Der Berg der toten Tibeter

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2007, Seiten: 7, Übersetzt: Wolfgang Rüter
  • Berlin: Aufbau, 2008, Seiten: 459, Übersetzt: Thomas Haufschild

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Thomas Kürten
Goldrausch im kargen Tibet

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jan 2007

Die fünfte Reise durch den Tibet führt den ehemaligen Sonderermittler Shan Tao Yun abermals in eine entlegene Region. Pattison setzt somit seine Serie um den Chinesen, der zwischen zwei Welten lebt und der sich in einem Kampf David gegen Goliath auf die Seite des für jeden erkennbar Schwächeren stellt, genau dort fort, wo er sie in den vorangegangenen Bänden so einfühlsam und lebendig aufgebaut hat. Wohl nur der Tibet erlaubt eine so spannende Erzählung, in der kulturelle Schätze, Mystik und Weisheiten einen solch immensen Einfluss auf die Handlung ausüben dürfen.

Seine Freunde und treuen Begleiter, der Mönch Lokesh und Lama Gendun sind bereits einige Tage vor ihm aufgebrochen in das Dorf Drango. In der Nähe des Dorfes sollen zwei Männer ermordet worden sein, ein Dritter liegt bewusstlos in einer der Hütten des Dorfes und wird als Täter verdächtigt. Doch bevor der Dorfvorsteher, ein Tibeter, der die Chinesische Bürokratie in das abgelegene Bergdorf trägt, den alten Mann lynchen lassen kann, verhandelt Shan einen Aufschub. Bei der Erkundung der Umgebung fällt ihm auf, dass sich in dem nahen Bergmassiv sehr viele zwielichtige Gestalten aufhalten, die offensichtlich auf der Suche nach Gold sind. Außerdem entdeckt er ein altes Dzong, eine Festung, in der ein bekannter chinesischer Physiker, sein deutscher Freund und Forschungskollege und sein Neffe aus Peking leben. Jener Neffe hat ein hohes Interesse für Spurensicherung und hat den Tatort untersucht, bevor von unbekannter Hand die Leichen entfernt wurden.

Die Suche nach den Ursprüngen

Als Shan ins Dorf zurückkehrt, erlangt der alten, vermeintliche Mörder sein Bewusstsein wieder. Wie sich herausstellt ist jener Mann namens Hostene gar kein Tibeter, sondern ein Navarro-Indianer. Er war mit seiner Nichte Abigail auf dem Berg unterwegs, um einen alten Pilgerpfad aus der Zeit, bevor der Buddhismus in den Tibet einzog, zu erforschen. Abigail wollte daran die gemeinsame kulturelle Herkunft von Tibetern und Indianern belegen. An den Überfall hat er keine Erinnerungen mehr, aber die Sorge um seine Nichte treibt ihn an, Shan bei seiner weiteren Suche zu begleiten. Während immer mehr Menschen sterben müssen, entdecken sie eine Einsiedelei mit einem offenbar verrückten Mönch, eine Goldschürferstadt, in der Unfrieden herrscht, Unregelmäßigkeiten in den Geschäften des Dorfvorstehers von Drango und schließlich den Startpunkt des alten Pilgerpfades. Auf dem Gipfel des Berges des schlafenden Drachen werden sie das Geheimnis lüften.

Um es kurz zu machen, Der Berg der Toten Tibeter ist das stärkste, was Eliot Pattison nach seinem Debüt um den Fremden Tibeter geschrieben hat. Politische Verstrickungen hat er auf ein Mindestmaß reduziert. Themen wie die chinesische Kulturrevolution und die systematische Vernichtung von Schätzen und Heiligtümern treten nur als kritische Randbemerkung auf. Insbesondere der unterschwellige Vergleich mit dem Umgang der Amerikaner mit den Indianern ist bravourös gelungen. Im Vordergrund steht diesmal eine wirklich mysteriöse Reihe von Morden und deren Aufklärung. Während der Roman wieder einmal etwas schwerfällig seinen Anfang nimmt - Shan betritt die Szenerie und muss sich erst mal mit den Begebenheiten vor Ort vertraut machen - bietet insbesondere die zweite Hälfte des Romans, als sich Shan mit seinen Begleitern auf den alten Pilgerweg aufmacht, uralte Rätsel löst und langsam auch den Motiven für die Morde auf die Schliche kommt, einfach nur fesselnde Unterhaltung.

Und die alten Stärken... wie gewohnt

Was bei bislang jedem der Shan-Romane als absolute Stärke anzumerken war, ist die lebhafte und liebevolle Schilderung der tibetischen Gebirgslandschaft und die eindrucksvollen Kenntnisse der buddhistischen Kultur, die Pattison immer wieder anbringen kann. Der Berg der Toten Tibeter steht darin seinen Vorgängern um nichts nach. Pattison hat sich zum Glück wieder ein wenig mehr auf diese Stärken besonnen und sie mit einer spannenden Handlung kombiniert. So ist dieser Roman wieder frisches Futter für die vielen Fans dieser Serie in Deutschland, nachdem die Wege Shans in den letzten beiden Abenteuern doch ein wenig zu abenteuerlich sogar bis nach Amerika führten. Der besondere Erfolg der Serie hierzulande macht sich auch insofern bemerkbar, dass der Roman zuerst in deutscher Übersetzung erscheint. Bei Veröffentlichung des Romans in Deutschland ist das englischsprachige Originalskript Prayer of the Dragon bislang noch nicht in Buchform erschienen.

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