der beiden Koffer findet er ein Kilo Heroin. Zugleich lernt er die attraktive Mona Brassard kennen und begeht den schweren Fehler, sich zu verlieben. Da Mona ebenso auf ihn abfährt, könnte dem Weg in ein glückliches Leben Tür und Tor geöffnet sein. Doch leider ist Mona verheiratet und wie sich alsbald herausstellt, zufälligerweise mit dem Besitzer der beiden Koffer. Was Joe gerade recht kommt. Denn Drogendealer haben Feinde, die einem schon mal nach dem Leben trachten. Und so entwickelt Joe einen simplen, aber dennoch klugen Plan, dessen reibungsloser Ablauf mit der Ehelichung einer schönen, reichen Witwe gekrönt werden soll. Wenn er da nicht die Rechnung ohne den Wirt - in diesem Fall der Wirtin - gemacht hat...

Lange bevor Lawrence Blocks populäre Serienfiguren Bernie Rhodenbarr und Matt Scudder das Licht der Bücherwelt erblickten, wandelte er mit Abzocker auf Jim Thompsons Pfaden. Und das gar nicht schlecht. In einer Welt, in der Eigennutz und Habgier das Handeln bestimmen, ist Joe Marlin nicht mal der übelste Hecht im Karpfenteich. Block zeichnet ihn als gerissenen, leicht melancholischen Herumtreiber, der seine Umwelt zwar schamlos ausnutzt, aber ebenso bereit ist, hart arbeitenden Menschen ein ordentliches Trinkgeld zuzustecken. Ein Gauner mit, wenn auch rudimentärem, sozialen Gewissen, das kann auf Dauer nicht gut gehen, vor allem, wenn er sich zu allem Überfluss noch ernsthaft verliebt. Mona Brassard ist eine Femme Fatale wie aus dem Lehrbuch. Begehrenswert, verletzlich, voller unerfüllter Wünsche und Hoffnungen, gibt sie Joe das Gefühl mehr zu sein, als eine Motte, die auf ein gleißendes Licht zufliegt. Letztlich ist der handlungsorientierte Joe Marlin, mit all seinen wohlüberlegten Plänen, seiner Muse Mona klar unterlegen.

Block braucht nicht viele Worte, um seine Figuren glaubhaft zu zeichnen, ihre Unbehaustheit, ihre Sehnsucht nach mehr von allem, vor allem vom Leben. Dafür ist Joe Marlin bereit einen hohen Preis zu bezahlen, übersieht aber, dass echte Gefühle nicht käuflich sind bzw. keinen Wert besitzen, wenn sie korrumpiert sind. Eigentlich der Status Quo in der Welt der Abzocker.

Lawrence Block erliegt dabei zu keinem Zeitpunkt der Versuchung eine schnöde "Crime doesn't pay"-Story zu schreiben. Es passieren etliche Verbrechen und keines wird gesühnt, zumindest nicht von den Vertretern der Rechtsstaatlichkeit. So kommen im ganzen Buch Polizisten nur in Reflexionen vor, realiter lässt sich kein Gesetzeshüter blicken. Vielleicht hält ja die Amour fou am Ende eine üblere Strafe bereit, als die Gerichtsbarkeit verhängen könnte. Denn auch, wenn man alles erreicht hat, was man erreichen wollte, könnte doch nur eine große Leere der Lohn sein.

Abzocker ist eine wohl geratene Fingerübung, eine lakonisch erzählte, spannnende Liebesgeschichte der etwas anderen Art, deren scheinbare amoralische Schnoddrigkeit auch fast fünfzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung noch zu gefallen weiß, und die mit einer wunderbar fiesen Schlusspointe aufwartet.

Feiner Start der Hard Case Crime-Reihe bei Rotbuch.

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