So finster die Nacht

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Ordfront, 2004, Titel: 'Låt den rätte komma in', Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2007, Seiten: 5, Übersetzt: Rotermund, Stefan
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2008, Seiten: 637

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Wolfgang Weninger
Das Heranreifen einer sonderbaren Beziehung

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Nov 2007

John Ajvide Lindqvist ist in Blackeberg, einem Vorort von Stockholm aufgewachsen. Die Tristesse solcher am Reißtisch entworfener Satellitensiedlungen bietet folgerichtig den lokalen Background für seinen Erstlingsroman Låt den rätte komma in, den der Autor bereits 2004 geschrieben hat, der aber erst im Oktober 2007 als Taschenbuch und Hörbuch bei Bastei Lübbe aus dem Schwedischen übersetzt von Paul Berf als So finster die Nacht auf den deutschsprachigen Buchmarkt gekommen ist.

Lindqvist lässt seine Geschichte rund um das Schicksal von drei Figuren ablaufen. Oskar ist ein Schuljunge, der von den anderen Mitschülern drangsaliert wird, wo es nur geht. Der Einzelgänger, dessen Eltern getrennt leben, wächst in Blackeberg auf und hat praktisch keine Freunde. In seiner Freizeit legt er sich aus Zeitungsberichten eine Chronik spektakulärer Morde an und träumt davon, seine Widersacher mit dem Messer aufzuschlitzen. Er weiß aber nicht, dass sein Nachbar Håkan Bengtsson soeben im naheliegenden Wald einen Jungen seines Alters an den Beinen aufgehängt und bei lebendigen Leib den Kopf abgetrennt hat. Das Blut des Unglückseligen fängt er in einem Kanister auf, denn er braucht es für Eli.

Oskar lernt Eli auf dem Spielplatz kennen. Zwischen den beiden entwickeln sich zarte Bande, denn Eli hat, wie Oskar, keine Freunde. Eli riecht ein wenig muffig und kommt immer nur im Finstern auf den Spielplatz. Kein Wunder, denn Eli ist nicht das kleine Mädchen, das Oskar in ihr sieht, sondern ein waschechter zweihundert Jahre alter Vampir, der zum Überleben Blut braucht. Aber davon hat Oskar keine Ahnung.

Eli benötigt Blut. Håkan wird auf frischer Tat ertappt, verstümmelt sich mit Salzsäure und landet im Krankenhaus. Jetzt muss sich Eli selbst um den Blutnachschub kümmern, aber nicht nur die Polizei begreift langsam, dass hier Unglaubliches passiert, auch Oskar erkennt die Wahrheit über seine Freundin ...

In typisch skandinavischer Melancholie und knappen, oft rätselhaften Dialogen vollzieht sich vor dem Leser die Wandlung des pubertierenden Oskar zu einem Menschen, der Liebe empfindet und Liebe bekommt, auch wenn es eine Liebe der anderen Art ist. Dennoch findet der Autor gerade in diesen Momenten des Erwachsenwerdens und der gefühlvollen Empfindsamkeit seine besten Worte, die sich auf Grund der Handlung zwar in rascher Folge mit brutalen, bizarren und perversen Sequenzen abwechseln, aber in einem stetig steigenden Spannungsbogen das Heranreifen einer sonderbaren Beziehung schildern.

Als reinrassigen Krimi kann man dieses Buch mit Sicherheit nicht bezeichnen, auch wenn sich die Polizei auf den 637 Seiten des Öfteren mit den Aufklärungsarbeiten zu den Serienmorden beschäftigt. So finster die Nacht ist eine astreine Horrorgeschichte, die ihren besonderen Reiz in der Charakterisierung der einzelnen Personen und ihrem Werdegang findet, wobei Lindqvist die einzelnen Lebensstränge geschickt verknüpft. In kleinen Häppchen serviert er mal grausig, dann wieder schaurig romantisch eine komplexe Geschichte, die den Leser in ihren Bann schlägt.

Lindqvist versteht es blendend, sprachlich Bilder zu erschaffen, die kontinuierlich neue spannende Räume auftun, in denen sich der Leser mit Gruseln verlieren kann. Man fühlt sich in einem schwedischen Dungeon-&-Dragon-Spiel, in dem man alles erforschen muss, bis die spannende Wahrheit auf den Tisch kommt. Dem Autor ist mit diesem Werk ein Debüt gelungen, das zu berechtigten Hoffnungen Anlass gibt, von ihm noch mehr lesen zu dürfen. Deshalb eine klare Leseempfehlung meinerseits!

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