Aus der Welt

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: Viking, 2005, Titel: 'The Minotaur', Seiten: 310, Originalsprache
  • Zürich: Diogenes, 2007, Seiten: 458, Übersetzt: Renate Orth-Guttmann
  • Zürich: Diogenes, 2008, Seiten: 458

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Sabine Reiß
Für ein paar Stunden in einer anderen Welt

Buch-Rezension von Sabine Reiß Sep 2007

Hinter dem Pseudonym Barbara Vine verbirgt sich für Eingeweihte die vielleicht noch bekanntere Kriminalschriftstellerin Ruth Rendell, die vor allem mit ihrem Wexford-Krimis eine große Anhängerschaft um sich schart. Doch auch außerhalb dieser Serie wirft sie unter ihrem eigenen Namen mit Vorliebe einen Blick hinter die Kulissen der britischen Gesellschaft, vorzugsweise des zu Wohlstand gekommenen Kleinbürgertums.

Ihre unter ihrem Pseudonym erschienen Bücher bedienen auf den ersten Blick ein anderes Leserklientel. Das Verbrechen steht nicht so sehr im Vordergrund, sondern die Psychologie einer Tat. Werden diese Romane insgesamt als Psychothriller bezeichnet, so trifft das für ihren neuesten Roman Aus der Welt eher nicht zu. Ein wichtiges Merkmal zur Identifizierung eines Psychothrillers fehlt nämlich gänzlich: die drohende Gefahr für die Hauptperson.

In Gefahr schwebt die junge Schwedin Kerstin Kvist weder später noch zu dem Zeitpunkt, als sie ihre neue Stelle in England antritt, um in der Nähe ihres Freundes Marc zu sein. Eine Bekannte hatte ihr den Job vermittelt. Das von Efeu überwucherte Lydstep Old Hall mit seinen verschlossenen Zimmern löst bedrückende Gefühle bei dem jungen Mädchen aus. Auch aus der Familie wird sie nicht ganz schlau. Sie soll den Cosways bei der Pflege von John helfen, der mit seiner Mutter und seinen drei unverheirateten Schwestern Ella, Winifred und Ida, allesamt späte Mädchen, in dem alten Herrenhaus lebt. Als sechstes Familienmitglied ist die in London lebende Tochter Zorah zu nennen, die als Witwe mit dem Geld ihres Mannes unabhängig auftritt und als uneheliches Kind aus der noch bestehenden Liaison Julia Cosways mit dem Hausarzt hervorgegangen ist.

Krankheiten und andere Störungen

John ist um die Vierzig und leidet nach Diagnose dieses Hausarztes unter Schizophrenie. Da er mit starken Medikamenten ruhig gestellt wird und seine Mutter sich vorwiegend um ihm kümmert, die auch ansonsten ein sehr strenges Regiment führt, hat Kerstin zunächst viel Freizeit. Sie beginnt mit den Aufzeichnungen in einem Tagebuch und versieht die Texte mit Skizzen, um sich die Zeit zu vertreiben. Obwohl sie nur eine Kurzausbildung in Krankenpflege absolviert hat, macht sie sich ihre eigenen Gedanken über Johns Gesundheitszustand. Heutzutage würde man wohl sagen, er habe an Autismus gelitten, doch in den 60er-Jahren war von dieser Krankheit noch nicht die Rede.

Barbara Vine lässt vorwiegend Kerstin aus ihrer Sicht erzählen, was damals in Lydstep Old Hall passierte. Ab und an kommentiert sie als Erwachsene ihre eigenen Erinnerungen, die nur auf einen Punkt zusteuern: die Katastrophe. Mit einem guten Spannungsbogen gelingt es der Autorin, den Leser neugierig auf das Ende zu machen. Die junge Schwedin wird durchweg sympathisch geschildert. Durch ihren Blick von außen ist man zugleich verwoben mit der Geschichte und kann so ohne Distanz zur Hauptfigur ganz und gar in die Familientragödie eintauchen.

Versetzt in eine andere Zeit

Die Erzählung wirkt auf eigentümliche Weise antiquiert, nicht nur, weil sie in der Mitte des 20. Jahrhunderts spielt, sondern auch, weil die Figuren nach einem Schema handeln und leben, das der ehemaligen upper class gerecht wird, die von den Veränderungen und den modernen Errungenschaften der Swinging Sixties noch nicht erreicht wurde. Die perfekte Ausarbeitung der Charaktere, die voller Klischees stecken, tut ihr Übrigens dazu, den Leser in einen Bann zu schlagen, dem man sich nicht entziehen kann.

Eine knappe Einordnung in ein Genre fällt bei diesem Buch extrem schwer. Auch wer keine Krimis mag, wird an Barbara Vines Story gefallen finden können. Am ehesten kann man noch einen Bezug zu den Romanen von Joan Aiken knüpfen, eine Schriftstellerin, die mit ihren fünf Jane-Austen-Folgeromanen und ihren Mystery-Romanen bekannt wurde.

Subtil, still und leise entführt uns Barbara Vine mit ihrem Roman Aus der Welt in eine andere Welt. Sie lässt einen erst wieder los, wenn die letzten Seiten gelesen sind. Insgesamt ein wirklich gelungenes und empfehlenswertes Buch.

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Letzte Kommentare:
20.09.2009 17:26:15
Dr.Dieter Rohnfelder

Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt, liebe Profis von Krimi.Couch.de, und diesmal nicht - wie regelmäßig beim "Alterswerk" von Ruth Rendell - mit einem Verriss (!). Offenbar liegen Euch Thematik und Stil von Barbara Vine besser. Mal sehen, was Ihr von "The Birthday Present" haltet.
Zum vorliegenden Buch kann ich Euch nur zustimmen. Die Charaktere der Familie Cosway und die Gruppendynamik werden großartig geschildert. Von mir sogar 87 Grad.