Finstere Wasser

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Amsterdam: Sijthoff, 2006, Titel: 'Het diepe water', Originalsprache
  • Dortmund: Grafit, 2007, Seiten: 352, Übersetzt: Stefanie Schäfer

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Thomas Kürten
Trübes Leben

Buch-Rezension von Thomas Kürten Nov 2007

Finstere Wasser ist der deutsche Titel des Romans, für den Felix Thijssen den Belgischen Krimipreis 2007 erhalten hat. Und schon durch den Titel ist für einen Kenner der Romane aus der Hand des Niederländers klar, dass es sich hier nicht um eine Fortsetzung der Max-Winter-Reihe handelt. Wäre dem so, hätte der Autor wohl zweifelsfrei den Titel "Francine" gewählt.

Doch auch so werden Leser, die den Namen Thijssen automatisch mit jener Figur verbinden, die bislang auch in deutscher Übersetzung bereits in acht Fällen ermitteln durfte, nicht durch Akrobaten, Tiere, Sensationen überfordert. Thijssens Handschrift bleibt ganz unverkennbar bestehen. Es steht wiederum eine Frau in Zentrum seiner Erzählung, die mehr oder weniger leichtfertig in ein Kapitalverbrechen hineingezogen wird. Doch diese Frau hat ihre ganz eigene Geschichte, die ihre spezielle Situation verkompliziert.

Francine

Am Rande des Existenzminimums hat Gerard seine Tochter Francine alleine großgezogen. Sein großer Traum von einer Weltumsegelung wurde von einer reinen Illusion zunächst zu einer Obsession und dann zum Albtraum für ihn und Francine. Stets war klar, dass das Geld dafür niemals vorhanden sein würde. Bei ihrer Leidenschaft für das Leben auf dem Wasser konnten sie sich ein schimmeliges Hausboot erlauben, mehr nicht. Durch kleine Gefälligkeiten für einen Autoschieber war es ihnen möglich, sich trotzdem ein relativ beschauliches Leben leisten.

Alles wird anders als Francine von ihrem Ex-Freund Jimmy für einen "ganz leichten Job" angeheuert wird: Sie soll spätabends eine Tasche aus einem Park holen und dafür von ihm 5.000 Euro erhalten. Doch sie wird dabei von drei betrunkenen Männern angepöbelt und verletzt. Die Tasche wird ihr gestohlen und sie erwacht am nächsten Morgen mit Beinbruch im Krankenhaus.

In der Tasche war natürlich Geld. Lösegeld, wie das nun mal bei solch "ganz leichten Jobs" üblich ist. Auch Francine dämmert das, als sie in ihrem Krankenzimmer die Nachrichten von einem entführten Jungen im Fernsehen verfolgt. Ihr fällt auch spontan ein, wo Jimmy das Entführungsopfer versteckt haben könnte und sie bittet ihren Vater, den Jungen zu befreien. Dabei läuft dieser jedoch der Polizei in die Arme und wird als Hauptverdächtigter verhaftet. Francine muss trotz Wadenbeinbruch die Rettung ihres Vaters in die eigenen Hände nehmen. Kann sie gegenüber der Polizei seine Unschuld beweisen? Durch die überraschende Nachricht, dass ihr Vater zudem an Krebs erkrankt ist, kommt zusätzlicher Zeitdruck in ihre Bemühungen. Wird sie ihm den Traum vom gemeinsamen Segeltörn noch erfüllen können?

Lieben und leben lassen

Thijssens Roman ist eine leidenschaftliche Geschichte über die schwere Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater. Er beschreibt ein trostloses Leben am Rande der Gesellschaft, das für Francine nicht viel Grund zum lachen bietet. Die junge Frau selbst sieht sich isoliert, weiß um die Schuld, die sie auf sich geladen hat, weiß um die wenige Zeit, die ihr bleibt, um ihrem Vater den Lebenswunsch zu erfüllen, weiß um die nahe Lösung und weiß um die Gefahr, die nicht nur die Polizei in dieser Situation für sie darstellt. Aber Francine kämpft mit Herz und dem Mute der Verzweifelung.

Ein Max-Winter-Roman ohne Max Winter? Die Handschrift des in Frankreich lebenden Niederländers ist jedenfalls ganz unverkennbar und er knüpft eigentlich in allen für seine Romane wesentlichen Elementen an die Winter-Reihe an. Vielleicht hat er nach der Zäsur, die Rebecca für Max Winter darstellte, bemerkt, dass er seine Geschichten auch ohne einen starken Ermittler erzählen kann. Das farblose Finale hingegen, das wie eine Zugabe aus Verlegenheit wirkt, hätte den Auftritt eines blass bleibenden Max Winters dann auch nicht mehr nötig gehabt.

Finstere Wasser

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Letzte Kommentare:
27.07.2011 17:40:01
Michael Mandel

Schlank in der Sprache, glaubhaft und ungeheuer spannend. Ich konne nicht mehr aufhören zu lesen.
Unbedingt empfehlenswert!

Mir ist auch rätselhaft, was an der Story farblos sein soll. Die Perspektive ist so gezeichnet, dass man in jeder Sekunde mit der Hauptfigur Francine mitfiebert. Wunderbar auch die charakterlichen Schilderungen ihres Vaters und einiger weniger wichtiger Nebenfiguren.

Hier wird kein Klischee bedient oder ein "Milieu" denunziert. Es bleibt sachlich!

13.04.2009 17:36:38
HaJo Derichs

Mir erschließt sich nicht ganz, warum der Rezensent Thomas Kürten das Ende für "farblos" hält. Was wäre denn die "Farbe" gewesen, die ihm fehlt?
Ich teile also diese Meinung überhaupt nicht. Es ist ein wunderbarer (und sehr spannender) Roman und Max Winter wie ein Augenzwinkern am Schluss.
Für mich also weit, weit mehr als 70°!Hoffentlich bleibt der Grafit-Verlag seinem Autor treu.