Forellen-Quintett

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2007, Seiten: 384, Originalsprache
  • München: btb, 2009, Seiten: 383, Originalsprache

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Thomas Kürten
Kein Vergleich zu den ersten Romanen Ritzels

Buch-Rezension von Thomas Kürten Sep 2007

Ulrich Ritzel hat sich einen Namen gemacht als Krimiautor leiserer Töne. Um atemberaubende Spannung und Nervenkitzel hat er eigentlich von Anfang an einen Bogen gemacht, dafür bestachen gerade seine ersten Romane aufgrund einer ausgefeilten Sprache und einer ruhigen, sachlichen Atmosphäre, in der die kleinen und großen Ärgernisse der Gesellschaft zum Thema wurden. Auch in seinem sechsten Roman Forellenquintett beherzt Ritzel diese leisen Tönen. Dennoch hat sich vieles geändert. Leider.

Das betrifft in erster Linie die Sprache, die Atmosphäre und die handwerkliche Präzision, mit der er anfänglich überzeugen konnte. Forellenquintett hat nicht mehr viel von der einstigen Klasse des Autors.

Kopflos in Krakau

Mehrere Handlungsstränge greifen mehr oder weniger schnell ineinander über:

  • Tamar Wegenast hat eine Kronzeugin gegen einen albanischen Mafiaboss kurzerhand bei ihrer Ex-Freundin in Krakau untergebracht.
  • Ein junger Mann irrt mit einer Plastiktüte und dem darin befindlichen Kopf der o.a. Zeugin durch Kattowitz.
  • Die polnische Polizei vermutet hinter dem Mord an der Zeugin eine Tat mit Hintergrund im Drogenmilieu und deshalb deutsche Täter.
  • Der junge Mann wird auf seiner Flucht in Berlin niedergeschlagen, ins Charité eingewiesen und spielt in einer Musiktherapiegruppe ganz wunderbar Klavier.
  • Ein Ehepaar vom Bodensee glaubt in dem jungen Mann seinen seit 17 Jahren verschollenen Sohn zu erkennen.
  • Wegenast wird in Briefen und Telefonaten von einem Menschen bedroht, der sich als Karl Hardeck ausgibt. Einen gleichnamigen Rechtsradikalen hatte sie bei einem Einsatz vor 6 Jahren erschossen.
  • Der inhaftierte albanische Mafiaboss, der aus Wegenasts Sicht für den Tod der Zeugin verantwortlich sein könnte, gibt sich unschuldig und zeigt guten Willen.
  • Polizeidirektor v. Oerlinghoff hält Wegenast persönlich den Rücken für die Ermittlungen außerhalb ihres Zuständigkeitsgebiets frei und scheint unangemessen hohes Interesse an ihren Ergebnissen zu haben.

Die Verbindung zwischen den einzelnen Handlungsebenen ist dünn und nicht immer restlos nachvollziehbar. Kommissarin Wegenast glaubt an den Verdacht ihres polnischen Kollegen, dass Deutsche den Mord an der Frau in Krakau begangen haben. Sie kommt im Zusammenhang mit Drogenschmuggel aus Polen einem Pianisten auf die Spur, der zur Tatzeit ein Konzert in Krakau gab. Seine Spuren verlieren sich schnell, doch nach einem Zeitungsbericht über den namen- und gedächtnislosen Klavierspieler im Charité erwächst ihr ein Verdacht. Allerdings ist ein altes Ehepaar vom Bodensee schneller und holt den jungen Schweiger zu sich nach Hause. Mit nicht mehr als einer vagen Vermutung kann Wegenast den Mann nicht aus der glücklich wieder vereinten Familie herausholen, deshalb muss sie den 17 Jahre alten Fall vom Verschwinden des Bastian Jehle wieder aus dem verstaubten Archiv kramen. Und das passt einigen Dörflern überhaupt nicht in den Kram.

Lustlos am Bodensee

Inspiriert von einer Kaspar-Hauser-Nostalgie hat der Autor auf der Suche nach dem dazu passenden Verbrechen einfach mal alles in die Wagschüssel geworfen, woraus man gerne schon mal belanglose Romänchen zusammenstelzt. Nazis, Drogen, Mafia, korrupte Polizisten, ein schweigendes Dorf und Immobiliengeschacher. Man kann Ritzel nicht vorwerfen, dass er nicht zumindest alles versucht hat.

In zentraler Rolle eine - ach wie originell - lesbische Kommissarin, deren forsches Vorgehen sehr gerne auch mal übertrieben schnippisch und fahrig wirkt. Warum sind eigentlich so viele Kommissarinnen lesbisch? Auch hier ragt das Forellenquintett nicht aus dem weiten Trog der Dutzendware heraus. Kennt man schon und auch die Form der Präsentation wirkt weder neu noch liebevoll. Und genauso lustlos werden die anderen Charaktere beschrieben: bemerkenswert schablonenhaft und ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Aber bei aller Belanglosigkeit, richtig traurig wird es erst, wenn man erkennen muss, dass von der sprachlichen Gewandtheit des Autors so gut wie nichts mehr zu spüren ist. Forellenquintett ist eine Kakophonie von aneinanderhängenden Sequenzen, die Sprachwitz und Individualität vermissen lassen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten wirken ruckhaft und uninspiriert. Von einem bemerkenswerten Sprachgefühl ist leider nichts mehr zu spüren. Forellenquintett hat von der Vitalität der Schubert'schen Komposition leider nicht den Hauch abbekommen. Um den Vergleich zur Musik zu bemühen, es wirkt wie Requiem, ein Dies Irae, gespielt auf ungestimmten Instrumenten.

Forellen-Quintett

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Letzte Kommentare:
19.12.2009 16:34:54
Fitzke

Ich habe mich sehr auf diesen Ritzel gefreut und bin nur etwas enttäuscht worden. Klar, Berndorf ist weg, dass macht was aus, und Wegenast strampelt sich frei - aus der ehemals zweiten Liga wird die erste Reihe, klar, dass sich hier etwas ändern muss. Die - so erschien es mir - ewig manigfaltigen Erzählstränge und die nicht immer schlüssigen Folgerungen, lassen einmal manchmal ziemlich im dunkeln stehen, was der Spannung aber keinen Abbruch tut.
Wie schon im Vorfeld hier geschrieben - nicht der beste Ritzel, aber immernoch ein sauguter deutscher Krimi, der wohlwollend aus dem Krimieinerlei herausragt.

09.11.2009 16:10:55
NSP

Nun, ganz so negativ wie Herr Kürten würde ich das Ganze auch nicht sehen. Allerdings ist es aus meiner Sicht schon etwas gewagt, wieviele Handlungsebenen Ritzel erschafft und dann - wirklich nicht immer schlüssig - im Laufe des Buches zusammenkommen lässt.
Die Dialoge sind häufig gut und teilweise sogar witzig und die Charakterisierung der Protagonisten in aller Regel glaubwürdig und nachvollziehbar.
Fazit: es gab schon (deutlich) bessere Ritzel aber auch schon viele (deutlich) schlechtere Krimis.

19.07.2009 23:08:40
hapesu

Ich kann die abwertende Kritik von Herrn Kürten in keiner Weise nachvollziehen. In meinen Augen ist "Forellenquintett" ebenso meisterlich gelungen wie die bisher erschienenen Romane des Autors und ich hoffe sehr auf weitere Fortsetzungen !
Eine Anregung an Frau Staudt: war "Forellenquintett" das erste Werk, das Sie von Ulrich Ritzel gelesen haben ? Wenn ja, sollten Sie sich seine anderen Romane nicht entgehen lassen - Sie würden ganz bestimmt etwas verpassen !

05.07.2009 17:08:19
Ingrid Staudt

Dieses Buch, seine Auflösungen können nicht überzeugen. Für mich war es langatmig, nicht überzeugend, nicht schlüssig und unheimlich in die Länge gezogen. Teilweise war das Buch so gar verrworren zu nennen.
Es wird mich nicht drängen, ein Buch dieses Schriftstellers zu kaufen und zu lesen.
Mit freundlichen Grüßen