Indianischer Winter

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • New York: Pocket Books, 1998, Titel: 'Iron Lake', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 416, Übersetzt: Angelika Felenda

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Michael Drewniok
Manitu lässt Kugeln rollen - und fliegen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Feb 2008

Aurora, 3.752 Einwohner, eine Kleinstadt im US-Staat Minnesota, beschaulich gelegen am Lake Iron inmitten ausgedehnter Wälder, beliebt als Urlaubsort im Sommer, romantisch verschneit im langen Winter - ein Winkel also, in dem die Welt noch in Ordnung ist.

Bei näherer Betrachtung verflüchtigt sich dieser Eindruck allerdings rasch. Aurora ist keine kitschige TV-Idylle und war es auch niemals. Wohl niemand weiß dies besser als Corcoran O´Connor, denn er hat in den letzten zwölf Monaten alle schlechten Seiten seiner Heimatstadt kennen gelernt.

O´Connor ist ein Mann, der stets zwischen allen Stühlen sitzt. Schon seine Herkunft stempelt ihn als Außenseiter ab: Die Großmutter war eine Indianerin vom Stamme der Anishinaabe, der seit jeher neben den Ojibwe an den Ufern des Iron Lake siedelt. Für die meisten Indianer ist Connor ein "Weißer", während ihn die Nachfahren der weißen Siedler als "Roten" mit leiser Verachtung strafen.

Ohnehin ist die Situation am Iron Lake gespannt. Seit einigen Jahren pochen die Ojibwe verstärkt auf jene Privilegien - Besitz- und Nutzungs-, Jagd- und Fischereirechte -, die den amerikanischen Ureinwohnern von Staats wegen zustehen. Ihr Einfluss wächst mit dem Wohlstand, den ein großes Spielcasino am Seeufer ihnen bringt. Das schafft böses Blut in Aurora und mündete vor einem Jahr in einem gewalttätigen Zusammenstoß zwischen Rot und Weiß, der zwei Menschen das Leben und O´Connor seine Stellung als Sheriff von Aurora kostete.

Seitdem ging alles schief für ihn. Nancy, seine Ehefrau, betrügt ihn mit dem zwielichtigen Bauunternehmer Sandy Parrant und hat ihn vor die Tür gesetzt. Die Kinder leiden unter der Trennung. Connor schlägt sich mühsam mit einem kleinen Imbiss und Andenkenshop durch. Er vermisst nicht nur seine Familie, sondern auch die Polizeiarbeit. Daher kann er sich nicht zurückhalten, als eine grausame Mordserie Auroras Bürger in Aufregung ersetzt. Sandys Vater, der ebenso mächtige wie unbeliebte Richter Robert Parrant, ist das erste Opfer, dem bald weitere folgen. Nie ist O´Connor weit entfernt, wenn dies geschieht, was seinen Nachfolger, Sheriff Wally Schanno, naturgemäß wenig begeistert.

Wer bringt den Tod nach Aurora? Ist es tatsächlich der Windigo, ein böser Naturgeist und Menschenfresser mit einem Herz aus Eis, wie die Indianer sagen, oder sind es doch eher irdische Mächte, die hier ihr Unwesen treiben? Militante indianische Aktivisten und schwer bewaffnete faschistoide Milizen machen O´Connor buchstäblich das Leben schwer. Zudem beginnt er einen mörderischen Sumpf aus Korruption, politischer Willkür und Erpressung aufzudecken, in den alle prominenten Bürger Auroras verwickelt zu sein scheinen - seine eigene Gattin eingeschlossen ...

Thriller-Spannung ohne Ethno-Gefasel

Weihnachtszeit, Schnee auf allen Tannenspitzen und dann auch noch Indianer, die Gutmenschen des politisch und ökologisch korrekten (Pseudo-)Intellektuellen mit gehobenem Einkommen und Greenpeace-Sticker am Kombi-Volvo - das kann doch nur eine Kombination von zwei der drei Lieblingsgenres des deutschen Krimifreundes sein! Trifft also der gemütliche Landhauskrimi englischen Stils auf den esoterischen Ethno-Thriller? Tut sich Sherlock(ina) Holmes zusammen mit "Der-mit-Mutter-Erde-tanzt", dem weisen Mustermensch-Medizinmann, um die böse Tat nach einer Ringvorlesung zum Thema "Zurück zur Natur und den wahren Werten" und unter Zusammenführung diverser heiratslustiger Verdächtiger aufzuklären?

Fehlanzeige in allen Punkten - Manitu sei Dank! Statt dessen lesen wir einen "richtigen" Thriller, der außergewöhnlich spannend und stimmig in einer übersichtlichen, aber meisterhaft konstruierten Kulisse abrollt. Für Begeisterung beim routinierten und oft klischeegebeutelten Leser sorgt darüber hinaus die ungewöhnlich dreidimensionale Figurenzeichnung. Corcoran O´Connor ist als Kriminalist zwar motiviert, aber nicht unbedingt immer eine Leuchte, sein Privatleben ein Scherbenhaufen, an dessen Errichtung er - ganz wie im richtigen Leben - tüchtig selbst mitgearbeitet hat. Folgerichtig gibt"s für ihn auch kein Happy-End.

Auch Indianer sind auch nur Menschen: Dass sie über eine reiche, uralte Tradition verfügen und von der Geschichte in Gestalt der weißen Siedler und ihrer Nachfahren wahrlich übel traktiert wurden, macht sie nicht automatisch zu Heiligen. Den Anishinaabe und Ojibwe vom Iron Lake sind Eigennutz, Vorurteile und Rachsucht durchaus nicht fremd. Krueger traut sich sogar - der Große Geist verfluche ihn! -, kriminelle Indianer zu präsentieren, die unter dem Deckmantel des schlechten Gewissens, das den Weißen Mann des 21. Jahrhunderts plagt, höchst kriminelle Energien entfalten. (Freilich verlässt ihn die eigene Courage bald wieder; Kruegers rote Bösewichter schurken letztlich doch nur zum Wohle ihrer geknechteten Reservats-Brüder und -Schwestern ...)

Wieder eine gute Serie ohne deutschen Verleger

Keine Längen, kein Seitendreschen, kein Moralisieren, keine Rührseligkeiten B kaum zu glauben, aber Indianischer Winter ist tatsächlich ein Erstlingswerk! William Kent Krueger hat sich sichtlich lange und sorgfältig vorbereitet, bis er der Öffentlichkeit seinen ersten Roman präsentiert - sie kann ihm dankbar dafür sein. Vier Jahre hat er an seinem Debüt gearbeitet und konnte anschließend mit berechtigtem Stolz von sich behaupten, sein Handwerk zu verstehen. Für Indianischer Winter wurde William Kent Krueger 1999 von seinen Schriftsteller-Kollegen in Milwaukee mit dem "Anthony Award" für das beste Erstlingswerk eines Krimi-Autoren ausgezeichnet.

Seit 1998 ist Krueger hauptberuflicher Schriftsteller, und sein Arbeitstempo hat sich erheblich gesteigert. Pro Jahr erscheint ein Buch, und da die Kritiker jenseits des Großen Teiches immer noch zufrieden sind, geht der deutlich erhöhte Ausstoß offensichtlich trotzdem nicht zu Lasten der inhaltlichen Qualität. Hierzulande können wir Leser das leider nicht nachprüfen, denn die deutschen Verlage zieren sich, weitere Krueger-Werke in ihr Programm aufzunehmen.

Die kleine Stadt Aurora hat Krueger inzwischen zum Zentrum einer ganzen Serie von Kriminalromanen ausgebaut, in der Corcoran O´Connor und die anderen aus Indianischer Winter bekannten Figuren (sofern sie denn ihren ersten Auftritt überlebt haben ...) neue Abenteuer erleben.

Indianischer Winter

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Letzte Kommentare:
27.10.2008 01:16:59
Rolf.P

Indianischer Winter ist ein guter Thriller, vom Anfang bis zum Schluss.
William Kent Krueger erzählt in einem guten Tempo mit stetig steigender Spannungskurve. Der Autor versteht es, den Leser zu fesseln, ohne dabei eine atemberaubende Spannung in die Handlung seiner Erzählungen einzubauen.
Während man viel über Umgebung, Hauptperson und Nebendarsteller erfährt, ohne aber zu irgendeinem Zeitpunkt in Langeweile abzudriften, lässt einen das Buch nicht mehr los. Ein Schuss Lokalkolorit macht die Geschichte authentisch. Durch die einfühlsame Darstellung der Charaktere hat man fast das Gefühl, ständig mit vor Ort zu sein. Die Spannung wird in dem Krimi langsam aufgebaut und der Leser wird bis zum Schluss nicht enttäuscht.
Dieses Buch empfehle ich jedem, der gerne einmal etwas abseits des Mainstream liest, der eine ruhigere Erzählweise mag und nicht erwartet, dass aus jeder Seite Blut spritzt.

Indianischer Winter hat das gewisse Etwas, welches einem eine Geschichte noch längere Zeit im Kopf herumschwirren lässt. Das Buch ist als Krimi höchst anspruchsvoll und absolut empfehlenswert.

04.02.2008 14:09:24
billabong

Mit Indianischer Winter beginnt die (neben Michael Connellys Bosch und James Lee Burkes Robicheaux) wohl herausragendste und aufregendste moderne amerikanische Krimi-Serie.
Schon der Erstling zeigt beeindruckend erzählerische Reife. Die Serie ist auf mittlerweile sieben Romane angewachsen und hat sich, besonders ab dem dritten Buch, immer weiter gesteigert. Wenige Autoren entwickeln sich und ihr schriftstellerisches Herangehen innerhalb einer Serie so konsequent weiter wie Kent Krueger, der noch mehr an Tiefenschärfe und Einsicht gewonnen hat.
Die faszinierende Landschaft des wilden, im Winter eisigen, hohen Nordens Minnesotas, Polizeiarbeit in einer rauen Welt, der Mikrokosmos der Kleinstadt Aurora und der Familie von Cork O'Connor - fern der üblichen Seifenoper - und die Ambivalenz zwischen tradiertem indianischen Wissen und ernüchternden Realitäten bilden die Szenerie für vielschichtige, exzellent geplottete Krimis. Meisterlich wie innere Spannung aus den glaubhaften Konflikten entsteht, die Handelnden wie aus Fleisch und Blut erlebbar werden.
Auflage wird momentan eher durch kalkulierte Thrilleffekte erzielt (der x-te ganz besonders sadistische
Serienmörder), und so scheint es fast schon konsequent, wenn Krimierzähler aus einer anderen Liga, wie Krueger und Burke nicht mehr ins Deutsche übersetzt werden.
Es bleibt das amerikanische Original, in dem auch Kruegers Sprachrhythmus viel nachhaltiger wirkt.
Krimi-Rohdiamanten ! Lesen !