Das Geheimnis des Buchhändlers

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • New York: Scribner, 2004, Titel: 'The Bookman´s Promise', Originalsprache
  • Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2007, Seiten: 6, Übersetzt: Brandt, Volker
  • Berlin: Aufbau, 2009, Titel: 'Hunter', Übersetzt: Thomas Haufschild

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Thorsten Sauer
Tolle Idee - aber zu wenig daraus gemacht

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Jul 2007

Wer schon einmal in einem Antiquariat nach alten Büchern gestöbert hat, kennt das vielleicht: Man findet in der hintersten Ecke eines Regals einen verstaubten Einband, zieht ihn hervor und blättert ehrfurchtsvoll und fasziniert in den brüchigen Seiten. Jeder, der das schon einmal erlebt hat, weiß, dass Bücher mehr sind als gedruckte Information, gebunden zwischen zwei Buchdeckel. Es sind vielmehr faszinierende Produkte, die - wenn es sich um alte Werke handelt - häufig Zeugnis ablegen, von einer vergangenen Zeit. Für begeisterte Sammler sind sie sogar mehr: Statussymbole, für die man mitunter ein Vermögen auszugeben bereit ist. Der amerikanische Autor John Dunning, der in Denver selbst ein Antiquariat besaß, das unter Sammlern Kultstatus genoss, nutzt diese Faszination für einen viel versprechenden Krimiplot.

Ein Geheimnis, das keines ist

Es gibt eine Todsünde, die kein Krimiautor in seinen Büchern begehen sollte, nämlich die, den Leser am Ende des Romans mit unbeantworteten Fragen zurück zu lassen. Leider passiert das bei Dunning und er ist daran völlig unschuldig. Der Leser wird das Geheimnis des Buchhändlers nie erfahren und ein Blick auf den Originaltitel verrät auch warum: The Bookman's Promise. Also wörtlich übersetzt etwa: Das Versprechen des Buchhändlers. Eigentlich ein hübscher und treffender Titel, scheinbar aber nicht zugkräftig genug und daher die sehr freie Auslegung der englischen Sprache. Ob das zutrifft und weshalb der deutsche Verlag damit der unendlichen Geschichte unglücklich übersetzter Buchtitel eine weitere Episode hinzufügt, ist dagegen tatsächlich ein Geheimnis.

Das Versprechen des Buchhändlers

Dem Ex-Cop Cliff Janeway, der einen kleinen Buchladen führt und sich dem Aufspüren seltener Erstausgaben verschrieben hat, gelingt der große Coup, von dem jeder bibliophile Sammler träumt: Er findet die ultimative Erstausgabe, die nicht nur alt und in bemerkenswert gutem Zustand ist, sondern außerdem eine geheimnisvolle Originalwidmung des Autors enthält. Bei dem Werk handelt es sich um einen Reisebericht des englischen Abenteurers und Schriftstellers Richard Burton aus dem 19. Jahrhundert. Janeway gibt ein Vermögen für den Band aus und erlangt unter Sammlern eine gewisse Berühmtheit. Daher verwundert ihn das Auftauchen einer alten Dame, die mit ihm über das Buch sprechen möchte, zunächst auch nicht sonderlich. Die gibt sich jedoch als eine Nachfahrin des Adressaten der Widmung in Burtons Reisebericht aus und erzählt Cliff eine Geschichte, die beweisen soll, dass Sie die rechtmäßige Eigentümerin des Buches ist, da es ihren Vorfahren von habgierigen Buchhändlern gestohlen wurde.

Die Geschichte wirkt zunächst unglaubwürdig, doch sie weckt das Interesse von Janeway und appeliert an den Gerechtigkeitssinn des ehemaligen Polizisten. Er beschließt sich näher mit der Vergangenheit des Buches auseinanderzusetzen und Kontakt zu der alten Dame zu halten, die fast übermenschliche Anstrengungen unternommen hat, um ihn zu treffen. Anstrengungen, die zu viel für sie waren. Sie stirbt noch am gleichen Abend und Janeway verspricht ihr am Totenbett den Verbleib des Familienbesitzes zu klären. Mit dem Tod der Dame beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Ein Mord passiert, skrupellose Buchhändler sowie dubiose Sammler tauchen auf und zwingen Jenaway, der mehr und mehr in Gefahr gerät, seine gesamte Erfahrung als Ex-Polizist in die Waagschale zu werfen. Ausgerechnet in dieser Situation verliebt er sich in eine Frau, die auf geheimnisvolle Weise in die Sache verstrickt ist.

Man hätte mehr daraus machen können

Seltsam, da hält ein zweifellos talentierter Autor sämtliche Zutaten für eine fesselnde Erzählung in den Händen und trotzdem gleicht das Ergebnis eher dem Geschmackserlebnis eines zu lange gekauten Kaugummis: zäh und fade.

Dabei hätte daraus ein richtig spannender Krimi mit unverbrauchtem Hauptdarsteller und einer ungewöhnlichen Story werden können. Cliff Janeway, der Ex-Cop, der die Fahndung nach Verbrechern aufgegeben und durch die Jagd auf einzigartige Erstausgaben ersetzt hat, weckt mit seiner zivilisierten Oberfläche, unter der die ungestüme Gewalt des hartgesottenen Bullen brodelt, zunächst Lust auf mehr. Erst recht, als in Gestalt der alten Dame, die Figur Richard Burton ins Spiel kommt, dessen (reales) Leben bereits etliche Bücher gefüllt hat.

Doch die Verknüpfung der Faszination für den Forscher, Abenteurer und Schriftsteller Burton, mit einer Krimihandlung um geraubte Bücher, will dem Autor nicht so recht gelingen. Beim Lesen der - ziemlich konstruiert wirkenden - hypnothischen Rückführung der alten Dame in die Zeit Richard Burtons, ist man ständig geneigt zu fragen, ob es nicht unzählige spannendere Tage in Burtons Leben gegeben haben muss, als die die Dunning schildert. Immerhin geht es um jenen Mann, der als vermeintlicher Spion unzählige Länder bereist, dem puritanischen England die Übersetzung des Kamasutras gebracht hat und dessen Ehefrau aus Scham über das missratene Lebenswerk des Gatten, den gesamten Nachlass verbrannte.

Leider entschädigt die Krimihandlung auch nicht gerade für Längen in der Episode um Richard Burton. Da gibt es die böse Buchhändlerfamilie, die vor nichts zurückschreckt, um das eigene Vermögen zu mehren und den dubiosen Kunden die Werke zu beschaffen, die auf legalem Wege nicht zu erwerben sind. Die Liebesgeschichte, die mit spritzigen Dialogen recht vielversprechend beginnt, plätschert bereits nach relativ kurzer Zeit ziemlich konventionell dahin und die Handlung selbst wirkt reichlich konstruiert.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein talentierter Autor und eine gute Idee nicht zwangsläufig einen tollen Krimi ergeben müssen. Empfehlen kann man Das Geheimnis des Buchhändlers daher vermutlich nur jenen, die bereits einige Werke über Burton gelesen haben und damit Dunnings Faszination, die er nur leidlich vermitteln kann, nachempfinden können. Alle anderen werden nicht viel mehr bekommen, als einen durchschnittlichen Krimi, der von seiner guten Grundidee zehrt aber weit unter den Möglichkeiten bleibt.

Das Geheimnis des Buchhändlers

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Letzte Kommentare:
17.04.2011 16:42:05
andkra67

Die Idee ist gut - auch schafft es der Autor durchaus eine entsprechend antiquarische Atmossphäre zu schaffen und durchgängig zu halten. Die Hauptfigur ist ausgesprochen interessant, jedoch hätte er "im ersten Leben" nicht zwingend Cop sein müssen. Der Plot hätte durchaus einige Seiten und damit tiefere Charakterzeichnungen verdient gehabt, aber letztendlich ist der Krimi insgesamt überdurchschnittlich und phasenweise angenehm ungewöhnlich. Als Bücherfreund hatte ich nahezu durchgängig Spaß.

28.09.2009 18:38:00
booklover

Also ich bin nicht ganz so kritisch. Der Autor ist für mich eine große Entdeckung, weil er eine supergute Idee für den Plot hatte und diese auch ganz gut umsetzt.
Mir gefallen an diesem Buch drei Dinge ganz besonders:
- Die Figur des ermittelnden Buchhändlers, dessen Liebe und Leidenschaft für Erstausgaben mir nahe gebracht werden, obwohl ich sie nicht teile. Und er ist ein liebenswerter Kerl.
- Die Teile über Richard Burton und seine Reisen finde ich faszinierend, obwohl ich vorher nie von ihm gehört hatte.
- Wenn Buchläden beschrieben werden, ach das liebe ich so.
Übrigens sind die Figuren von Dunning nicht ganz so glatt, oberflächlich und auswechselbar wie sonst so häufig bei den US-Autoren.
Ja, er hätte noch mehr aus der tollen Idee machen können, aber ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und werde mir alles von John Dunning besorgen.
Und ja, eine bescheuerte Idee, mit dem dritten Band zu beginnen, verstehe das, wer will.

18.07.2007 14:32:49
Bodo Paschke

Das Problem bei der ganzen Sache ist nur,daß der deutsche Verlag die Serie
mit dem dritten Band begonnen hat,
anstatt mit dem ersten,so daß gewisse
Hintergrundinformationen aus den ersten
zwei Bänden fehlen.