Callgirls

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • New York: William Morrow, 2004, Titel: 'Mr. Paradise', Seiten: 291, Originalsprache
  • München: Heyne, 2007, Seiten: 315, Übersetzt: Jochen Stremmel

Couch-Wertung:

25°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
0 x 71°-80°
1 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:69
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":1,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Wolfgang Weninger
Der Funken springt nicht über

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2007

Mister Paradiso hat seinen Spaß daran, wenn zu einem alten Footballmatch im Fernsehen nicht ganz so alte Damen als halbnackte Cheerleader vor ihm auf und ab hopsen. Chloe hat ihr Leben als Callgirl aufgegeben und widmet sich dem alten Herrn exklusiv und an dem Abend, an dem die Geschichte beginnt, hat auch ihre Freundin Kelly das lukrative Angebot des alternden Anwalts angenommen. Während Chloe sich intensiv um das Wohlbefinden ihres Mäzens kümmert, zieht sich Kelly mit dessen rechter Hand, Montez Taylor zurück, doch der Abend findet sein jähes Ende, als im Erdgeschoss Schüsse fallen. Mr. Paradiso und Chloe hauchen ihr Leben aus.

Montez Taylor behauptet gegenüber dem ermittelnden Polizeibeamten Frank Delsa, dass die tote Chloe Kelly wäre und Kelly macht das Spiel mit, denn die beiden Hübschen sahen sich zum Verwechseln ähnlich. So rechnen sowohl Taylor, als auch Kelly, ein beträchtliches Sümmchen aus der Verlassenschaft von Mr. Paradiso zu ergattern. Denn offensichtlich hatten Taylor und Chloe den Tod des alten Mannes geplant, durch den Frauentausch und eine Terminverschiebung, mussten die Killer jedoch auch Chloe als potentielle Zeugin erschießen. Und um an die Werte im Schließfach zu kommen, braucht Montez die schöne Kelly, damit sie Chloes Rolle spielt ...

Elmore Leonard eilt der Ruf voraus, ein begnadeter Krimischreiber zu sein, dessen Geschichten in humorvoller direkter Rede ablaufen. Seiner Zeichnung der Charaktere und den Beschreibungen des Ambientes zollen (amerikanische) Kritiker höchste Hochachtung. Auch als Drehbuchautor hat er sich u. a. in "Schnappt Shorty" mit John Travolta einen Namen gemacht.

Das war sicherlich ein Grund, dass sich der Goldmann Verlag die Kriminalstory "Mr. Paradiso" von Jochen Stremmel ins Deutsche übersetzen ließ und mit dem marketingwirksameren Titel "Callgirls" auf den deutschsprachigen Buchmarkt gebracht hat, um sich hier ein Stück vom Bestsellerkuchen abzuschneiden.

Leider ist jedoch auf den 315 Seiten vom Wortwitz in den Dialogen absolut nichts zu merken und auch die Beschreibung der Handlungsorte schmeckt eher nach faden Drehbuchangaben. Ob hier der Autor eine Schaffenskrise hatte oder der Übersetzer lieblos ans Werk gegangen ist, mag dahin gestellt bleiben. Ganz klar ist aus einer interessanten Story mit guten Ansätzen ein langweiliges Elaborat entstanden, dessen Sprache mit der Einfachheit drittklassiger US-Fernsehserien um die Goldene Zitrone streiten kann.

Wenn man an diesem Roman überhaupt ein gutes Haar finden kann, dann liegt das an der Gestaltung der Nebenpersonen, von denen zu allererst die beiden Killer zu nennen sind, die in ihrer Dummheit und in ihrer tödlichen Konsequenz noch am ehesten für Lesevergnügen sorgen können. Dass der smarte Ermittler Frank Delsa sich den weiblichen Reizen des Unterwäschemodels Kelly nicht entziehen kann, ist mehr als vorhersehbar, aber gottlob hat der Autor darauf verzichtet, hier ins Detail zu gehen. Im Grunde genommen hat keiner der Handlungsträger auch nur einen Funken Ausstrahlung zu bieten.

Die so sehr gelobten Milieustudien von Mr. Leonard ziehen im Deutschen leider überhaupt nicht. Weder erzeugen sie Stimmung, noch Spannung und schon gar nicht einen angenehmen Lesefluss, an dem es in diesem Buch völlig mangelt.

"Callgirls" ist ein schlechter Versuch, die unwidersprochenen Qualitäten des Autors in deutscher Sprache zu vermarkten. Hier muss man leider ganz klar feststellen, dass die Lektüre dieses Buches zutiefst unbefriedigend war und als reine Zeitverschwendung ad acta gelegt werden kann. Als deutsche Erstveröffentlichung ist dieser Roman ein Flop.

Callgirls

Callgirls

Deine Meinung zu »Callgirls«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
09.12.2008 20:50:23
Alexander

Ich als Hardcore-Elmore Leonard-Fan freue mich ja immer, wenn ich andere Meinungen über die Bücher von Mr. Leonard lese. Ich muß Nadir zustimmen, dass "Callgirls" für einen Thriller nicht viele Spannungselemente besitzt und vieles vorhersehbar ist. Die von Nadir erwähnten Werke sind alle besser als "Callgirls". Ich freue mich auch schon auf "Up in Honey´s Room", dem Nachfolger von "The Hot Kid". Als Bewertung von "Callgirls" würde ich 55 Prozent vorschlagen.

17.11.2008 21:44:30
Nadir

Habe leider nur die deutsche Version gelesen, bin auch vergleichsweise wenig entzückt, vom Schwunger früherer Großtaten (Riding the rap/Volles Risiko) oder späterer Meisterleistungen (The hot kid) kommt nicht viel rüber, vielleicht wegen der drögen Übersetzung, vielleicht auch, weil vieles zu vorhersehbar ist. Im Hinblick auf die vielen starken Momente in The hot Kid, erscheint Mister Paradiso eher als Zeitvertreib, 25° sind sicher zu ungnädig für ein ziemlich lauwarmes Buch ohne die Überraschungsmomente, die z.B. Rum Punch (Jackie Brown) ausmachen, aber da die Charaktere in Mister Paradiso nicht mal halb so interessant sind, gebe ich (schweren Herzens) 40°.

18.04.2008 14:34:33
Alexander

Na das ist aber mal eine Überraschung. Hat nach so langer Zeit doch mal einer das Buch gelesen und eine Kritik dazu abgeliefert bzw. auf meine reagiert. Ich dachte schon, ich bliebe der einsame Rufer in der Wüste. Freut mich das du auch ein wenig meine Ansicht teilst. Wie fandest du "Callgirls"? Welche Bücher von Elmore kennst du noch?

17.04.2008 19:28:11
rebecca

Lieber Alexander,

schockiert zu sein über die "kritik" von herrn weniger ist nicht angebracht.

Wenn ein kopf und ein buch zusammenstoßen und es klingt hohl, muß nicht das buch daran schuld sein.

Oder, um statt mit lichtenberg mit herrn weniger zu sprechen: wenn ein "funken" nicht überspringt von einem buch wie diesem auf einen kopf wie jenen, dann ist definitiv der kopf daran schuld.

mfg rst

27.08.2007 19:06:17
Alexander

Also ich als Hardcore-Elmore Leonard-Fan bin schon ein wenig schockiert über die vernichtende Kritik von Herrn Weninger. Zugegeben "Mr. Paradiso" ist nicht das beste und spannenste Buch von Elmore, aber es hat definitiv mehr als 25 Grad verdient. Ich muß auch dazusagen, dass ich es im englischsprachigen Original gelesen habe und da fand ich die Dialoge nicht so fade einfach, sondern dem Handlungsort Detroit irgendwie angemessen. Der ganze Roman las sich im Original sowieso mehr wie ein Portrait von Motown als wie ein Polizeithriller. Ich muß Herrn Weninger allerdings zustimmen, dass der deutsche Titel ziemlich reißerisch und doof ist. Eine Übernahme des Originaltitels wäre besser gekommen. Und dann muß ich noch anmerken, dass Elmore Leonard nicht das Drehbuch zu "Schnappt Shorty" geschrieben hat, sondern die zu recht hochgelobte literarische Vorlage. Des weiteren kann ich Herrn Weninger nur empfehlen die beiden Anfang der Achtziger erschienenen Polizeiromane von Elmore Leonard zu lesen. Die Titel sind "Entscheidung in Detroit"[City Primeval] und "Split Images"(leider weiß ich auf die Schnelle nur den Originaltitel).
Weiterhin ebenfalls sehr lesenswert ist das 1988 erschienene Buch "Freaky Deaky"(da ist der Originaltitel clevererweise übernommen worden), dies hat auch auch einen Angehörigen der Detroiter Polizei zur Hauptfigur. Er ist aber kein Beamter des Morddezernates, sondern eine ehemaliger Sprengstoffexperte der jetzt im Sittendezernat seinen Dienst tut.