Schneewittchens Sarg

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Edition Nautilus, 2007, Seiten: 189, Originalsprache

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Bernd Neumann
Brack-iges Wasser im Elbischen Altona

Buch-Rezension von Bernd Neumann Jul 2007

Robert Brack, Jahrgang 1959, ist kein kriminalistisches Greenhorn: bereits im zarten Alter von 27 Lebensjahren wurde ihm für "Das Gangsterbüro" der renommierte Deutsche Krimipreis (1996, Platz 2, national) verliehen.

Und Robert Brack ist ein seitdem ein erstaunlich vielseitiger, ja erfolgreicher Schriftsteller: er schreibt äußerst spannende Essays und Kolumnen, Sachberichte über Hamburg Sehenswürdigkeiten und Originale, Kochbücher (nord- und süddeutsche!!!), ist tätig als Herausgeber und Übersetzer (z.B. für Kultautoren wie Robert B. Parker und Jerry Oster), schreibt Exposees und Krimikritiken. Aber vor allen Dingen: Robert Brack (der lt. Personalausweis eigentlich Ronald Gutberiet ist) schreibt mit viel Erfolg so genannte Regio-Krimis. Deshalb wird er vermutlich noch lange auf dem Hamburger Fischmarkt cash einkaufen können!

Denn das kann (und will) der seit dem 22. Lebensjahr in Hamburg lebende nicht leugnen: seine Sympathie gilt der Hansestadt, gilt dem Stadtteil Altona.

"Hamburg ist ein schönes Städtchen, weil es an der Elbe liegt..."

Jedoch beschreibt Brack nicht das beschauliche Hamburg, sondern die trübe Seite der internationalen Hafenmetropole. Was und wie er das tut, klingt sehr authentisch: Hamburg kennt er wie seine Westentasche, das spürt der Leser auf jeder Seite seiner Regional-Kriminalromane.

Aber bei Robert Brack geht es nicht um eine pure Täter-Opfer-Story mit Action und viel Tamtam. Er ist ein politisch engagierter Mensch, in seinen Krimis spürt man die Sympathie für die kleinen Männer und Frauen im kapitalistischen Großstadtgewühl der Hechte und Haie.

Lenina Rabe - die lütte Deern aus Altona

 

Lenina Rabe ist Bracks Serienheldin im mittlerweile dritten Fall. Sie ist ein zierliches, attraktives Persönchen mit Pferdeschwanz und fernöstlicher Lebensphilosophie, trinkt leidenschaftlich gern Yogi-Tee und beherrscht (natürlich!) asiatische Kampftechniken, welche sie mehrfach erfolgreich einsetzen muss. Und sie ist schnell und ausdauernd: das Motto ihres demo- erfahrenen Vaters

"Sieh dich nicht um, wenn du vor Jemandem wegrennst, sonst kriegen sie dich"

muss Lenina auch in "Schneewittchens Sarg" auf Altonas Straßen und Gassen aus Gründen der Selbsterhaltung praktisch zur Anwendung binden. Ihr Vater wusste als revolutionärer Weltverbesserer der 68-er Studentenbewegung aus eigener Erfahrung, wovon er sprach. Seine politische Grundeinstellung und seine kultivierte Spießerphobie führten zu seinem gewaltsamen Tod.
Geblieben sind der bekennende Vorname für seine Tochter, sein altersschwacher Peugeot und Leninas Berufung, sich als Privatdetektivin im Hamburgischen Altona für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen.

Leninas Vater hätte helle Freude an seinem Backfisch, wie sie unerschrocken und in lockerer Umgangsart konsequent an der Klärung ihrer Fälle arbeitet!

Nach der Ebbe kommt die Flut

Leider ist der detektivische Alltag von Lenina zumeist beschränkt auf eifersüchtige Ehefrauen, die in Wort und Bild belegt haben möchten, ob ihre workoholischen Männer auch wirklich tagtäglich im Firmenbüro bis in die Nachtstunden schuften wie die Hafennutten. Und selbst diese Aufträge halten sich in Grenzen, so dass sie in letzter Zeit mit ihren sympathischen Freundinnen ziemlich häufig um die Häuser ziehen konnte.

Dann plötzlich ein konjunktureller Aufschwung und die Aussicht, der Ebbe im Portemonnaie endlich ein Ende bereiten zu können: Ein etwas zerschlissen wirkender Straßenrevoluzzer-Kumpel ihres Vaters aus früheren Zeiten der WG-Kommune und der damaligen sozialen Projekte in Altona wendet sich an Lenina mit der Bitte, Schneewittchens Sarg zu finden:

" Lenina kannte das, solche Witzbolde kamen gelegentlich vorbei, machten wie sich einbildeten hoch intelligente Scherze und wollten, dass man mitlachte. Aber Paul lachte nicht, er grinste nicht einmal. Er sah eher so aus, als könne er jeden Moment zu heulen anfangen."

Weil in Hamburg-Altona Platz geschaffen werden muss für noch mehr Einkaufstempel und Bürohochhäuser gleicht der Stadtteil einer einzigen Baustelle. Beim Abriss des letzten der damaligen Hausbesetzerobjekte wird die Leiche eines mit Glas übersäten jungen Mädchens mit eingeschlagenem Schädel gefunden. Die Obduktion offenbart, dass dieses vor mehr als 20 Jahren umgebracht wurde.

In diesem Abrisshaus befand sich zur gleichen Zeit ein Sozialverein, in dem sich idealistische Menschen wie Paul um diejenigen kümmerten, für die Vater Staat kein Geld übrig hatte. "Schneewittchen" war eine von ihnen. Lenina nimmt den Auftrag schon wegen der vorhandenen soziale Gene an.

Nur wenig später noch ein Job für die Privatdetektivin: eine selbstbewusste Geschäftsfrau braucht Leninas Hilfe bei der Suche des Rädelsführers der "Dänischen Befreiungsfront", die hier in Altona für Unruhe sorgt. Diese wollen ihr ehemals zu Dänemark gehörendes Altona wieder eingemeinden, um dem Bauboom und der damit verbundenen weiteren Verschandelung endlich ein Ende zu setzen. Weil das in Aussicht gestellte Honorar für die finanziell klamme Lenina sehr verlockend ist, nimmt sie auch diesen Auftrag an. Als Privatdetektivin ist Herumschnüffeln schließlich ihr Job.

Was sie noch nicht ahnen kann ist die Verquickung der beiden Fälle und das ein alter Volvo P1800ES eine Schlüsselrolle dabei spielen wird. Erst allmählich wird ihr bei ihren Ermittlungen klar, dass aus den einstmals antiautoritären, antikapitalistischen Pionieren der uneigennützigen Sozialarbeit gesellschaftlich Erfolgreiche und auch Gescheiterte wie Paul geworden sind. So deckt sie Stück für Stück verwandtschaftliche und sexuelle Beziehungskisten auf, und unter den erfolgreich Arrivierten, die ehemals auf gemeinnütziger Ebene so aktiv waren, haben offensichtlich mehrere Dreck am Stecken.

Robert Brack hat mit "Schneewittchens Sarg" einen sehr schönen regionalen Kriminalroman abgeliefert. Das ist sicherlich kein aufreizender Thriller, aber wie z.B. die Freundinnen von Lenina, der illegale Autoschrauber Snake und der machohafte Immobiliengangster Kalenko wortreich in plastisch in Szene gesetzt werden ist großartig. Das wirkt sehr realistisch, verleiht dem Krimi eine lokale Authentizität und liest sich flüssig-unterhaltsam weg. Durch die Begrenzung der Personenzahlen behält man leicht den Überblick und wird bei Lesepausen vom nervigen Zurückblättern verschont.

Im Hamburger Senat hat Brack mit seinen regionalen Krimis vermutlich nicht unbedingt seine treueste Fangemeinde. Hinweise auf die öffentliche Premierenlesung eines neuen Krimis von ihm dürften Angstschweiß ausbrechen lassen.
Die Eintragung in das Goldene Buch der Freien Hansestadt wird Rudolf Brack mit dieser sozialkritischen Schreibe wohl auf ewig verwehrt bleiben. Uns hoffentlich nicht weitere Krimis von Lenina Rabe.

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