Shooting Star

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Melbourne: Text Publishing Company, 1999, Titel: 'Shooting Star', Originalsprache
  • München: Bertelsmann, 2008, Seiten: 288, Übersetzt: Hans M. Herzog
  • München: Goldmann, 2010, Seiten: 287

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Jochen König
Ohne Blutvergießen keine Vergebung

Buch-Rezension von Jochen König Jan 2008

Frank Calder, Ex-Soldat, Ex-Polizist, selbst ernannter "Mediator", wird von der schwerreichen Familie Carson im australischen Melbourne gebeten, sich um die Entführung des 15-jährigen Sprösslings Anne zu kümmern. Trotz Calders eindringlicher Warnung wird die Polizei nicht eingeschaltet, was sich als schwerwiegender Fehler erweist. Denn wie sich herausstellt, geht es den Entführern keineswegs um das Erpressen von Lösegeld, sondern um Rache. Und die will genossen werden. So muss Frank an zwei Fronten kämpfen: gegen die knappe Zeit und unberechenbare Entführer.

Dass die Kidnapper möglicherweise bereits Jahre zuvor eine Tante Annes in ihrer Gewalt hatten, macht die Angelegenheit nicht einfacher. Denn Alice Carson konnte nur schwer misshandelt und mit Mühe und Not entkommen. Die jetzigen Täter erwecken nachdrücklich den Eindruck, dass Anne dazu nicht den Hauch einer Chance hat. Nun liegt es an Frank Calder unter den zahlreichen Feinden der Carsons den wahren Verantwortlichen zu finden. Zusammen mit seinem Ex-Militärkameraden Orlovsky begibt er sich in den inneren Kreis einer Familie, die mehr als eine Leiche im Keller hat. Und das nicht nur sinngemäß.

Shooting Star ist das literarische Äquivalent zu dem, was in der Musik "retro" genannt wird. Ein Stil, der sich (schamlos) der Vergangenheit bedient, um, wenn es mit Sinn und Verstand geschieht, etwas Eigenes entstehen zu lassen. Temple hat die technischen Fertigkeiten dazu. Sein knapper, präziser Stil bringt die Story voran, ihm gelingt es selbst Personen Leben einzuhauchen, die realiter im Verlauf der Geschichte gar nicht vorkommen, deren Wesen sich nur aus Erzählungen anderer und der Interpretation Calders zusammensetzt.

Doch bereits mit dem ersten Kapitel wird man das Gefühl nicht los, einer Geschichte aufzusitzen, die Raymond Chandler und vor allem Ross McDonald bereits vor Jahrzehnten, so oder ähnlich ausführlich erzählt haben. Es gibt zwar einige Anspielungen sexueller Natur, die in ihrer Drastik früher ausgespart worden wären, aber zumeist lenkt Temple seine Schritte zielgenau in die Fußstapfen der großen Vorbilder.

Gut, Calder nennt sich "Mediator", was ein recht gelungener Gag ist, aber er ist natürlich der typische Privatdetektiv, die redliche Kämpfernatur mit traumatischer, militärischer Vergangenheit - hier folgt Temple für Momente eher Michael Connellys Harry Bosch als seinen älteren Vorgängern - , der sich beharrlich durch den moralischen Morast kämpfen muss, den gewissenlose Vertreter eines alles vereinnahmenden Großkapitals aufgewühlt haben. Da verwischen die Grenzen zwischen Opfern und Tätern schon mal, am schlimmsten sind die dran, die sich nicht wehren können. Und wenn das überhastete und wenig überzeugende Ende naht, bleibt das schale Gefühl, das zwar ein paar Verbrecher bestraft wurden, aber keineswegs Gerechtigkeit ausgeübt wurde. Unser Held zieht weiter, immer noch gebrochen, aber trotzdem standhaft.

Zwischendurch bekommt er auch seinen Love Interest, das gute Mädchen, das ein wenig unmotiviert aus dem Hut gezaubert wird, bevor es wieder auf Verbrecherhatz geht. Sie ist am Ende nahezu vergessen, abgehakt, wie die Nymphomanin, die es anscheinend immer in solchen Clans gibt, die sich pflichtbewusst an Calder reiben darf, der sich dadurch natürlich nicht erweichen lässt, bzw. das Gegenteil zu vermeiden weiß.

Was macht den Roman trotz seiner altbackenen Klischees lesenswert? Zum einen - wie oben erwähnt - Temples sprachliche Fähigkeiten, die ein vertrautes Geschehen trotzdem lebendig und plastisch werden lassen. Dazu gesellt sich eine gewisse Wehmut, die solche Stories harter, klassischer Prägung vermisst und sich die bittere Erkenntnis gestattet: vielleicht ist die Geschichte, ihre Konzeption und Entwicklung traditionell, aber ist sie deshalb überholt? Heute sind es die "global players" vorm Börsengang, gestern war's die Aristokratie, egal ob die von Geld, Gewalt oder Geburt, deren aufgeweichtes Verhältnis zu Moral und Ethik unserem tragischen Helden das Leben schwer machte. Die ihn gegen Windmühlenflügel anrennen ließ und ihn mit zwiespältigen Sprüchen wie: "Ohne Blutvergießen keine Vergebung", in die literarische Welt entlässt; bereit für einen weiteren Kampf um ein wenig Licht in einer finsteren Welt.

Aller Schwächen zum Trotz ist Peter Temple der achtbare Chronist eines solchen Kampfes.

PS.: Dass der Titel "Shooting Star" seine Berechtigung hat, offenbart sich im letzten Drittel auf zwar beiläufige, aber ungewöhnliche und nachdrückliche Weise.

Shooting Star

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Letzte Kommentare:
12.01.2015 15:00:40
christof

Sinnvoller wäre es, den Betrachtungswinkel zu ändern und nicht über Vorgänger, wie Chandler zu referieren, sondern den Stoff, i.e. australische Gesellschaft zu betrachten. Das führt ggf. zu einer anderen, treffenderen Analyse. Insbesondere der Zusammenhang zwischen dem allseits gelobten, reinen Australien, wie wir es in Europa häufig perzipieren, den dunklen Ecken, der Afghanistan-Vergangenheit sind doch neue, unverstellte Aspekte. Ich finde: Ein - zugegeben - sehr maskuliner Krimi, dem es aber nicht an sprachlicher Gewandtheit und gutem Storytelling fehlt.

16.02.2008 14:57:14
Schrodo

Was der Titel soll weiß ich auch nicht, der hat definitiv nichts mit dem Inhalt zu tun. Buch liest sich gut, ist spannend, teilweise sind einige Passagen drin wo ich mich gefragt hab wozu. Der Schluss ist nicht so überraschend, da das ganze ein ziemlich schnelles Ende nimmt.