Skalpell No. 5

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • München: Blessing, 2007, Seiten: 319, Übersetzt: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
  • München: Heyne, 2008, Übersetzt: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
  • New York: A.A. Knopf, 2005, Titel: 'Remains Silent', Originalsprache

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Jörg Kijanski
Schicki-Micky-Tussi trifft auf leicht schrulligen Wissenschaftler

Rezension von Jörg Kijanski Feb 2008

Philomena "Manny" Manfreda, eine junge Rechtsanwältin, vertritt die Eltern einer Tochter, die bei einer Verhaftung ums Leben kam. Sie glaubt nicht zuletzt dank zweier ärztlicher Gutachten an einen überharten Polizeieinsatz mit ausländerfeindlichem Motiv und ist sich ihrer Sache mehr als sicher. Doch der forensische Pathologe Dr. Jack Rosen, der früher in einem anderen Prozess als Zeuge für Manfredas Mandanten ausgesagt hatte, tritt nun für die Verteidigung auf und fügt Manny ihre erste, noch dazu empfindliche Niederlage bei. Kein Wunder, dass Manfreda fortan schlecht auf Rosen zu sprechen ist, denn auch die Charaktere der Beiden können unterschiedlicher kaum sein. Er im zerknitterten Anzug, ganz Wissenschaftler, sie immer modisch auf dem aktuellsten Stand.

Einige Zeit später wird Rosen von seinem ehemaligen Mentor Pete Harrigan um Hilfe gebeten. Bei den Erdausgrabungen für ein neues Einkaufscenter werden mehrere menschliche Knochen gefunden, deren Leben laut Harrigans Ansicht kein normales Ende fand. Als sich Rosen und Harrigan die Funde gemeinsam näher ansehen wird klar, dass zumindest eine Person keines natürlichen Todes starb. Auf dem Gelände befand sich vor Jahrzehnten eine psychiatrische Klinik und recht bald können die beiden Pathologen die Identität einer der vier Leichen klären. Ein ehemaliger Vietnamveteran ist unter den Toten und dessen Tochter möchte wissen, wie ihr Vater zu Tode kam. Rosen empfiehlt Manfreda als Rechtsanwältin und so kommt es zu einer Zusammenarbeit dieser höchst unterschiedlichen Protagonisten.

Als kurz darauf Rosen seinen Freund Harrigan tot an dessen Schreibtisch auffindet wird beiden klar, dass hier offenbar noch immer im wahrsten Wortsinn "über Leichen" gegangen wird, zumal nur wenig später auch Harrigans Haushälterin tot aufgefunden wird. Wie eine Obduktion ergibt wurde sie vergiftet...

Eine junge Rechtsanwältin im Schicki-Micky-Outfit und ein geringfügig älterer Wissenschaftler stoßen vor Gericht aneinander und haben fortan eine schlechte Meinung vom jeweils anderen. Wenig später kämpfen sie in einem neuen Fall Seite an Seite und die Leserschaft beschäftigt sich gedanklich schon mit der Frage, wann es denn endlich mit den beiden was wird. Das Ob steht eigentlich nie zur Diskussion, dafür wendet sich der Plot diesbezüglich viel zu schnell. Der Leser (nicht unbedingt die Leserin) dürfte anfangs mit der Beschreibung von Philomena Manfreda (auf diesen Namen muss man erst mal kommen), die in dem Buch ausschließlich mit ihrem Spitznamen "Manny" genannt wird, einige Schwierigkeiten haben, da es Mann nur selten interessiert, ob die Handtasche von Prada zu den Schuhen von xy passen. Zwar passt die Beschreibung zu dem dargestellten Charakter, aber nicht jeder kann halt mit derartigen "Themen" etwas anfangen.

Detaillierte Darstellung forensischer Arbeit

Wie dem auch sei, kommen wir zum Plot selber. Dieser überzeugt mit der Darstellung von Dr. Rosens Arbeit bzw. mit zahlreichen forensischen Details. Freunde von Kathy Reichs und Co. können hier unbesehen zugreifen. Der Einstieg in die eigentliche Story braucht reichlich Anlauf, da zunächst einmal in einem anderen Fall (siehe oben) prozessiert wird und somit Gelegenheit besteht, Manny und Dr. Rosen ausführlich vorzustellen. Sind jedoch die Knochen auf dem früheren Klinikgelände erst einmal gefunden, geht es recht schnell zur Sache. Die Story liest sich zwar so runter, allerdings baut das Autorenduo Michael Baden und Linda Kenney zu wenig Alternativen ein, um hier die Leserschaft in Bedrängnis zu bringen. Anders ausgedrückt: Wer schon mehrere Krimis gelesen hat, sollte die Lösung nicht erst auf der vorletzten Seite erahnen.

Nett und kurzweilig, aber bei der Auflösung arg konstruiert

Dennoch, das anfängliche Geplänkel zwischen Manny und Dr. Rosen ist recht nett zu lesen, insbesondere in jener Szene als Dr. Rosen mangels Assistenten Manny bittet, ihm bei einer Obduktion zu assistieren. Da stößt der neueste Modetrend inklusive hochhackiger Schuhe sehr plötzlich an seine Grenzen. Die Auflösung ist wie schon angedeutet alles andere als berauschend, sondern ordentlich konstruiert. Einmal mehr wurde gebogen, was das Zeug hält; auch wenn diese Stilblüte einmal mehr fünf Euro ins Phrasenschwein kostet. So ist es halt.

Kurzweilige Krimikost, die man gerne nebenbei lesen kann. Genrerelevant ist das Buch allerdings in keiner Hinsicht.

Skalpell No. 5

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