Letzter Halt

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • London: Collins, 1999, Titel: 'Only Darkness', Seiten: 260, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2000, Seiten: 350, Übersetzt: Ariane Böckler
  • München: Goldmann, 2002, Seiten: 350

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Michael Drewniok
Wenig Neues unter der Sonne

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Deborah Sykes, genannt Debbie, ist vom Leben nie verwöhnt worden. Die zurückhaltende, alleinstehende Frau ist trotz ihrer Jugend und ihres Universitätsstudiums in eine berufliche Sackgasse geraten. An studierten Literaturdozenten herrscht kein Mangel und wenig Bedarf auf dem Arbeitsmarkt. So muss sich Debbie noch glücklich schätzen, am nicht gerade renommierten City College des kleinen und ziemlich profilarmen Städtchens Moreham in der englischen Grafschaft South Yorkshire eine Stelle gefunden zu haben. Nun steht jedoch zu befürchten, dass die in Finanznöte geratene Schule Debbie entlassen muss.

Debbie ist abgelenkt, während in Moreham die Angst umzugehen beginnt. Seit einiger Zeit treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Der "Würger" überfällt junge Frauen, die mit dem Zug abends oder gar nachts von der Arbeit nach Hause fahren. Schon vor dem Mord hat er sein zukünftiges Opfer lange beschattet; das voyeuristische Auskundschaften der Lebensgewohnheit gehört zu dem Ritual, das ihn seine Taten erst wirklich genießen lässt. Die verstümmelten Leichen legt der "Würger" an den Bahngleisen der Stadt ab. Die ermittelnden Kriminalbeamten Mick Perryman und Lynne Jordan hegen deshalb den Verdacht, es könne sich bei dem Täter um einen Bahnbediensteten handeln.

Während die Polizei wie üblich im Dunkeln tappt, bemerkt Debbie Sykes eines Abends auf "ihrem" Bahnhof einen fremden, verdächtig wirkenden Mann. Sie zieht sich vor ihm zurück, bemerkt aber, wie er eine andere Frau anspricht. Am nächsten Tag muss Debbie feststellen, dass sie den "Würger" und sein jüngstes Opfer beobachtet hat. Darüber spricht sie mit einigen Arbeitskollegen - und unklugerweise auch mit ihrem Ex-Freund Tim Godber, einem Gelegenheits-Journalisten, der hier seinen Traum vom Start einer Karriere als Starreporter in Erfüllung gehen sieht. Skrupellos münzt er sein Wissen in einen reißerischen Zeitungsartikel um, der Debbies Geschichte in die Welt hinaus posaunt - mit Bild und vollem Namen der einzigen Zeugin, die den "Würger" je gesehen hat! Da davon auszugehen ist, dass auch der "Würger" die Zeitung liest, schwebt Debbie plötzlich in Lebensgefahr. Diese Meinung teilt ihr neuer Freund Rob Neave vom Wachschutz des Moreham-Colleges, und auch die Polizei ist nicht begeistert.

Tim Godber ist sich indessen keiner Schuld bewusst. Er bedrängt Debbie weiter, will sie gar zwingen, sich auf einer weiteren nächtlichen Zugfahrt dem "Würger" als Lockvogel anzubieten. Debbie lässt sich darauf ein. Sie ist verzweifelt, denn es mehren sich die Zeichen, dass der "Würger" sehr wohl die Gefahr erkannt hat, die von der Zeugin ausgeht. Ihre Wohnung scheint durchsucht worden zu sein, doch es gibt dafür keine Beweise, nur einen Verdacht - und der ist durchaus begründet: Der "Würger" hat sein übliches Spiel begonnen! Doch dieses Mal durch die Umstände zur Hast gezwungen, begeht er Fehler und erregt Aufsehen. Eine mörderische Spirale beginnt sich zu drehen, denn auch die neuen Zeugen gilt es zu beseitigen - und am Ende besagter Spirale wird anschließend immer noch Debbie stehen ...

"Letzter Halt" ist das Romandebut der Universitätsdozentin (aha!) Danuta Reah, die an einer Universität in Sheffield Englisch lehrt. Mit ihrem Erstling hat sie in ihrem britischen Heimatland großes Aufsehen erregt und gleichzeitig einen Verkaufserfolg gelandet. Das verblüfft ein wenig, ist "Letzter Halt" doch "nur" ein solider, sorgfältig konstruierter und geschriebenen Thriller - nicht weniger, aber keineswegs mehr. Umgekehrt wird natürlich auch ein Schuh daraus: Auf einem Markt, der zuverlässig mehr Selters als Sekt in die Verkaufsregale der Buchhandlungen schwemmt, kann Danuta Reahs Werk durchaus und mit Recht bestehen. Die Geschichte von der "Frau in Gefahr" mag nicht mehr taufrisch sein, aber sie erzielt noch stets ihre Wirkung. Debbie Sykes ist zudem eine sympathische Hauptfigur; eher Protagonistin als Heldin und sehr glaubhaft in ihrer Durchschnittlichkeit. Auch der Alltag einer "normalen" Oberschule fern jedes Clubs der toten Dichter wirkt jederzeit glaubhaft.

Weniger günstig sieht die Bilanz auf der Seite der Bösewichte aus. Tim Godber ist wenig mehr als der personifizierte "Beweis" des alten Klischees "Männer sind Schweine". Als Kopie (oder eher Parodie?) des unsterblichen Kirk Douglas´ in Billy Wilders "Reporter des Satans"/"Ace in the Hole" (1951) jagt er der Story hinterher, die ihm eine Fahrkarte aus der Kleinstadt-Hölle vom Moreham verschaffen soll. Andererseits ist ein kleines Kaliber angemessen für die Jagd auf einen verblüffend blassen Psychopathen. Reah ist klug genug, dessen Auftritte wohl zu dosieren; ein Schurke kann nur gewinnen, wenn er sich auf eindrucksvolle Gastauftritte beschränkt. (Dasselbe gilt übrigens auch für Gespenster, Vampire und ähnliches untote Gelichter ...) Ungeachtet dessen ist der "Würger" für einen recht aktiven Serienmörder ein ziemlich langweiliger Charakter. Das mag in der Realität auf die meisten Psychopathen zutreffen, drückt aber in einem Kriminalroman empfindlich auf den Unterhaltungswert.

Farblos bleibt auch die Polizei, die natürlich in einem guten englischen Kleinstadt-Krimi nicht fehlen darf. Wie so oft ist sie hier dafür zuständig, Unschuldige zu verdächtigen und täppisch oder übereifrig die Spur zum Täter zu verwischen, damit dieser über die volle Romandistanz seinen Untaten nachgehen und im großen Finale auf die Heldin treffen kann. (Hand aufs Herz: So geschickt stellt sich der "Würger" wirklich nicht an! Zugegeben ist aber auch der Dummheit der realen Polizei kaum Grenzen gesetzt, wie die traurige "Jagd" auf den "Yorkshire-Ripper"belegte, der zwischen 1975 und 1980 mehr als zwanzig Frauen umbringen konnte, bis er seinen Häschern eher zufällig ins Netz ging - mit diesem in England unvergessenen Psychopathen dürfte Danuta Reah "Würger" übrigens einige Ähnlichkeiten aufweisen.) Rob Neave hingegen ist der "gute" Mann mit dem großen Herzen, aber tragischer Vergangenheit, der die Frauenherzen zuverlässig schmelzen lässt.

Wie gesagt: "Letzter Halt" bietet wenig Neues unter der Sonne. Doch gibt es das im überstrapazierten Subgenre des Serienmörder-Thrillers überhaupt noch? (Womöglich ja, wenn man z. B. an Der Vogelmann von Mo Hayder denkt) Danuta Reah hat ihre Sache zweifellos gut gemacht - so gut, dass man gespannt sein darf auf ihren nächsten Roman.

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Letzte Kommentare:
21.06.2009 17:59:28
Niklas

Kurz und bündig:Der letzte Halt ist sicherlich kein schlechtes Buch und kann sich mit vielen anderen Büchern messen, allerdings verstand das Buch nicht zu fesseln.
Ein Grund dafür war, meiner Meinung nach, das Danuta Reah eine Story geschrieben hat die nicht sehr ausssergewöhnlich oder gar neu wäre. Auch das recht lebendige der Hauptcharaktere täuscht darüber nicht hinweg.

Gruß
Niklas

14.12.2005 15:50:55
bee

Vielleicht habe ich ja im Moment die Serienmörder über, aber mehr als 46 Grad kann ich diesem Werk nicht geben. Die Story klingt zunächst eigentlich ganz interessant, aber es ist wirklich kein Fünkchen Einfallsreichtum zu erkennen.

Es passiert selten, daß ich Bücher nur querlese, vielleicht einmal im Jahr, aber hier ging es ab der Häflte nicht anders. Und man hat wirklich nichts verpaßt. Schon allein dieser gräßliche Tim Godber, der auf Kosten von Deborah seine eigene Karriere voranbringt, hat mich ziemlich geärgert.

26.06.2003 20:02:28
rosi

einer der besten krimis,die ich seit langem gelesen hab!spannend!