Ruckediguh, Blut ist im Schuh

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Zoetermeer : Mozaïek, 2004, Titel: 'Wulffers en de zaak van de vermoorde onschuld', Originalsprache
  • Wuppertal: R. Brockhaus, 2007, Seiten: 156, Übersetzt: Rolf Waterkamp

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Jörg Kijanski
Reichlich Leben und viel Atmosphäre

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2007

In einem Graben findet ein Radfahrer frühmorgens die Leiche von Daniela van Stee, einem jungen Mädchen, das offensichtlich zunächst vergewaltigt und anschließend mit ihrem BH erdrosselt wurde. Schnell gibt es einen ersten Tatverdächtigen. Joachim, der jüngste Sohn des schwerreichen Bauunternehmers Willem Broekhuizen. Joachim gibt an, in der Nacht von Danielas Tod mit dieser einvernehmlich während einer Party Gechlechtsverkehr gehabt zu haben, bevor Daniela die Party voreilig verlies. Doch für die Polizei gilt der DNA-Beweis, getreu der alten Regel, wonach das Sperma bei einer Leiche immer vom Mörder stammt.

Willem Broekhuizen ist außer sich, denn er strebt nach einem Ministeramt und kann einen derartigen Skandal nicht gebrauchen, vom Ruf der Familie ganz abgesehen. Als er erfährt, dass aus einem nahegelegenen Asylbewerberheim ein Bewohner unentschuldigt fehlt, macht er seinen ganzen Einfluss geltend, um die Bevölkerung gegen den flüchtigen 19-jährigen Liberianer Collins George aufzuwiegeln. Nachdem es der Polizei endlich gelingt Collins zu finden, fangen die Probleme erst richtig an, denn sowohl Joachim wie Collins leugnen die Tat, obwohl es gegen beide einen eindeutigen Beweis zu geben scheint. Doch was jeweils den einen belastet, entlastet den anderen...

Geringer Umfang, aber viel Atmosphäre

Ruckediguh, Blut ist im Schuh ist der zweite Roman um den Polizeiseelsorger Lukas Wulffers, der vom R.Brockhaus Verlag in deutscher Sprache aufgelegt wurde. Dabei gelingt es Autor Dick van den Heuvel einmal mehr, trotz des überschaubaren Buchumfanges ein hohes Maß an Atmosphäre zu schaffen und seinen Figuren reichlich Leben einzuhauchen, wenngleich leider etwas klischeehaft.

Da ist zunächst die Familie der ermordeten Daniela, die unter dem Einfluss des tyrannischen Vaters massiv zu leiden hat. Nach einem Arbeitsunfall sitzt er nur noch zu Hause und führt seine Familie streng autoritär; Prügel eingeschlossen. Ebenso eindringlich schildert der Autor wie schnell Vorurteile eine kaum noch zu kontrollierende Eigendynamik entfalten können. Hierbei erhält der Leser gleichzeitig einen kleinen Einblick in das Leben von Asylbewerbern, sowohl vor wie nach deren Flucht aus ihrem Heimatland.

Unvorhersehbares Ende à la Agatha Christie

Moralisch einmal mehr unangreifbar ist der ungewöhnliche Protagonist der Story, der eigenwillige Polizeipfarrer Lukas Wulffers. Obwohl er nur den (wie auch immer) Betroffenen von Verbrechen seelsorgerisch zur Seite stehen soll, kann er es doch nicht lassen, sich ständig in die Ermittlungen einzumischen. Nicht immer geschieht dies zur Freude seiner Vorgesetzten und Kollegen. Am Ende ist es so, wie es bei der Wulffers-Serie offenbar immer ist. Ein genialer (für den Leser erst im Nachhinein bei der Auflösung erkennbarer) Einfall von Wulffers, gefolgt von der Überführung eines Täters, den wohl kaum jemand auf seiner Rechnung hatte. Gewisse Ähnlichkeiten zu Miss Marple und Hercule Poirot erscheinen dabei natürlich rein zufällig...

Ruckediguh, Blut ist im Schuh

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