Wer lebt, stirbt

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • München: dtv, 2007, Seiten: 224, Originalsprache

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Sabine Reiß
Ich sehe was, was Du nicht siehst

Buch-Rezension von Sabine Reiß Feb 2007

Krimiautor Friedrich Ani hat vorgesehen, dass seine neue Reihe um den Münchner Kommissar Jonas Vogel sechs Bände umfassen wird. Man kann es eigentümlich finden, dass dies schon von vornherein festgelegt ist, doch im Endeffekt hindert niemand den Autor daran, seinen Entschluss später zu revidieren. Andernfalls kann man nach Abschluss der sechs Bände locker darauf verweisen, was der Plan vorsah, um sich nicht gegebenenfalls rechtfertigen zu müssen, wann eine Fortsetzung erscheint. Ein kluger Plan also. Und so reiht sich Ani mit seinen Seher-Krimis in die Reihe bekannter Hexalogien wie z.B. die Star Wars- oder Rocky-Filme oder auch die Brenner-Krimis von Wolf Haas ein.

Im ersten Band ´Wer lebt, stirbt´, der übrigens ´nur´ 222 Seiten umfasst - angesichts der Dicke manch anderer Krimis wohltuend kurz -, wird der Protagonist eingeführt. Hauptkommissar Jonas Vogel ist Leiter der Mordkommission und wird aufgrund seines herausragenden räumlichen Vorstellungsvermögens und seines Orientierungssinns ´Der Seher´ genannt. Zudem besitzt er die Fähigkeit, aus Stimmen mehr herauszuhören, als seine Kollegen. Sein Sohn Max ist Oberkommissar, allerdings nicht in der Mordkommission, sondern im Kommissariat "Todesermittlung". Mutter Esther ist gar nicht begeistert, zwei Polizisten in der Familie zu haben. Das Familienleben als harmonisch zu bezeichnen, wäre übertrieben. Man lebt eben aneinander vorbei. Max größter Wunsch ist es, in die Abteilung seines Vaters zu wechseln, doch er prallt immer wieder an Kriminaloberrat Schumacher ab, der auf die Vorschrift verweist, Familienmitglieder dürften nicht in derselben Abteilung arbeiten.

Doch Vater und Sohn arbeiten eh zusammen, wie z.B. im Falle des ermordeten Wachmanns Falk Sieger, der für einen Wachdienst arbeitete. Jonas Vogel leitet die Ermittlungen. Die beiden sehen einen Zusammenhang mit der Entführung der Sekretärin des Anwalts Hilmar Opitz, der den verdächtigen Kompagnon Siegers vertritt. Da Opitz bei der Bürgermeisterwahl antritt, soll die Tatsache unter Verschluss gehalten werden, dass er eine Affäre mit seiner Sekretärin unterhält. Er bittet seinen alten Studienfreund Kriminaloberrat Schumacher um Hilfe. Der setzt Max Vogel als Leiter der Sonderkommission ein.

Da steckt noch mehr Potenzial drin

Betrachtet man den Kriminalfall isoliert, wird man enttäuscht sein. Die Story ist mehr als dünn (unabhängig vom Umfang des Buches) und den Zusammenhang, den die beiden Hauptfiguren zwischen den beiden Fällen sehen, kann man so nicht nachvollziehen. Auch die Auflösung an sich lässt zu wünschen übrig, ist hier trotz der Ahnung Vogels eine zu große Portion Zufall im Spiel. Betrachtet man die Ermittlungen als Kernstück eines Krimis, ist dieses hier unlogisch und bietet keinerlei Spannung. Insgesamt fehlt es an Intensität, da die Handlung zur Nebensache verkommt. Wer auf der Suche nach knackiger Unterhaltung ist, wird diese hier garantiert nicht finden.

Friedrich Ani punktet mit anderen Mitteln und das versöhnt wenigstens ein bisschen mit diesem Serienstart. Um den knappen Stil mit viel direkter Rede durchzuhalten, der von Beginn an vorherrscht, opfert der Autor zwar eine mögliche tiefgründige Beschreibung der Figuren, doch er kann sie dem Leser teilweise nach und nach nahe bringen, zumindest was die Ermittler angeht. Allerdings muss man sich die Details dabei selbst zusammenreimen. Es scheint dem Autor gar nicht darum zu gehen, ein komplettes Bild abzugeben, sondern eher, das magere Familienleben der Vogels, das unter der Polizeiarbeit von Jonas und Max leidet, mit Hilfe von Puzzlestücken zu beleuchten.

Ani lässt offen, wie es mit Jonas Vogel weitergeht. Doch es wird weitergehen und darauf ist man ohne Zweifel gespannt. Ani versteht es, dass sich der Leser genau mit dieser Frage beschäftigt. Wahrscheinlich wird auch der nächste Fall eher Nebensache sein.

Wer lebt, stirbt

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Letzte Kommentare:
02.07.2008 00:11:50
Angelo

Ein eigenartiges Buch. Ani finde ich stark, seine Bücher gehören zum Besten im deutschsprachigen Raum. Aber jetzt das...
Ein Krimi soll das sein? Nicht wirklich. Die Geschichte einer Erblindung? Eine Vater/Sohn - Kiste? Eine Soziostudie der Münchner Mordkommission? Alles auch nicht wirklich. Die neuen Kommissare Vogel Vater und Vogel Sohn werden eingeführt. Sie sind, wie immer Anis Figuren, bezaubernd schräg, eigenwillig, interessant.
Ehrlich gesagt kommt mir der Text vor wie der Trailer zu einer neuen Serie, soll neugierig machen auf das was dann WIRKLICH kommt. Na gut, lesen wir also das nächste Buch mit den Vogel-Kommissaren!

07.05.2007 12:35:25
dyke

Als Ani-Fan habe ich mich gleich auf diesen Roman gestürzt... und weiß nciht so recht, was ich damit anfangen soll.
Als Krimi taugt er nicht viel, als Einfühlung in einen Menschen, der plötzlich sein Augenlicht verliert auch nicht.
Sollte es als Auftakt zu einer neuen Serie gedacht sein, kann ich nur hoffen, dass sich Ani auf seine Qualitäten besinnt und wieder Psychogramme der handelnden Personen liefert.

22.04.2007 12:06:24
Rüdiger

Mit seiner neuen Hauptfigur Jonas Vogel hat Friedrich Ani eine höchst interessante Ermittlerpersönlickeit erschaffen. Neben dem "Seher" selbst bietet jedoch auch noch dessen Familie enormes Entwicklungspotenzial, so dass sich Ani-Fans freuen dürfen. Im Debüt des "Sehers" steht weniger der Fall im Mittelpunkt - der mich nicht zu wirklich zu fesseln vermochte -, sondern die Geschichte des Kommissars und dessen unfallbedingte Erblindung.
Ani bleibt sich treu: Mit viel Einfühlungsvermögen weckt er seine Protagonisten zum Leben und erzeugt so eine besondere Spannung, die kein Blut und keine Verfolgungsjagden braucht. Bitte mehr davon!