Im Schatten der Sünde

Im Schatten der Sünde
Im Schatten der Sünde

Erschienen: Januar 2007

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Sundbyberg: Semic, 2003, Titel: 'Kärleken skär djupa sår', Seiten: 333, Originalsprache
  • Frankfurt: Fischer, 2007, Seiten: 341, Übersetzt: Dagmar Lendt

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Jörg Kijanski
Schnell und elend lang ins Private

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2007

Die junge Tanja wird nach einem Thailand-Urlaub mit ihrem Freund Peter am Flughafen verhaftet, da sich in ihrem Gepäck Rauschgift befindet. Immer wieder beteuert sie ihre Unschuld und bittet im Frauengefängnis die Pastorin Ingrid mit Peter zu sprechen. Dieser müsse ihr helfen. Doch Peter lehnt jeden Kontakt zu seiner Freundin ab, da er sich von ihr betrogen fühlt. Tanja habe im Urlaub einen alten Hippie namens Banjo kennen gelernt und offenbar vorgehabt mit diesem ein neues Leben anzufangen. Daher das Rauschgift.

Ingrid versucht zwischen Tanja und Peter zu vermitteln, erhält jedoch kurz nach ihren ersten Gesprächen einen Drohbrief, in dem sie aufgefordert wir, mit Menschen aus Tanjas Umfeld keinen Kontakt mehr aufzunehmen. Ingrid nimmt die Drohung zunächst nicht ernst, aber nur wenig später bekommt sie einen weiteren Brief, ihre Haustür wird verschmiert und durch ihren Türschlitz wird eine tote Ratte geworfen. Als kurz darauf eine Gefängnisinsassin, die sich zuvor vertraulich mit Tanja unterhalten hat, bei ihrem ersten Freigang schwer verletzt wird, bekommt es auch Ingrid mehr und mehr mit der Angst zu tun. Doch wessen Version ist richtig? Sagt Tanja oder Peter die Wahrheit? Die Ereignisse drohen sich zu überschlagen, nachdem Tanja zunächst einen Selbstmordversuch unternimmt und ihr anschließend die Flucht aus dem Krankenhaus gelingt...

Selten war eine Protagonistin so weltfremd...

Helena von Zweigbergk macht es ihren Leserinnen und Lesern nicht gerade einfach. Eine Gefängnispastorin als "Ermittlerin" ist ja zunächst mal eine nette Idee, welche Abwechslung vom genreüblichen Mainstream verspricht. Wenn aber die Protagonistin derart unbeholfen durch das Leben streift wie im vorliegenden Fall wird es problematisch. Ingrid kennt nur ihre Gefängnisarbeit, die Arbeit im Pastoratsbüro und die ständige Zwiesprache mit dem Herrn. So weit so gut möchte man meinen, aber als sich Ingrid und der Leiter des Pastoratsbüros, Anders, zaghaft näher kommen, wollen beide alsbald "etwas gewagteres" anstellen und gehen (Achtung!!) gemeinsam Sushi essen.

Ingrid ist die perfekte Anti-Heldin, eine gehemmt-introvertierte "graue Maus" mit der schon zu Schulzeiten keiner etwas anfangen konnte und die sich nun ganz auf ihre Laufbahn als Pastorin konzentriert. Folglich stolpert sie durch diesen Fall, immer wieder gefangen in ihrem Schweigegelöbnis, denn andernfalls hätte sie dem ermittelnden Polizisten Robert schon frühzeitig helfen können. Die Story wird aus der Sicht der Ich-Erzählerin Ingrid wiedergegeben. Dabei wird deren Figur konsequent gezeichnet (abgesehen vom Finale, wo sie versucht die Heldin zu spielen, was nun gar nicht zu ihrer Person passen mag) und eben genau dies führt zu der ein oder anderen quälenden Textpassage. Wie schwer sich beispielsweise zwei erwachsene Menschen (Ingrid ist immerhin schon Anfang 30, Anders deutlich älter) damit tun können, sich gemeinsam einen Kinofilm anzusehen, wirkt mitunter schon recht unrealistisch. So weltfremd können selbst eingefleischte Pastorinnen nicht sein.

Nur zwei Lösungen möglich, dazu reichlich viel Beiwerk...

Der Plot selbst ist zunächst etwas spannungsarm, da von Zweigbergk wie fast alle skandinavischen Autorinnen und Autoren dazu neigt, schnell und elend lang in das Privatleben ihrer Protagonistin abzuschweifen, u. a. durch die bereits angesprochene Beziehung zwischen Ingrid und Anders, die bei den beiden natürlich nur sehr schleppend voran kommt. Doch auch in ihrem Berufsleben hat Ingrid einiges an Problemen zu bewältigen. Ein widerspenstiger Kollege steht ihr ablehnend gegenüber und ihre Freundin und Chefin, die Gefängnisleiterin Anita, erleidet einen Herzinfarkt. So kommt die Geschichte dann doch noch auf gut 340 Seiten, obwohl der eigentliche Plot...

Im Ergebnis leidet die Story darunter, dass frühzeitig klar ist, dass nur Tanja oder Peter die richtige Version erzählen kann. Entweder ist Tanja unschuldig in die Sache hinein geraten oder sie wollte mit dem Verkauf der Drogen ein neues Leben finanzieren. Angesichts dieser vermeintlich simplen Ausgangslage bleibt die Frage, wer von beiden denn nun der oder die Böse ist (und ggf. noch Helfer hat), erfreulich lange offen. Freunde skandinavischer Krimikost und atypischer Helden können hier zugreifen, wenngleich es ansprechendere Werke gibt.

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