Das Grab im Deich

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer, 2007, Seiten: 352, Originalsprache
  • München: Knaur, 2008, Originalsprache

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Sabine Reiß
Sönke Hansen zum Dritten

Buch-Rezension von Sabine Reiß Feb 2007

Kari Köster-Lösche schöpft als Autorin von historischen Romanen nicht nur aus ihrem Wissen, das sie als Tierärztin und Wissenschaftlerin erlangt hat, sondern ihre Bücher gewinnen auch durch die intensive Recherche, mit dem sie ihren Schreibprozess begleitet. In einem Interview äußert sie, dass ihre Bücher den hohen Anforderungen entsprechen müssen, die sie an sich und auch an andere stellt und dass der Hype bei historischen Romanen nicht nur Gutes auf dem Büchermarkt zutage brächte. Ihren Wohnsitz, die Hallig Langeneß, bringt sie in ihre Krimis um den friesischen Deichbauinspektor Sönke Hansen ein, der vor Ort nun schon den dritten Mordfall lösen darf.

Wir schreiben das Jahr 1896. Sönke Hansen beaufsichtigt auf der Hallig Langeneß die Deichbauarbeiten. Obwohl er eigentlich in Husum lebt, kommt ihm dies zupass, da er inzwischen mit der patenten Jorke von der Hallig verlobt ist. Die Inselbewohner geraten in Aufruhr, als bei den Bauarbeiten ein toter Säugling gefunden wird. Schnell wird abgewogen, ob es sich bei der ledigen Mutter nicht gar um eine junge Halligbewohnerin handeln könnte, die dem unerwünschten Lebewesen ein jähes Ende setzte, doch Sönke Hansen kommt zu dem Schluss, dass eine der Gäste der Picknicks im englischen Stil, die auf der Hallig halt machen, ebenso, wenn nicht sogar wahrscheinlicher dafür in Frage käme. Er mietet sich daher in einer Pension auf Wyk ein, von wo aus die Ausflüge organisiert werden, um insbesondere die Teilnehmerinnen unter die Lupe zu nehmen.

Auf Wyk macht er die Bekanntschaft eines integeren Intellektuellen aus Frankfurt, Dr. Konrad Molitor, der ihn in mehr als nur einer Hinsicht beeindruckt. Auch Dr. Molitor war Gast des Picknicks und schildert Sönke seine Beobachtungen. Die beiden freunden sich innerhalb kurzer Zeit an. Umso mehr schockiert es den jungen Deichbauinspektor, als es auf einem Ausflug zur Robbenjagd zu einem folgeschweren Unfall kommt, wobei ein Gast ums Leben kommt. Es handelt sich dabei um Dr. Molitor. Sönke kann sich nicht damit abfinden, dass sein ärztlicher Freund etwa unvorsichtig gewesen sei und daher in die Schussbahn eines anderen Robbenjägers gekommen wäre.

Seine Ermittlungen zeigen, dass es sich bei dem Tod des Arztes um keinen Unfall handelte. Dieser muss etwas beobachtet haben, was mit dem Kindstod in enger Verbindung steht und keinesfalls an die Öffentlichkeit gelangen darf. Mit Hilfe der Tochter des Verstorbenen, Dr. Isabella Molitor, die eiligst nach Wyk gekommen ist, versucht er, das Geheimnis zu lüften und die junge Mutter, die sie indes ausfindig gemacht haben, dazu zu bewegen, den Vater des toten Kindes zu nennen. Dabei muss Sönke Hansen wieder einmal seine eigene Karriere aufs Spiel setzen, da ihm herbe Knüppel zwischen die Beine geworfen werden.

Die Autorin schildert die kulturellen und politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit wirklich vortrefflich. Man kann ganz und gar in die Zeit eintauchen, in der die Reichen einige Wochen im Jahr zur Kur an der Nordsee verbrachten. Das damals vorherrschende Frauenbild wird von Kari Köster-Lösche insofern relativiert, als dass sie nicht nur mit der Verlobten Sönkes, Jorke, eine patente Frauengestalt erschaffen hat, sondern auch mit der Figur Dr. Isabella Molitor, die ihr Medizinstudium in der Schweiz absolvierte, weil Frauen diese Art der Ausbildung in Preußen zu dieser Zeit noch verwehrt war. Isabella kümmert sich um ledige Mütter und deren Kinder und ist damit in der damaligen Gesellschaft nicht gerade sehr gut angesehen, doch das kümmert sie überhaupt nicht. Sie steht, genau wie Sönke Hansen, für ihre Überzeugungen ein.

Dem Kriminalfall an sich fehlt es im Vergleich zu den beiden Vorgängerromanen bedauerlicherweise etwas an Drive, sind doch die Verdächtigen nicht gerade zahlreich gesät, doch mit ihrer authentischen Figurenzeichnung und dem unprätentiösen, leicht lesbaren Stil, der jedoch zu keiner Zeit ins Seichte abfällt, kann die Autorin einiges wieder wettmachen. Die bereits erwähnte außerordentlich gute Recherche tut ihr Übriges dazu, diesen Roman aus der Masse der historischen Kriminalromane hervorzuheben.

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Letzte Kommentare:
18.10.2009 12:40:40
Hollareiduljo

Dieser Krimi hat mich wahrlich nicht vom Stuhl gehauen. Vergeblich habe ich darauf gewartet, dass die Handlung mal irgendwann Fahrt aufnimmt - was nie passiert ist. Das Ganze ist immer irgendwo so in der Mitte dahingedümpelt - nicht schlecht genug, um das Buch auf halber Strecke einfach wieder wegzulegen, und bei weitem nicht gut genug um es freudig zu verschlingen. Also hab ich mich eben halbherzig bis zum Ende durchgemüht. Die Charaktere sind flach und bleiben eher klischeehafte \'Typen\' als dass sie zum Leben erwachen würden. Man hat zwischendurch den Eindruck, dass es der Autorin wichtiger ist, dem Leser etwas über die gesellschaftlich-politischen Zustände im deutschen Reich Ende des 19. Jahrhunderts beizubringen, und der Plot nur Mittel zum Zweck ist, um dies durchzuexerzieren. Die Hauptfigur Sönke Hansen ist harmlos nett, aber lädt nicht wirklich zur Empathie ein. Die Handlung wirkt irgendwie bemüht konstruiert, und das Ende hat mir ob seiner Vorhersehbarkeit wirklich nur mehr ein mattes Lächeln entlockt. Fazit: Alles ein wenig zu einfach gestrickt, für meinen Geschmack zumindest.