Black Monday

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2008, Übersetzt: Pleitgen, Ulrich
  • New York: Simon & Schuster, 2007, Originalsprache

Couch-Wertung:

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Wolfgang Weninger
Endzeitszenario erster Klasse

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2007

R. Scott Reiss kennt wahrscheinlich niemand, obwohl man bei den Ullstein Buchverlagen stolz im Innenteil von Black Monday darauf verweist, dass der ehemalige Journalist schon mehrere Erfolgsthriller veröffentlich hat und auch auf den vorliegenden VOX-Krimitipp bei Paramount Pictures bereits eine Option zur Verfilmung besteht. Dass man für einen Autor bei der deutschen Erstveröffentlichung einen weiteren unbekannten Namen wählt, obwohl Bob Reiss ohnehin schon im deutschsprachigen Raum als Scott Canterbury auftreten musste, während überall anders auf der Welt seine Conrad-Voort-Serie um einen New Yorker Polizeiermittler unter dem Namen Ethan Black veröffentlicht wurde, ist Verwirrungstaktik pur.

Dabei braucht sich der Autor für seinen neuen Wissenschaftsthriller absolut nicht zu schämen. Schon die Ausgangsidee entwickelt sich zu einem Endzeitszenario erster Klasse, denn im Nordwesten Pakistans sagt ein blinder Heiliger dem Journalisten von Al Dschasira voraus, dass zum nächsten Monatsende im Westen plötzlich keine Elektrizität mehr sein wird und sämtliche Motoren still stehen werden.

Das ist natürlich speziell für die USA ein Höllenszenario, das man solange nicht glaubt, bis tatsächlich die Flugzeuge vom Himmel stürzen, jeglicher Straßenverkehr zum Erliegen kommt, Heizungen ausfallen etc. Die Nahrungsmittelversorgung bricht zusammen und bürgerkriegsähnliche Zustände brechen aus. Plünderungen und Mord sind an der Tagesordnung.

Der Einzige, der eine Erklärung für diese dramatischen Zustände bieten kann, ist ein Virologe namens Greg Gerard. Irgendjemand hat eine Mikrobe so manipuliert, dass sie sämtliche Erdölvorräte der westlichen Welt versaut hat. Und derjenige, der für dieses Attentat verantwortlich ist, hetzt nun einen Killer auf jeden, der zur Abhilfe beitragen könnte. Auch Greg Gerard gerät somit ins Visier des Killers ...

Charlotte Breuer und Norbert Möllermann haben den im Januar 2008 bei Ullstein erscheinenden Thriller aus dem Englischen übersetzt. Die Story geht gleich ordentlich ans Eingemachte, denn schon auf Seite 20 schlägt der Killer in Las Vegas tödlich zu, noch bevor der Leser weiß, warum und wieso. Erst danach beginnt die eigentliche Erzählung mit der Prophezeiung des Heiligen aus Pakistan. Und dann fängt es gemächlich an spannend zu werden. Bis das literarische Horrorambiente so richtig packend wird, sind die ersten hundert Seiten um und dann beginnt unser Antiheld Greg Gerard seinen Kampf gegen die ölfressende Mikrobe und gegen die immer schlimmer werdende Situation in seinem Wohnviertel, wo er die perfekte Nachbarschaft praktiziert, die nur von ein paar Asozialen gestört wird.

Bob Reiss zeichnet ein düsteres Bild dessen, was in Amerika passieren könnte, wenn dort die Energieversorgung zusammenbräche. Nach dem Buchstart in den USA waren binnen kürzester Zeit Internetforen voll von Fragen und Argumenten, ob ein solcher "Schwarzer Montag" tatsächlich von muslimischen Terroristen zu realisieren sei und ob man dagegen Vorkehrungen getroffen hätte. Das Worst-Case-Szenario eines Amerikas, das im Bürgerkrieg versinkt und bei dem selbst Nationalgarde und Militärs zur Untätigkeit verdammt sind, überzeugt durch die dichten Schilderungen der Katastrophe. Dass dabei die Handlungen der Entscheidungsträger grundsätzlich falsch sein müssen, damit der sympathische Forscher zum virulenten Superhelden mutieren kann, um die Welt und seine Familie und Nachbarn vor dem Untergang zu bewahren, ist vorhersehbar.

Der Spannungsbogen wird sukzessive aufgebaut und hält den Leser im Bann bis zum finalen Showdown im Zoo. Die Überführung des Übeltäters kann dabei mit dem Rest des Buches leider nicht mithalten und ist lieblos und wenig überraschend kurz abgehandelt und kann im Endeffekt die interessante Idee dieser Geschichte nicht unbedingt befriedigend abschließen.

Dennoch kann man Black Monday jedem Freund von Katastrophenthrillern durchaus empfehlen und Mr. Reiss liefert damit einige spannende Lesestunden in handwerklich passablem Schreibstil ab.

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