Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2007, Seiten: 352, Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2008, Seiten: 4, Übersetzt: Dietmar Mues
  • München; Zürich: Piper, 2009, Seiten: 346, Originalsprache
  • Hamburg: Osterwold Audio, 2010, Seiten: 4, Übersetzt: Dietmar Mues

Couch-Wertung:

96°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

3 x 91°-100°
1 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
1 x 21°-30°
0 x 11°-20°
1 x 1°-10°
B:70.285714285714
V:6
W:{"1":1,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":1,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":1,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":1,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":1,"97":0,"98":0,"99":0,"100":2}
Bernd Neumann
Ein humoristisches Höhenfeuerwerk in sprachlicher Bestform!

Buch-Rezension von Bernd Neumann Sep 2007

Schon Einband, Titel und Autorenname versprechen pures Lesevergnügen, das dann auch bestätigt wird: Steinfest jongliert mit der Sprache wie einstmals Maradona mit dem Ball.

Nicht von ungefähr ist er zweifach ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis, der alljährlich herausragende und innovative Krimis aus der bunten und dicht besiedelten Spielwiese der Kriminalliteratur in die Prämierungsauswahl einbezieht. Mit seinem Krimi Die feine Nase der Lilli Steinbeck legt Steinfest nochmals einen drauf.

Dieses Werk hätte auch einen würdigen Platz auf der Phantastik-Couch verdient, so sehr verwischt sich die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit. Schon mal was von den Dodos gehört, dieser übergroßen, flugunfähigen Vogelrasse, welche auf der Insel Mauritius beheimatet dann in kürzester Zeit ausstarb? Oder vom streng geheimen Weltraumprogramm der französischen Regierung und dem unterirdischen Raketenstützpunkt auf Mauritius? Den Leser erwarten einige Überraschungen. Heinrich Steinfest versteht es in einer phantasievollen Handlung auf wundersame, unterhaltende Art und Weise, mit wenigen Worten seine zumeist skurrilen Hauptakteure so plastisch darzustellen, dass der Leser sie förmlich vor sich sieht, spürt, Schulter an Schulter.

Was dieses Buch weiterhin so liebenswert macht sind die Ausflüge ins scheinbar oberflächlich dahinplätschernde Philosophische, in das Reich seltsamster Lebenserfahrungen, egal, ob man sie teilt oder durch sie verstört wird. Und die knackigen Vergleichsparabeln frei nach dem Prinzip "von hinten durch die Brust ins Auge" sind schon grandios und haben die Wirkung einer gezüchteten Peperoni mit bisher ungeahntem Capsaicin-Anteil, die im ersten Moment noch recht zurückhaltend und dann so teuflisch heftig wird. Ähnlich überraschend und plötzlich sind die Morde und Todesfälle in diesem Krimi. Sie kreuzen den Weg von Handlung und Akteuren, wo der Leser nicht mit ihnen rechnet, ja regelrecht überrollt wird. Großartig, lieber Herr Steinfest!

Es beginnt so schön harmonisch. Oder: Trautes Glück, trautes Heim, tagaus, tagein...

Georg Stransky ist ein rundum zufriedener Mensch: der Universitätsprofessor verfasst nebenbei nicht nur Artikel, sondern ganze Bücher! Seine gut aussehende Frau ist nicht nur geschäftlich sehr erfolgreich, sondern ganz nebenbei noch eine Meisterköchin vor dem Herrn.

Tochter Mia, 15 und noch hübscher als die Gattin, legt Vater Georg Klassenarbeiten zur Unterschrift vor, die mit konstanter Regelmäßigkeit die Note "sehr gut" tragen - und das ohne sein Zutun und lästige Fragen nach einer Taschengelderhöhung. Zu allem Glück wohnt Familie Stransky auch noch in bester Lage, hoch oben über der Stadt:

 

So mancher hätte einen kleinen, versteckten Mord riskiert, um in dieser Gegend an eine Immobilie zu gelangen.

 

Die Villa ist ein Erbstück von seinen Eltern. Auch wieder Glück, ohne sein Zutun. Seine selbst gestellte Schlüsselfrage "Habe ich das eigentlich verdient?" wird von einem unerwarteten KLIRR!! der Wintergartenscheibe unterbrochen und stülpt das Leben von Georg Stransky rigoros um. Ab jetzt wird's temporeich, Schluss mit der beschaulichen Idylle.

Die perversen Spiele der durch Reichtum Gelangweilten

Georg Stransky, dieser bisher so glückliche und selbstzufriedene Familienmensch und Ornithologe mit dem Spezialgebiet Wasservögel, wird das scheinbar willkürliche Opfer einer Entführung, die er anfangs gar nicht als solche registriert, sondern mehr als ein Spiel mit versteckter Kamera einstuft. Welch folgenschwerer Irrtum dem Bildungsbürger Stransky damit doch unterläuft!

In diesem Spiel, bei dem Stransky nun das mittlerweile 8. Puzzlesteinchen verkörpert, geht es um Sieg oder Niederlage auf höchstem Level, also um Leben oder Tod. Die Regeln sind eindeutig: Das Spiel wurde erdacht von zwei konkurrierenden Parteien und ist begrenzt auf maximal zehn Wettkampfrunden. "Spielstein" ist jeweils ein gekidnappter Deutscher, der irgendwann geschäftlich in Athen zu tun hatte und von einem Dr. Antigones ohne dessen Wissen als Kandidat ausgewählt wird. Das auserwählte Opfer wird nichts ahnend irgendwo an einem mittels Würfel ermittelten unbekannten Fleckchen Erde vom neutralen Schiedsrichter ausgesetzt.

Jetzt beginnt die wilde Hatz der beiden konkurrierenden Gruppen: Die eine versucht den Entführten aufzuspüren und wohlbehalten nach Hause zu bringen, die andere versucht das zu verhindern, indem sie den Gekidnappten liquidiert.
Letzteres ist bedauerlicherweise schon siebenmal passiert, Stransky ist der nächste Abschusskandidat. Die Luft für die bisher erfolglosen Menschenretter wird langsam dünn, denn nach der zehnten Entführung ist das Spiel endgültig beendet. Schließlich wird auch der verrückteste Thrill irgendwann geprägt von langweilender Routine.

Das erinnert an "Hardcore-Mensch-ärgere-dich-nicht" im Zeitalter des allgemeinen Werteverfalls, an ballernde Computerspiele mit hohem Echtheitsfaktor und brillanter Grafik...

Offensichtlich sind die von den Menschenrettern angeheuerten Bodyguards, dieses "Söldnergesindel", ohnehin im Umbringen sehr viel besser als im Bewahren von Leben. Das scheint auch die Ursache des Dilemmas im weltweiten Sicherheitsgewerbe zu sein, fabuliert Steinfest:

 

Als würde man eine Lachszucht unter Mitarbeit von Seeadlern betreiben. Schwierig, äußerst schwierig

 

Den beiden gegnerischen Parteien, die sich diesen obskuren "Wettkampf" ausgedacht haben, geht es dabei weniger um ihre Opfer als um das Prinzip, raffiniert und fintenreich zu sein, schneller und schlauer als die Gegenpartei.
Gearbeitet wird mit allen erdenklichen Haken und Ösen. Geld spielt keine Rolle, die finanzielle Absicherung ist Grundlage für qualitativ hochwertigsten Einsatz von Spezialisten und Material. Ein Spiel ohne Grenzen, ohne Gefühle, ohne Tabus.

Die Kriminalpolizei wird eingeschaltet, um Stransky eher zu finden als seine mörderischen Gegenspieler und ihn dann mit der ganzen Routine beim Aufspüren vermisster Personen unbeschadet in den Schoß des trauten Familienreiches zurückzuführen. Wie gesagt: das ging schon siebenmal in die Hose, also muss jetzt Lilli Steinbeck ran.

Lilli Steinbeck, die Laura Croft der Kripogilde

Lilli Steinbeck ist die überaus sympathische, unbestechliche Ermittlerin, Expertin in Fragen des Menschenraubs, Hoffnungsträgerin auf dem Wege zum spurlos verschwundenen Ornithologen. Heinrich Steinfest schafft ähnlich wie mit seinem einarmigen Ermittler Markus Cheng, der in drei früheren Krimis Leser und Juroren erfreute, eine weitere Lichtgestalt der deutschsprachigen Kriminalliteratur:

Lilli ist ein äußerst attraktives, zierliches Frauchen mit hübsch anzusehenden Beinen bis kurz unter die Achsel, modisch up do date und unbemannt:

 

Sie gab Männern das Gefühl, ihre Anzüge würden schlecht sitzen

 

Ihre Schönheit kann auch die zertrümmerte Nase nicht beeinträchtigen, welche als Resultat einer brachialen Beziehungsauseinandersetzung übrig geblieben ist, bei der neben der Nase auch sämtliches Geschirr zu Bruch ging.
Eine ihrer Grundprinzipien besteht darin, pünktlich abends um neun ins Bett zu gehen, allein, versteht sich, um dann angestrebte 12 Stunden lang zu schlafen:

 

So toll war das Leben wirklich nicht, um mehr als die Hälfte des Tages bei Bewusstsein zu bleiben

 

Vielleicht ist das die Voraussetzung für ihre Fähigkeit, nervig quäkende Kinder in erholsamen Dauerschlaf zu versetzen, ohne dabei auf eigene mütterliche Erfahrungen zurückgreifen zu können. Ihre Adoptivtochter ist glücklicherweise schon der Pubertät entwachsen.

Lilli Steinfest ist eine unerschrockene Frau, die auch in völlig abgedrehten Situationen eine grandiose Abgeklärtheit beweist (z.B. beim versuchten, gewaltsam erzwungenen Oralverkehr mir einem in Paprikapaste getauchten toten Fisch, den ein als Batman maskierter Wüstling urplötzlich aus seinem Hosenschlitz zaubert!...). Lilli ist cool.

Die wilde Hatz von Athen in den Jemen und rund um die Welt. Oder: Räuber und Gendarm im neuzeitlichen Gewand

Schnell findet Lilli dank ihrer feinen Klingonennase bei der Suche nach Stransky die richtige Spur.
Nebenbei: Ihr Chef Friedo "Baby" Hübner, unter Kollegen und in seiner Abwesenheit so genannt nach dem kleinen Wildschwein aus dem Marionettenspiel der Augsburger Puppenkiste "Katz und Maus", hält sich diskret zurück. Zu heiß, die Sache.

Vor Ort wird ihr der fettleibige Kette rauchende und kurzatmige Kallimachos zur Seite gestellt, bei dem man "das Wasser in den Beinen förmlich rauschen hört" und der sich nur schwitzend und mühsam mit Gehwägelchen oder Stock im Schneckentempo fortbewegen kann. Sein gefürchteter Nimbus beruht auf seiner scheinbaren Unverletzlichkeit in früheren Pistolenschlachten mit Banditen, die er alle eine einzige Schramme überlebte.

Er ist bei der ihrer Suche nach Stransky eher hinderlich als fördernd, aber eine herrliche gestaltete Nebenfigur innerhalb der Story.

Auf einer parallelen und nicht minder amüsanten Erzählebene lernen wir die Gegenspieler, die Jäger von Georg Stransky kennen, behaftet mit dem Ruf, schon siebenmal erfolgreich vernichtet zu haben. Menschenleben, wie gesagt.

Chef der Brutalos ist - Esha Ness, eine Frau, ein "attraktives Ungeheuer", ein Suberweib (im früheren Leben vermutlich Mammutjägerin), welche ständig ihren fünf Monate alten Buben namens Floyd (vermutlich künstliche Befruchtung, eventuell gar Windbestäubung?) durch die Gegend schleppt und dabei Salat speisend en passe' die tödlichen Instruktionen zur Liquidation von Georg Stransky erteilt. Sie ist gefürchtet, so dass ein jeder in ihrem Umfeld bemüht ist, es ihr recht zu machen.

Ihre Befehle richtet sie vorrangig an Henri Desprez, einen kleinen, knallharten Hund, als Legionär gestählt durch Mord und Totschlag.

Desprez hält Folter für "rückständig, persönlich motiviert, pathologisch und vor allem unökonomisch". Desprez liquidiert gnadenlos und schnell, das hat ihm den Job im Geheimdienst gekostet. Jetzt arbeitet er nach altbewährten Prinzipien ("Alles in der Welt, was mehr als dreimal gesagt und getan wurde, war eine Peinlichkeit") für jene hübsche, vom Ungeheuer mimikrierte, durchs Wasser schwebende Nixe namens Ness.

Skurrile Typen garantieren genüssliches Lesvergnügen

Lilli Steinbeck ist ein Lesegenuss für Gourmets der deutschen Sprache, für Langsamleser, Gaumendenker, die Satz für Satz genüsslich im Hirn zergehen lassen - und die es aushalten, aus dem nicht enden wollenden Bonmot-Bombardement ihr Zwerchfell bis an die Leistungsgrenze strapazieren zu lassen, und zwar auf angenehmste Weise.

Die unterschiedlichen Erzählebenen (Stransky und der gewandelte Finne Joonas Vartalo als Gejagte, Esha Ness und Henri Desprez als Jagende, Lilli Steinbeck und der behäbige Kallimachos als Rettungshelfer) wechseln anfangs Kapitelweise, ohne dass man Schwachpunkte und langweilige Aussetzer befürchten muss. Lilli Steinbeck ist aus einem Guss, ein überaus gelungener Krimi.

Das einzig verstörende ist der minimalisierte, hetzende Epilog, der die gehoffte Fortsetzung auf zwei Folgekrimis a la Markus Cheng so ziemlich aussichtslos erscheinen lässt. Lilli, wir würden dich nach diesem kurzen Gastspiel sehr vermissen!

Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Deine Meinung zu »Die feine Nase der Lilli Steinbeck«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
27.05.2016 15:35:53
kritikaster

buttercremetorte!!
ha! (vifu!) die ersten zwei bis drei bissen sind höchstens für einen sprachverliebten trottel göttlich. und wieso man dann die ganze buttercremetorte "durchhalten" muss, ist mir ein rätsel. ich habs nach den ersten bissen weg gelegt, das buttercremetortenbuch und mir statt des "soliden gedankenpotpurries2 (o.ton dicki greenleaf) lieber ein ordentliches schwarzbrot mit schinken, alias übliche krimihandlung reingezogen.
am rest der buttercremetorte wäre ich vermutlich krepiert.
ein blender, der steinfest. allerdings ein erfolgreicher, offensichtlich

23.08.2012 19:34:52
ingrida

Das einzig verstörende ist der minimalisierte, hetzende Epilog, der die gehoffte Fortsetzung auf zwei Folgekrimis a la Markus Cheng so ziemlich aussichtslos erscheinen lässt. Lilli, wir würden dich nach diesem kurzen Gastspiel sehr vermissen!
Dieser Aussage schließe ich mich an. Verstörend ist genau das richtige Wort. Ich hatte schon an eine "Ahnentafel" gedacht. Soviele Geburten - verstehe ich nicht ganz.

22.12.2011 13:57:52
vifu

Wunderbar! Leider ausgelesen!
Diese Lilly Steinbeck war sehr vergnüglich!
Dieser Roman hat was von einer sehr guten Buttercremetorte: die ersten zwei bis drei Bissen sind göttlich, dann muß frau durchhalten!:-))
Die Vorrezensenten haben ja teils recht, aber als normalen Krimi hab ich den Steinfest nie verstanden. Diese wunderbaren "Klugscheißer-Statements"sind doch reines Kabarett! Das entschuldigt sogar die Chauviismen (Lilly/Leon). Sicher am Ende hoffte ich auf ´ne Fortsetzung, aber Lilly war wohl wieder um 21h müde!
Viel Spass beim Lesen!

26.09.2011 14:43:36
GoGo IDEAL

Ein echter Genuss für mich! Steinbeck hat es drauf: packende Geschichten in einer bezaubernd poetischen Sprache zu erzählen.
Er wird nie kitschig oder ordinär. immer bleibt ein leicht spitzer Humor und eben dieser ganz besondere Einfallsreichtum.
Steinfest zu lesen hat auch etwas geistig Reinigendes, bzw. Erfrischendes für mich.
Ich sauge seine Bücher ein, wie ein Feinschmecker einen ganz besonderen Leckerbissen; für den sich aber sicher nicht alle begeistern lassen würden.

05.09.2009 21:24:19
Dickie_Greenleaf

Muss mich nochmal zu Steinfest äußern: denn sogar einen Monat nachdem ich das Buch zuende gelesen habe, lässt es mich noch immer nicht los. Habe sogar ein zweites von Steinfest gelesen, denn trotz aller Kritik, lohnt es sich. Aber wahrscheinlich nur für Leser, die nicht die übliche Krimihandlung suchen, sondern einen in Krimihandlung verpackten Gedankenpotpourrie. Von mir also nachträglich eine dicke Empfehlung!

14.08.2009 11:26:57
Dickie_Greenleaf

Ich meine die Leserrezension von meinem Vorredner "Kery". Diesem stimme ich voll und ganz zu. Verallgemeinerungen wie z.B. die, dass österreichische Frauen eleganter sind als deutsche, die sich oft nur wie auf Krücken fort bewegen, finde ich zu pauschal, um lustig zu sein. Und derer Meinungsäußerungen gibt es viele. Zu viele meiner Meinung nach.

14.08.2009 11:20:21
Dickie_Greenleaf

Stimme dem ersten Lesekritiker absolut zu: die Pauschalisierungen und permanenten Verallgemeinerungen dominieren den ab und an recht witzigen Text in einer Weise, dass ich mich als Leser gestört fühlte. Hier ist eindeutig die Stimme des Autors lauter als die aller Protagonisten. Die Behauptungen, dass Lilli Steinbeck so außergewöhnlich ist, bleiben Behauptungen. Nebenfiguren wie der griechische Polizist Stirling oder der fette Detektiv Kallimachos kommen wesentlich plastischer rüber. Die Geschichte ist außergewöhnlich und sehr interessant, weswegen, ich das Buch trotz nervender Sprache zu Ende gelesen habe. Die Lobhudelei der Kritiker bezüglich sprachlichem Feuerwerk kann ich jedoch absolut nicht nachvollziehen. Trotzdem: bitte mehr von solchen ungewöhnlichen Krimis! Immer noch besser als der Einheitsbrei.

17.05.2009 12:38:17
kery

"Viel versprochen, nichts gehalten", am Ende ist dem Autor die Luft ausgegangen. Das trost- und ideenlose fade Ende hat mir letztlich das ganze Buch vermiest, das am Anfang recht amüsant und abwechslungsreich begann. Die skurrile Story beginnt vielversprechend und sie muss auch nicht logisch sein, wenn sie in sich stimmig ist. Aber so einfallslos kann und darf es dann nicht enden. Der Autor hat vor sich selbst und seiner Geschichte kapituliert.Nervig sind auch die Klugscheißer-Statements die ständig abgegeben werden in der Art: "Man weiß ja was von Brausetabletten zu halten ist" oder " Vereine sind für Menschen gedacht, die nicht alleine auf Toilette gehen können" oder "Menschen in Badehosen sind das Letzte. Sind das überhaupt noch Menschen?" Wenn sowas auftaucht steht es meist in einem künstlich konstruierten Zusammenhang mit der Handlung und ich habe den Eindruck es spiegelt die Probleme wider, die Herrn Steinfest mit einigen Dingen seines Leben hat. Aber er schreibt halt lieber Bücher, anstatt zum Psychiater zu gehen. Der Geldfluss geht in die richtige Richtung. Das ist ja legitim. Für mich ist das Zustandekommen der gute Kritiken jedoch ein Rätsel. Aber Rätsel muss es ja auch geben.

17.05.2009 11:51:46
pescheg

"Die feine Nase der Lilli Steinbeck" ist gespickt mit schrägen Ideen und originellen Figuren. Die Story treibt wild vor sich her, mit Umschwüngen, Einschüben und Unvorhergesehenem ohne Ende.

Steinfests Arbeit überzeugt literarisch und ist von überdurchschnittlicher Qualität. Der Stil ist jedoch nicht so mein Ding. Da wäre manchmal weniger mehr. Dass mich die gewählte Sprache nicht so richtig packt und etwas außen vor lässt, trübt aber die Freude an der Fabulierlust und dem wilden Plot nur wenig. Sehr anregend!

15.05.2009 13:16:21
Samoa

Protagonisten: bleiben trotz gelegentlich scharfer Umrandung "schattenhaft". Die tieferen Beweggründe erschliessen sich nicht.
Handlung: Beginn sehr ungewöhnlich (gut), dann sprunghaft, eigentliche Hintergründe bleiben im Dunkeln.
Sprache: überwiegend sehr gefällig formuliert, Metaphern jedoch gelegentlich "nicht passend".
Ende: Die Frau findet ihr Glück in der Familie und am Herd... (?) steht in krassem Widerspruch zu den eigentlichen weiblichen "Haupt-Drahtzieherinnen".
Gesamteindruck: Ambivalent - es entstand keine "Bindung" zu den Personen, die ungewöhnliche Geschichte jedoch war lesenswert.

11.03.2009 15:42:55
Bio-Fan

"Ein humoristisches Höhenfeuerwerk in sprachlicher Bestform", da kann man dem Rezensenten nur zustimmen. Nur das Feuerwerke die Eigenschaft haben, mit einem Knall zu beginnen und mit einem ebensolchen aufzuhören. Gilt der erste als Startschuss für die unglaubliche, ja phantastische Odyssee der Protagonistin Lilli Steinbeck von Athen über den Jemen nach Mauritius und retour, so markiert der letzte ein abruptes, mir nicht ganz verständliches Ende. Mag sein, daß der Autor ob seiner eigenen Brillianz erschöpft war - ich war es auch.
Der Roman verlangt und verdient viel Aufmerksamkeit, deshalb heisst es, konzentriert lesen. Lilli Steinbecks Nase ist in natura nicht so fein wie Steinfests Humor, aber beide sind schon außergewöhnlich.

Ein Lesevergnügen. 90 Grad

19.08.2008 13:34:45
Sabine

Wieso denn "blödes Ende"? Ich finde es perfekt. Wie überhaupt das ganze Buch - habe es mir angehört, von Dietmar Mues gelesen, wunderbar.
Endlich mal etwas richtig Gutes.
Das Marionettenspiel heißt übrigens nicht "Katze und Maus", lieber Herr Neumann, sondern "Katze mit Hut" und ist wirklich sehenswert. Da wird ein heruntergekommenes altes Haus von seinen tierischen Mietern "glücklichgewohnt" und der griesgrämige Hausbesitzer gleich mit.
Einer von vielen schönen Schnörkeln und Anspielungen.

15.05.2008 21:23:29
vargas

Das erste Kapitel ist das vielleicht beste, das ich jemals gelesen habe.
Die weitere Handlung kann damit natürlich nicht mehr ganz mithalten, aber es ist dennoch ein tolles Buch, voller irrwitziger Leute und Handlungen.
Was das blöde Ende betrifft, gebe ich dem Rezensenten recht, aber der Ausgang der Geschichte ist bei einem derartigen Buch mMn nicht so wichtig.
Für Freunde des skurrilen Krimi jedenfalls ein Muss!

27.03.2008 17:28:47
blubb

Mich hat das Buch regelrecht gefesselt. Von Langeweile keine Spur. Immer wieder neue Entdeckungen die neue Aspekte erschlossen und neuen Schwung in die Geschichte brachten. Anfangs war ich doch sehr verwirrt über die mythologische Seite des Buches doch im Nachhinein muss ich sagen ist auch diese Mystik ausschlaggebend für den Bann in den das Buch unweigerlich hineinzieht. Über die Kunst Steinbecks die deutsche Sprache zu verwenden müssen wir hier garnicht sprechen. Ein überaus gut gelunger aber untypischer Krimi.

19.11.2007 18:18:34
Sampo

Eine gute Eingangsszene macht noch keinen guten Krimi. Nach der telefonischen Überredung einen vergifteten Apfel zu essen, wird es abstrus und langweilig. Den Jubel der Kritiker kann ich nicht nachvollziehen, alle 'nur' Leser mit denen ich über dieses Buch sprach, fanden es unwitzig und langweilig bis nervend.

03.10.2007 11:58:26
numerobis

lieber herr neumann,

>Oder vom streng geheimen Weltraumprogramm der französischen Regierung und dem unterirdischen Raketenstützpunkt auf Mauritius?<
das war nicht auf mauritius, sondern auf st. paul.
nichts für ungut.

numerobis
(volker)

03.10.2007 11:49:06
numerobis

skurril, steinfests wortwitz, schräg, herrlich.
das ende allerdings hat mich nicht ganz befriedigt.

aber allein die dodos und die ansichten über großmütter sind das buch wert.

seinen detektiv cheng allerdings finde ich besser.

01.10.2007 15:54:53
Gianni

Sprachlich und wortgewandt ist er ja unser Steinfest aber ich finde, dass das neue Buch nicht wirklich an seine vorherigen anschliessen kann. Wortwitz und Spielereien ok, aber von der Handlung her und vor allem dem Ende graut mir heute noch.
Wer wirklich gut gewählte Worte liebt sollte es unbedingt lesen, wer jedoch eher der Typ ich lese einen Krimi im Bett vor dem Einschlafen ist, Finger weg, man muss voll bei der Sache sein um zumindest den Wortwitz auszukosten.

28.09.2007 17:03:26
Pumsmogul

Nur wer Freude an Skurilitäten hat wird auch Steinfests neuestes Werk mögen. Sprachlich durchaus anspruchsvoll, ist die hanebüchene Story nur etwas für den Liebhaber österreichischer TV-Krimis, die bei allen denen die sich nach Spannung sehnen, einen doch sehr faden Nachgeschmack hinterlassen...

18.09.2007 13:45:47
mase

Steinfest lesen ist (die Vegetarier mögen es verzeihen) wie wenn man ein saftiges Stück Steak isst. Das wird auch nicht runtergeschlungen, sondern man lässt es auf der Zunge zergehen. Schön langsam. Da wird ein Satz oder auch ein Absatz ein zweites oder sogar drittes mal gelesen, um auch jeden Sprachwitz, jede Formulierung und jeden herrlichen Vergleich aufzusaugen. Es ist hat mich wieder erstaunt, zu was unsere Sprache zu gebrauchen ist, wenn sie richtig eingesetzt wird.
Soviel Krimi und Action wie bei diesem Werk hat uns Steinfest noch nie geschenkt und büsst trotzdem nichts von seinem Stil ein. Aber wie immer ist der Weg das Ziel und der Plot irgendwie zweitrangig. Es ist wunderbar wie er Dinge des Lebens auseinander pflückt und neu interpretiert um eine andere Sicht derer zu bekommen. Köstlich ist z.B. die Anschauung Stranskys über Sex.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die offenen Fragen (Medaillon) noch gelöst werden. Vielleicht von Lillis Tochter?

In jedem Österreicher steckt ein Deutscher.

14.09.2007 10:46:23
Karin Bucconi

Heinrich Steinfest steht zum Glück für den etwas anderen Kriminalroman. Seine Figuren und auch Teile der Handlungsstränge unterscheiden sich so erfrischend von den Serienheld/innen anderer Krimis. So vereint auch sein neuestes Roman gekonnt schräge Typen und einen irre konstruierte Geschichte.

08.09.2007 19:23:11
Lilith1976

Ich kann Herrn Neumann in den meisten Teilen seiner Rezension zustimmen, bei der Lektüre habe ich mich königlich amüsiert. Allerdings hat mich das Ende doch schwer enttäuscht, weil meiner Meinung nach so viel offen und unerklärt bleibt und auch der knappe Epilog den Leser unbefriedigt den Buchdeckel schließen lässt. Wenn die (eigentlich nicht erfolgte) Auflösung nicht so lieblos dahingeschrieben wirkte, hätte ich mir auch ein baldiges Wiedersehen mit Lilli Steinbeck gewünscht.

Echte Täter,
wahre Ereignisse

Wir berichten über spannende Kriminalfälle und spektakuläre Verbrechen, skrupellose Täter und faszinierende Ermittlungsmethoden – historisch, zeitgeschichtlich, informativ. Aktueller Beitrag: Der große Wall-Street-Anschlag von 1920, ein Krimi-Couch Spezial von Dr. Michael Drewniok. Titel-Motiv: © istock.com/EXTREME-PHOTOGRAPHER

mehr erfahren