Rivalen

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

Szenen einer Ehe. Detective Chief Superintendant Colin Harpur steht vor seinem schwersten Fall: An einem kalten Dezembermorgen findet er seine Frau Megan erstochen auf dem Bahnhofsparkplatz vor ihrem Auto liegend. Obwohl ihre Ehe schon lange nicht mehr die Beste war, ist der zynische Polizist geschockt, als er herausfindet, dass sie ihn am Tag ihres Todes eigentlich verlassen wollte. Sein Nebenbuhler ist ein ehemaliger Kollege, der offensichtlich in kriminelle Machenschaften verstrickt ist...

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80°
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Lars Schafft
Eine feine, außergewöhnliche Gaunerkomödie

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2003

Da stehen Sie nun, die Möchtegern-Drogenbarone. Allen voran Keith Vine mit Partner Stanley Stanfield und Ralph "Ralphy" Ember. Zu verlockend ist ja auch das gesäte Feld, das Syndikatsboss und Herr aller Drogendeals Kennard Knapp hinterlassen musste. Natürlich ist für jeden nur das größte Stück das beste vom Kuchen, weswegen ein verbitterter Machtkampf in der Stadt entsteht.

Ralph Ember, Familienvater, wohlhabender Inhaber des elitären Clubs "The Monty" und Student der Geistes- und Religionswissenschaften, hat ein Näschen für die Chance, wittert aber ebenfalls die aufziehende Gefahr. Auch beim Schäferstündchen mit Freundin Christine am Strand. Doch während Ember die Flucht gelingt, kommt es für Christine richtig dicke. Zwei .45-Kaliber-Geschosse jagen die beiden Unbekannten der Schönen in den Rücken, sie stirbt noch am Strand.

Äußerst eigensinnig und undercorver für die Version einer sauberen Stadt

Assistent Chief Commissioner Desmond Iles und sein Kompagnon, Detective Colin Harpur folgen währenddessen ihrem Chef auf dem Feldzug für seine Vision der guten, sauberen Stadt. Eigentlich folgt nur Col Harpur. Äußerst eigensinnig und undercover macht er sich bei Keith Vine so beliebt, dass der ihn doch glatt als Partner in den Drogensumpf zieht. Heikel, äußerst heikel und gefährlich diese Mission, doch Harpur wäre nicht Harpur, wenn er es nicht trotzdem versuchen würde.

Während Harpur so immer näher an die "Wiege des Bösen" schleicht, schmiedet Ember Rache- und Geschäftspläne. Und nur eins wird dabei deutlich: Keinem ist zu trauen, nichtmals dem Tierfutterverkäufer und Ex-Ehemann Christines.

Dieser Ralph Ember, wenn´s wichtig wird, Ralph W. Ember und wehe er wird Ralphy genannt, ist eine der phantastischsten Figuren, die mir seit langem im Krimi begegnet sind. Auf der einen Seite der erfolgreiche Geschäfts- und Biedermann, der seine Tochter aufs Internat nach Frankreich schickt und Leserbriefe über die Luftverschmutzung verfasst. Auf der anderen Seite der aufsteigende Stern am Syndikatshimmel. Dabei dauernd im inneren Konflikt mit Moral, Pflichtbewusstsein und Pragmatismus. Diese unselige Konstellation bewirkt bei Ember vor allem eins: Panik. Schweißausbrüche. Lähmungserscheinungen. Und Gewissensbisse.

Köstlich-abstruse Situationskomik

Es ist ein Vergnügen, wie Bill James diesen inneren Dialog schildert. Wie Ember Christines Leiche "heldenhaft" aus dem Meer zieht und dabei fluchend fast selbst ertrinkt. Oder wie er in Christines Wohnung ein- und sich vor Furcht auf Veranda und Flurteppich erbricht. Köstlich!

Aber auch die anderen Figuren sind hochkarätige Exempel Bill James´ Figurenzeichnung. Keith(y) Vine, Einbrecher-Ass mit allerhand auf dem Kerbholz, träumt von einem ruhigen Leben als Familienvater in einem englischen Landhaus. Und Stan Stanfield ist eh erhaben: Wer hat schon malende "Froschfresser" (James meint Franzosen) in seinem Stammbaum? Die Polizisten Harpur und Iles geraten dabei zwar ein wenig in den Hintergrund, doch auch hier lässt sich erkennen, worauf sich der Leser in Zukunft noch gefasst machen darf.

Gut und Böse, Schwarz und Weiß - eng beieinander wie selten

Zwei Dinge machen Bill James´ Roman zudem außergewöhnlich: Selten hat ein ungeklärt bleibender Mord eine dermaßene Befriedigung wie in diesem Krimi bewirkt. Und noch viel seltener lagen Gut und Böse, Schwarz und Weiß so eng beieinander wie bei den "Rivalen". Und James gelingt es auch noch, die Schwerverbrecher und Kleinkriminellen mindestens ebenso sympathisch darzustellen wie "dein Freund und Helfer" - wenn nicht sogar eine Spur liebenswerter.

Eine feine Gaunerkomödie mit exakt dosierter Prise britischen Humors, die viele Krimis von der Insel weit in den Schatten stellt. Und die Leser dürfen sich freuen: Rivalen ist - obwohl bereits die 14. Folge - erst der Anfang der Harpur & Iles Reihe, die nun endlich dem deutschsprachigen Publikum nicht mehr vorenthalten wird.

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