Die Stunde des Todes

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Auckland: Black Swan, 2007, Titel: 'The Killing Hour', Originalsprache
  • München: Heyne, 2008, Seiten: 352, Übersetzt: Frank Dabrock

Couch-Wertung:

50°
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Wolfgang Weninger
Blutgeil

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2007

Der Neuseeländer Paul Cleave baut in seinem im Wilhelm Heyne Verlag erschienen zweiten Thriller Die Stunde des Todes eine völlig wirre Geschichte auf, bei der er sich im Schreibstil so sehr an seine psychopathischen Figuren anpasst, dass man des Öfteren versucht ist, das Buch vorzeitig aus der Hand zu legen. Frank Dabrock hat die blutgeile Story The Killing Hour aus dem Englischen übersetzt, was bei dieser Anhäufung an brutalen und hysterischen Szenen sicherlich nicht leicht war.

Vier Personen und zwei Tote prägen diesen Roman, wobei man in dieser Rezension auch den Mörder vorstellen kann, denn im Verlauf der Geschichte geht es weniger um irgendwelche Ermittlungen, als vielmehr um die Konfrontation mit Menschen, die wegen ihrer Einmischung in Todesgefahr geraten.

Bereits verstorben sind Kathy und Luciana. Die beiden Frauen liefen ihrem Mörder in die Hände und werden massakriert. Charly kommt an den Tatort des Verbrechens und will dieses verhindern. Er fügt dem Mörder eine Bauchwunde zu, wird selbst verletzt und erwacht in der Wohnung einer der Frauen blutbesudelt. Hat er oder hat er nicht? Fortan plagen ihn jedenfalls die Albträume und die Geister der Ermordeten verfolgen ihn sogar am helllichten Tag. Im Wissen, dass ihm keiner glauben wird, haut er ab und will den Killer auf eigene Faust finden. Aber er braucht Hilfe und die sucht er ausgerechnet bei seiner Ex-Freundin Jo. Diese spielt aber nicht mit, darum bleibt ihm nichts Anderes übrig, als sie zu entführen und sie gefesselt und geknebelt zu zwingen, mit ihm auf Mörderjagd zu gehen.

Auf Mörderjagd ist inzwischen auch der Bulle von Christchurch, Detective Landry. Dem geht es auch ziemlich dreckig, denn er hat nur mehr sechs Monate zu leben, bis ihn der Krebs aufgefressen haben wird. Somit will er seinen letzten Fall auf besondere Art im Alleingang lösen und den Verantwortlichen des Massakers aufspüren und über die Klinge springen lassen. Auf Grund von ihm unterschlagenen Beweismaterials glaubt er, dass Charly für alles verantwortlich ist und setzt sich diesem auf die Fersen.

Aber Charly war es ja gar nicht. Der Killer heißt Cyris und er kann keine Zeugen brauchen. Ergo setzt er sich ebenfalls auf die Spur von Charly und natürlich dauert es nicht lange, bis er diesen aufgespürt hat. Damit hätten wir das Quartett der noch Lebenden beisammen und es kommt zum Zusammentreffen der Vier mitten in der Nacht in einer Bretterbude am Fluss ...

Wer es bis zu dieser Stelle geschafft hat, den Ausführungen des Autors zu folgen, für den geht die ungeheure Wirrnis für die nächsten zwei Drittel erst richtig los. Dass hier offenbar auf Grund der Ausnahmesituationen keiner mehr Herr seiner Sinne ist, mag noch das am Wenigsten überraschende Element in dieser Anhäufung von übermenschlichen Qualen sein. Bauchstiche werden mit Klebeband verarztet, trotz gebrochener Kiefer und Nasen, eingebeulten Köpfen und sonstigen lädierten Körperteilen retten sich auch Nichtschwimmer aus den reißenden kalten Fluten des Flusses und so weiter ... und schon jagen sich die Leutchen wieder gegenseitig, dass die Sehnen reißen und die Zähne ausbrechen.

Falls man sich diese auch sprachlich total wirre Story, bei der man auch selbst jede Logik über Bord werfen sollte, tatsächlich bis zum Schluss antut, kann man sobald man sich an die Schreibart von Mr. Cleave gewöhnt hat, auf jeden Fall auch Spannung empfinden, weil man wissen will, wer denn nun diese unsäglichen Strapazen überleben wird, wobei man hofft, dass alle krepieren, damit Cleave dazu nicht auch noch eine Fortsetzung schreibt ...

An diesem Buch werden sich die Geister scheiden. Einige Wenige, denen es wichtig ist, dass Kunst andere Wege geht, werden das Buch in den Himmel loben. Otto Normalkrimileser wird die Geschichte schnellstens entsorgen, was ich ihm auch nicht verübeln kann.

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