Gejagt

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2003, Titel: 'Phoenix', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2006, Seiten: 383, Übersetzt: Heike Steffen

Couch-Wertung:

85°
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Jörg Kijanski
Ein Muss für Fans englischer Spannungsliteratur

Rezension von Jörg Kijanski Nov 2007

Detective Constable Karen Sharpe betrinkt sich einmal im Jahr, um so bestimmte grausame Erinnerungen zu verdrängen. An diesem Abend drängt jedoch ihre Informantin Fiona Mitchell sie und ihren Vorgesetzten Phil Leech zu einem nächtlichen Treffen. Mitchell ist die Freundin des Drogenhändlers Mark Coates, von dessen Ergreifung Leech geradezu besessen ist. Am nächsten Morgen wird Sharpe in eine abgelegene Moorlandschaft von West Yorkshire gerufen. Leech wurde in seinem Auto aus nächster Nähe erschossen, nur wenig später wird die Leiche von Fiona Mitchell gefunden. Beide scheinen Opfer eines Auftragskillers geworden zu sein. So hat ihr Alkoholrausch Sharpe womöglich das Leben gerettet, da sie an dem Treffen nicht teilnehmen konnte.

Die Ermittler tappen zunächst im Dunkeln. Sollte Coats, der für die Tatzeit ein wasserdichtes Alibi hat, den Mord in Auftrag gegeben haben, womöglich an seinen Halbbruder Luke Varley? Oder sind die beiden Kleinkriminellen dafür nicht doch eine Spur zu unbedeutend, versucht womöglich ein gegnerischer Drogenclan ihnen die Morde in die Schuhe zu schieben? Für die Polizei rückt der unauffindbare Police Constable Oliver Williams ins Visier der Ermittlungen, da dieser in Verdacht steht, Coates mit vertraulichen Informationen versorgt zu haben. Während die Ermittlungen nur spärlich vorankommen, verfolgt Sharpe ein ganz anderes Ziel. Sie will Coates Drogendealer in Manchester, Liam Toomey, ausfindig machen, der ebenfalls wie von Erdboden verschwunden ist. Zwangsläufig sieht sich Sharpe gezwungen auf eigene Faust zu ermitteln, damit das Geheimnis ihrer Vergangenheit auch weiterhin vor ihren Kollegen verborgen bleiben...

Hervorragender Roman mit glänzenden Einlicken in den Polizeialltag

Für Freunde englischer Kriminalromane ist der erste Roman der Karen-Sharpe-Serie ein wahrhafter Leckerbissen. Ausführlich werden nicht nur die Landschaften in West Yorkshire beschrieben, sondern auch die Arbeit und die Organisation der Polizei. Wo andere Autoren auf Tempo und Action setzen, punktet John Connor mit einer Detailverliebtheit wie sie nur selten zu finden ist. Hier werden Landschaften und organisatorische Polizeistrukturen vorgestellt, folgen ausführliche Besprechungen aufeinander und ganz allmählich treibt auch der Plot stetig voran. Wo andernorts oftmals hirnlose Verfolgungsjagden und sinnlose Ballereien im Vordergrund stehen, sind es hier die einzelnen Ermittler, die ihre Ergebnisse mühsam zusammen tragen und doch nicht recht vom Fleck kommen. Allein Karen Sharpe liefert offenbar brauchbare Ergebnisse, doch diese verfolgt wie schon erwähnt vorrangig ihre eigenen Interessen. Trauer um den soeben ermordeten Ex-Chef? Fehlanzeige, denn Sharpe hat ganz andere Probleme!

Gewöhnungsbedürftige, aber letztlich sympathische Heldin

Die Einblicke in das Drogenmilieu sind zwar sehr überschaubar, dafür glänzt der Autor mit einer großartigen Darstellung des Polizeialltages. Man lernt die Hierarchien der englischen Polizei ebenso kennen wie deren mitunter triste Arbeitsweise. Das im vorliegenden Fall nicht alle Polizisten auf der Seite des Gesetzes stehen, macht die Ermittlungsarbeit nicht leichter.

 

"Und wie lautet Plan B?"
"Wir fragen in der Zentrale nach."

 

Der leitende Ermittler Detctive Chief Superintendent John Munro ist zunächst recht irritiert wie einfach es sich scheinbar einige Kollegen machen: Leech war Coates auf der Spur und so beauftragte dieser seinen Halbbruder Varley mit dessen Ermordung. Müssen also nur noch die Beweise erbracht werden, womit es nicht alle Ermittler allzu genau nehmen. Doch mindestens genauso irritiert ist Munro von dem Verhalten von Karen Sharpe, die als einzige Partnerin des ermordeten Drogenfahnders kurzerhand in das Ermittlungsteam einberufen wird. Teamfähigkeit ist für sie ein Fremdwort, Alleingänge bestimmen die Tagesordnung. Dazu scheint sie wenig Respekt vor ihren Vorgesetzten zu haben und obwohl sie äußerlich eher unnahbar wirkt, sind sexuelle Anspielungen bei ihr an der Tagesordnung, wenngleich auch nur aus purer Berechnung.

Über Sharpes Geheimnis soll hier natürlich nichts verraten werden, denn hierin liegt die Lösung des Falles (wer hätte so etwas gedacht?), wenngleich ein wenig anders als mancher Leser vermuten mag. Wer sich für englische Krimis interessiert kommt bei diesem Roman voll und ganz auf seine Kosten und darf auf die nächsten Karen-Sharpe-Romane gespannt sein.

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