Acht Stunden Angst

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: Michael Joseph, 2006, Titel: 'Losing you', Seiten: 292, Originalsprache
  • München: C. Bertelsmann, 2007, Seiten: 350, Übersetzt: Birgit Moosmüller
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 350

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Eva Bergschneider
Die vertraute Inselatmosphäre wird zum Albtraum

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Apr 2007

Die Werke des Autoren-Ehepaars Nicci Gerard und Sean French könnte man schon als moderne Klassiker der britischen Kriminalliteratur bezeichnen, denn sie haben einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreicht, wie die Krimis von Minette Walters oder Val McDermid. Nicci French schreiben keine Serien, sondern Kriminalromane mit immer wieder neuen Schauplätzen und Protagonisten. Acht Stunden Angst (engl. Original Losing you) spielt an einem beschaulichen und einsamen Ort auf der fiktiven Insel Sandling Island im Ärmelkanal.

Verpasste Ferien

Kurz vor Weihnachten zu ihrem 40. Geburtstag wollte Nina Landry mit ihren Kindern und dem neuen Partner auf die Florida-Keys fliegen. Nach einer schwierigen Trennung von ihrem Ex-Ehemann wünscht sie sich nichts sehnlicher, als der idyllischen, aber kalten Winterlandschaft von Sandling Island zu entfliehen. Doch daraus wird nichts. Nina wartet vergeblich auf ihre Tochter Charlie, die die Nacht bei Freunden verbracht hatte. Stattdessen belagern zahlreiche Überraschungsgäste das Haus, während Nina versucht ihre Tochter auf dem Handy zu erreichen. Doch Charlie, die sich auch auf die Reise gefreut hatte, meldet sich einfach nicht. Schließlich benachrichtigt Nina die Polizei.

Charlies gefährliches Doppelleben

Die Polizei vermutet, dass die 15-jährige Charlie ausgerissen ist und bemüht sich nicht gerade intensiv darum, dass Mädchen zu finden. Aus Charlies Zimmer fehlen Toilettenartikel, die das Mädchen am Abend zuvor für die spontan beschlossene Übernachtung nicht mitgenommen hatte. Ist sie selbst am Morgen in das Haus geschlichen oder hat ein anderer ihre Sachen abgeholt? Nina glaubt, dass ihre Tochter das zurückgelassene Antibiotikum unbedingt mitgenommen hätte, wenn sie selbst gekommen wäre.

Während eigener Nachforschungen taucht Nina in das ihr vollkommen unbekannte Doppelleben eines Teenagers ein, der sich heimlich mit Jungs trifft und gelegentlich Joints raucht. Welches ihrer Geheimnisse konnte Charlie in so ernsthafte Schwierigkeiten bringen, dass sie stundenlang spurlos verschwunden bleibt?

Es fängt ganz harmlos an ...

Ähnlich wie in Der Sommermörder beschreiben die Autoren in Acht Stunden Angst die Geschehnisse aus einer sehr subjektiven Perspektive. Dieses mal jedoch nicht aus der des Opfers, sondern aus der einer verzweifelten Mutter, die versucht herauszufinden, was ihrer Tochter geschehen sein mag.

Nina erzählt sehr viel von ihrer eigenen Geschichte, wie die Familie nach Sandlings Island kam und warum ihre Partnerschaft in die Brüche ging. Der Leser erfährt auch alle Einzelheiten aus dem Leben ihrer Tochter Charlie, soweit sie Nina bekannt sind. Diese subjektive Perspektive vermittelt eine sehr persönliche Atmosphäre in einer Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt. Ganz allmählich kippt diese friedliche Stimmung und wird immer mehr von Angst und einer bösen Vorahnung verdrängt. Eine vermeintlich sichere, heimelige Umgebung wandelt sich zu Ort voller düsterer Geheimnisse.

... und wird sich zum Albtraum jeder Mutter

In Echtzeit folgt der Leser der Hauptprotagonistin Schritt für Schritt in das wahre Leben ihrer Tochter. Man spürt die zunehmende Sorge über Ungereimtheiten im Leben des Mädchens, teilt den Ärger über die Ignoranz einiger Klassenkameraden und den Schrecken über Ereignisse, die Charlie möglicherweise in tödliche Schwierigkeiten gebracht haben.

Viel Psychologie führt nicht zu viel Spannung

Die Autoren beschreiben Ninas Geschichte und ihre verzweifelte Suche so eingängig, dass man als Leser eine wachsende innere Unruhe verspürt und ihre Verzweiflung gut nachempfinden kann. Der subtile Aufbau der zunächst unbeschwerten, dann zunehmend bedrohlicher werdenden Atmosphäre überzeugt.

Allerdings gibt die Handlung nicht genug Spannungselemente her, um den Leser durchgehend fesseln zu können. Es ist auf die Dauer etwas eintönig, alles und jeden aus Ninas Sicht wahr zu nehmen, manchmal nervt es einfach, dass sie wirklich jedem erklären muss, was er zu tun hat. Ninas Interaktionen mit anderen Personen wirken oft oberflächlich abgehandelt und bringen die Handlung kaum weiter, das dilettantische Agieren der Polizei wurde völlig überzogen und unglaubwürdig dargestellt.

Am Schluss wird es endlich richtig spannend. Nachdem die Autoren den Leser auf einige falsche Fährten gelockt haben, können sie der Geschichte in der Auflösung noch einmal einen überraschenden Wendepunkt verleihen. Leider wirkt das Ende insgesamt etwas unausgereift, der Leser erfährt nichts über die Motive und Hintergründe dessen, was sich ereignet hat.

Was dem Autoren-Ehepaar in Der Sommermörder so vorzüglich gelungen ist, nämlich die Erschaffung psychologischer Hochspannung durch Situationen, in der die Protagonisten gegen ihr persönliches Grauen ankämpfen, ist hier weniger gut gelungen. Acht Stunden Angst ist ein Krimi, den man gut in einem Rutsch lesen kann, aber nicht unbedingt muss - Nicci French haben spannendere Lektüre im Angebot.

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