Rückkehr eines Mörders

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Mailand: Baldini Castoldi Dalai, 2004, Titel: 'Chiudi gli occhi', Originalsprache
  • Berlin: List, 2005, Seiten: 439, Übersetzt: Susanne van Volxem
  • Berlin: Ullstein, 2007
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008, Seiten: 12, Übersetzt: Manuel Kressin

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Sylvia Rucker
Ein außerordentlich leichter und ausgefeilter Sprachstil

Buch-Rezension von Sylvia Rucker Feb 2007

Als Andrea Livolsi eher zufällig durch einen Freund vom Tod seiner Mutter erfährt, kehrt er nach 13 Jahren in sein Heimatdorf am Ufer des Lago d'Iseo zurück. Damals hatte er das Dorf fluchtartig in Richtung Kanada verlassen, denn man beschuldigte ihn der Vergewaltigung und des Mordes an der 17jährigen Ilaria. Trotz der intensiven polizeilichen Ermittlungen konnte der Fall nie vollständig geklärt werden. Nur der Schuldige für die Vergewaltigung wurde anhand von Blutuntersuchungen eindeutig überführt: Claudio Tortorella, ein Freund von Andrea, der allerdings unter der Last des Verbrechens durchdrehte und die gesamte Schuld auf sich genommen hatte. Nach einer Verfolgungsjagd mit dem ortsansässigen Polizisten Werner Torrisi, den er mit mehreren Schüssen schwer verletzte, richtete er sich schließlich selber.

Der Logik zu Folge galt Claudio sowohl als der Vergewaltiger als auch als der Mörder Ilarias, aber in Wahrheit blieb die Gewissheit, dass er kein Einzeltäter war. Doch für einen Mordvorwurf gegen Andrea gab es keine stichhaltigen Beweise, so dass er aus diesem Grund auf freiem Fuß blieb.

Seine plötzliche Rückkehr reißt das kleine beschauliche Dorf aus seiner oberflächlichen Ruhe. Denn Livolsi ist nicht nur wegen seiner verstorbenen Mutter zurückgekommen, sondern er will auch den wahren Mörder von Ilaria aufspüren und überführen.

Sofort schlagen ihm wieder wie damals Ablehnung und Feindseligkeit der Bewohner entgegen, denn es wird sehr schnell klar, dass viele mit dem Verbrechen oder seiner Auswirkungen auf die ein oder andere Art verstrickt sind und nicht erneut damit konfrontiert werden wollen. So wie z.B. Werner Torrisi, der aufgrund der Schussverletzungen seit damals im Rollstuhl sitzt und nur kurze Zeit nach den tragischen Ereignissen die ehemalige Verlobte von Andrea geheiratet hat.

Ihre Adoptivtochter Dora hingegen entwickelt schnell eine große Neugier und Faszination auf diesen fremden Mann, der alle gegen sich zu haben scheint, und kommt ihm auch in kürzester Zeit sehr nah.

Beim Lesen kann man lange Zeit nicht den Eindruck gewinnen, tatsächlich einen Krimi in der Hand zu haben, denn Montanari verwendet sehr viel Zeit und Raum, die Charaktere seiner Protagonisten aus den verschiedenen Blickwinkeln umfassend darzustellen. Offensichtlich stehen die Erlebnisse dieser in der Hauptsache handelnden Personen weit mehr im Vordergrund, denen Montanari darüber hinaus einen mehr oder wenigen starken sexuellen Anstrich verleiht. Ob das unbedingt sein muss, kann dahinstehen; es trägt jedenfalls nicht wesentlich zur Aufklärung der Geschichte bei.

Und so kreiert Montanari durch eine Anhäufung von ungewöhnlichen Charakteren seine Dorfgemeinschaft, von der die meisten dieser Personen eines gemeinsam haben: jeder scheint irgendeinen dunklen Punkt in seiner Vergangenheit zu haben oder über sonst eine Besonderheit zu verfügen. So gibt es z.B. die wahrsagende und mit Vorahnungen erfüllte "Hexe" Anna Tortorella (die Mutter von Claudio); den nicht von sich und seinem Glauben überzeugten Priester Don Alfio; Ilarias (meist bekifften) Bruder Loris bzw. den leicht beschränkten Gianni und deren gewaltbereiten Freund Mauro.

Auch wenn sich durch diese Einzelgeschichten interessante Aspekte ergeben, die den Leser dazu verführen, wie bei einem Puzzle die passenden Teile miteinander zu verknüpfen und nach Zusammenhängen zu suchen, geht die eigentliche Krimihandlung nur schwerfällig voran. Eine echte heiße Spur zum wahren Täter anhand von Hinweisen ergibt sich nicht. Letztendlich könnte es jeder gewesen sein oder keiner.

Erst im letzten Drittel des Buches kommt es dann zu dem bereits auf dem Buchrücken angekündigten baldigen weiteren Mord, der natürlich im Zusammenhang mit den früheren Ereignissen steht. Und dann geht es auf einmal ganz schnell: Plötzlich wird die Auflösung präsentiert und damit ist man auch schon am Ende. Von einem stetigen Spannungsaufbau kann dabei leider nicht wirklich gesprochen werden.

Was das Buch aber trotzdem lesenswert macht, ist Montanaris außerordentlich leichter und ausgefeilter Sprachstil, der zwar auch schon mal ins Vulgäre rutscht, aber dennoch dem Ganzen eine besondere Note verleiht.

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