Der Puppenmacher

  • Blanvalet
  • Erschienen: Januar 2007
  • München: Blanvalet, 2007, Seiten: 411, Übersetzt: Andrea Stumpf & Gabriele Werbeck
  • New York: Signet, 2005, Titel: 'Darkness on the Edge of Town', Originalsprache
Der Puppenmacher
Der Puppenmacher
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Sabine Reiß
62°

Krimi-Couch Rezension vonNov 2007

Fast alles schon mal da gewesen

Im beschaulichen Städtchen Bisbee, Arizona wird in einem Konzertpavillon eines Parks die Leiche der 14jährigen Jessica Parris gefunden. Sie wurde in übergroßen Puppenkleidern quasi zur Schau gestellt. Ermittlerin Laura Cardinal und ihr Kollege Victor Celaya vom Arizona Department of Public Safety unterstützen die Polizei vor Ort. Bei einer nächtlichen Tatortbegehung - der Fall lässt sie nicht los - findet Laura ein Streichholzbriefchen, auf dessen Innenseite die Buchstaben CRZYGRL 12 notiert sind. Sie vermutet dahinter einen Chat-Namen. Führt die Spur ins Internet? Laura begegnet dort zu dieser ungewöhnlichen Zeit auch Detective Buddy Holland aus dem örtlichen Einsatzteam, der seine ganz eigenen Ziele zu verfolgen scheint und sich dabei nicht in die Karten blicken lässt.

Im Vorfeld dazu nimmt eine unbekannte Person mit Namen Musicman mit Crazygirl 12 Kontakt auf. Musicman führt offensichtlich nichts Gutes im Schild, sind doch seine weiteren Kontakte mit einer Person unter dem Pseudonym Dark Moondancer eindeutig mit dessen Wunsch nach mehr Gewalt verknüpft. Genaueres erfährt man jedoch nicht. Sicher ist nur: Es gilt, nicht nur den Mord an Jessica Parris aufzuklären, sondern auch Musicmans weitere grausame Vorhaben zu stoppen. Jessica war nicht das erste Opfer und der Mörder ist bereits auf der Sache nach einem weiteren.

Handlung mit Startschwierigkeiten

Typisch amerikanisch, so kann man Jenna C. Blacks Krimi Der Puppenmacher einordnen. Der damit oftmals verbundene furiose Einstieg wird wider Erwarten aber nicht geboten. Die Story beginnt ein wenig lahm, fast zu gemächlich. Es dauert sogar recht lange, bis soviel Substanz ins Geschehen eingebracht wird, dass der Lesefluss in Gang kommt. Einen roten Faden sucht man anfangs vergeblich. Scheinbar zufällig - andere würden sagen, nach mühevoller Kleinarbeit - entdeckt Laura Cardinal etwas, das sie davon überzeugt, die Ermittlungen in eine andere Richtung zu lenken und den bereits gefundenen Verdächtigen beiseite zu schieben. Dabei muss sie nicht nur den Leiter der Einsatzbehörde, sondern auch ihren Kollegen Victor überzeugen. Sie handelt gewissermaßen auf eigene Faust und findet den entscheidenden Hinweis. Den Leser kann Jenna C. Black damit jedoch nicht nachhaltig überzeugen. Sie handelt frei nach dem Motto: Ich werfe dem Leser einen Verdächtigen vor, er wird mir schon glauben; dann ziehe ich jemanden anderen aus dem Hut und mit diesem Kniff habe ich die Überraschung auf meiner Seite. Ohne Erfolg!

Steigerungsfähiger Debütroman

Nicht nur die Handlung wirkt zunächst sehr stereotyp, auch die Figuren sind es zum großen Teil. Anfreunden kann man sich mit den Hautcharakteren nicht, sie bleiben weitestgehend gesichtslos, weder extrem sympathisch noch unsympathisch. Die Autorin versucht zwar, die Vergangenheit von Laura Cardinal zu beleuchten, bleibt aber damit bis auf eine Situation (in der sie eine für sie wichtige Person wieder trifft) erfolglos, der Rest mutiert zu einer reinen Faktensammlung. Auch die eingestreuten Auftritte von Lauras totem Mentor, der ihr immer wieder Ratschläge erteilt, wirken ziemlich bizzar. Vielleicht gelingt es Jenna C. Black mit dem Folgeband, der in den USA bereits unter dem Titel Dark Side of the Moon erschienen ist, mehr aus ihren Figuren herauszuholen.

Vorneweg hört sich die Story recht banal an und ist es in weiten Teilen leider auch. Fast scheint es, als hätte die Autorin auf einer Liste abgehakt, welche Zutaten man tunlichst verwenden sollte, um einen richtigen Thriller zu mixen. Hier bleibt der Cocktail jedoch alkoholfrei. Einzig und allein der Showdown und dessen Vorbereitung machen den Krimi akzeptabel und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Die Autorin beschreitet hier einen Weg, den man so nicht vorsehen konnte. Wie es dazu gekommen ist, vergisst man jedoch sehr schnell.

Der Puppenmacher kommt nicht über das Mittelmaß hinaus. Für kurzweiliges Lesevergnügen könnte etwas mehr Tempo und Spannung enthalten sein.

Der Puppenmacher

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