Blaues Gold

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2007, Seiten: 350, Originalsprache

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Thomas Kürten
Freiburg könnte so schön sein... wenn es am Grunde eines Stausees läge.

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jul 2007

Immer wieder schaffen kleine Splitterparteien bei kommunalen Wahlen den Einzug in Stadt- oder Kreisräte. Somit ist es allgemein nicht verwunderlich, dass in Karin Schickingers Roman "Blaues Gold" ein Abgeordneter der Initiative "Ein See für Freiburg" den Weg in das Stadtparlament geschafft hat. Der Visionär Bruno Oppels hat mit seiner Stausee-Idee die Absicht, eine Trendwende bei den rückläufigen Touristenzahlen im Breisgau zu realisieren. Und dass es nicht bloß eine Spinnerei ist, die da den Abgeordneten umtreibt, beweisen die interessierten Investoren, die sich zu einem Meeting angesagt haben.

Johanna Rix arbeitet als freie Fotografin unter anderem im Auftrag von Bruno Oppels. Als sie Abzüge von Aufnahmen aus dem Rheintal abholt, berichtet ihr der Laborant von einer vermeintlichen Leiche, die er auf einem der Bilder zu sehen glaubt. Johanna Rix gibt nicht viel darum. Aber der Laborant lässt nicht locker und meldet den Fund der Polizei. Als die Kommissare Johanna Rix als Zeugin vernehmen wollen, entdecken sie ein Porträtfoto der Toten auf ihrem Schreibtisch, das eine merkwürdige Kundin - eine ältere Dame - tags zuvor in ihrem Studio hat liegen lassen. In diesem Moment gerät Johanna zum ersten mal in den Verdacht, etwas mehr mit dem Tod der jungen Studentin zu tun zu haben. Dem Leser hingegen drängt sich der Verdacht auf, eine etwas dünne Story vor sich zu haben.

Lakonischer Erzählstil

Natürlich kann Johanna gar nicht anders - obwohl sie sich erstaunlich lange standhaft weigert, selber aktiv zu werden - als aus eigener Kraft ihre Unschuld zu beweisen. Erst muss jedoch das Investorenmeeting von einer Gruppierung, die sich "Volksfront zur Befreiung des Schwarzwalds von Touristen" schimpft, gestört und kurz später der See-Chefideologe Oppels ermordet werden, bevor Johannas schlummernde detektivische Gene geweckt werden. Irrwitziger Weise wird sie dann auch noch von einem der Investoren zur Aufklärung des Mordes an Oppels beauftragt. Je mehr Johanna in die Hintergründe des Projektes vordringt, desto deutlicher wird die Spur des Mörders.

Autorin Karin Schickinger benutzt einen sehr lässigen, lakonischen Ton in ihrer Erzählung. Ihre Ich-Erzählerin Johanna kommentiert so auch in für sie selbst bedrohlichen Situationen alle Geschehnisse in einem bissigen Ton. Das ist anfangs lustig und verleitet zu dem ein oder anderen Schmunzler. Aber je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr bleibt der Eindruck hängen, dass diese flotten Sprüche zur Protagonistin einfach nicht so recht passen wollen. Johanna Rix agiert lange Zeit sehr passiv und wirkt dabei auch noch unsicher. So passt es zu einer Person, die rechtschaffen ist und noch keinen Kontakt mit den Gesetzeshütern hatte. Ihre übertrieben coolen Kommentare stehen einem erfahreneren Hobby-Marlowe jedoch einfach besser zu Gesicht.

Ein Schnaps macht noch keinen Hard-Boiled

Neben der schon eingangs beschriebenen, etwas dünn geratenen Story, sind es insbesondere die Figuren, die nicht so recht überzeugen können. Da werden Freundschaften geschlossen und andere gebrochen, ehe man sich versieht. Das gesamte Umfeld verhält sich in den Augen der Protagonistin nur noch seltsam, die sich bei solchen Erkenntnissen immer wieder einen Grappa gönnt. Überhaupt, der Alkohol - ein Wein zum Frühstück, Bacardi-Cola zum Mittagessen, doppelter Whisky abends und zwischendurch immer wieder ein Grappaleinchen. Allein durch ihren hohen Alkoholkonsum wird aber auch eine Johanna Rix, nicht cooler, nicht verruchter und auch nicht interessanter. Der hohe Alkoholkonsum der Johanna Rix verleitet eher zu einem stillen Bedauern.

Karin Schickingers Schreibe ist flott und schnörkellos. "Blaues Gold" ist ein trotz rund 350 Seiten Umfang zügig lesbarer Krimi, reich an Freiburger Lokalkolorit. Leider scheinen mit "flott" und "schnörkellos" aber auch schon die stilistischen Möglichkeiten der Autorin umfassend gewürdigt. Der lakonische Erzählton wird leider sehr schnell langweilig, über die Witze kann man spätestens in der zweiten Hälfte des Buches nicht mehr lachen. Da neben der Handlung auch die Personen - insbesondere die Protagonistin mit ihrer nicht vorhandenen kriminalistischen Ader - nicht begeistern können, bleibt eine Empfehlung nur für Freiburger, die sich für ihr Umland und was damit passieren könnte interessieren, auszusprechen.

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