Das Buch der Namen

  • Rowohlt
  • Erschienen: Januar 2006
  • 23
  • Augsburg: Weltbild, 2007, Seiten: 396
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006, Seiten: 396, Übersetzt: Anja Schünemann
Das Buch der Namen
Das Buch der Namen
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Sylvia Rucker
75°1001

Krimi-Couch Rezension vonJan 2007

Kampf zwischen Gut und Böse zur Rettung der Welt

David Shepherd, Mitte dreißig, ist Dozent für Politikwissenschaften an der Georgetown University in Washington, D.C., als er sich jäh in mysteriöse Ereignisse verstrickt sieht. Gerade will er sich den Namen einer Kollegin für ein Date notieren, als ihm auffällt, dass er stattdessen einen Namen einer ihm völlig unbekannten Person aufgeschrieben hat, von deren Ermordung er nur wenige Stunden später erfährt.

So etwas ist ihm zum ersten Mal zwei Jahre nach einem schweren Unfall geschehen, den er als Kind erlitten hat und der ihn zwischen Leben und Tod schweben ließ. Damals hatte er ein Nahtoderlebnis, bei dem er ein Licht und darin viele Menschen sah, die ihm ihre Namen und ein ihm unbekanntes Wort zuriefen.

Als David nun aufgrund des aktuellen Mordes seine Namensliste überprüft, muss er zu seinem Entsetzten feststellen, dass etliche der Personen bereits ebenfalls einem unnatürlichen Todesfall zum Opfer gefallen sind. Sein Freund und Kollege Pater Dillon McGrath rät ihm zum Besuch des Rabbiners Eliezer ben Moshe, der vielleicht helfen kann, das Rätsel zu lösen, denn das unbekannte Wort aus seinem Nahtoderlebnis ist hebräischer Herkunft. Und auch ein Stein, der David im Zusammenhang mit seinem Unfall in die Hände gefallen ist, und der angeblich magische Schutzkräfte besitzt, trägt eine hebräische Inschrift.

Und tatsächlich erfährt David von Ben Moshe und der hinzugezogenen jungen israelischen Antiquitätenexpertin Yael HarPaz eine schier unglaubliche Geschichte über einen Geheimbund aus vorchristlicher Zeit, der sich über die ganze Welt erstreckt: die Gnoseos, die heute noch aktiver und geheimer sind als vor Jahrhunderten und sich den Untergang der Welt zum Ziel gesetzt haben. Dazu müssen sie nur eines tun, nämlich die 36 Gerechten der Welt, die nach jüdischer Überlieferung das Weltgefüge im Gleichgewicht halten, die Lamedwowniks, systematisch ermorden. Und das sind jene, deren Namen David, wie es auch bereits Generationen vor ihm taten, auf eine Liste geschrieben hat!

Wie gefährlich und skrupellos die Gnoseos sind, um ihr Ziel zu erreichen, muss David gleich am eigenen Leib erfahren, denn noch während seines Besuchs beim Rabbi werden sie von ihrem Killerkommando, den Dunkeln Engeln überfallen.

David und Yael gelingt nur knapp die Flucht. Nun will Yael David nach Zefat bringen, die heilige mystische Stadt in Israel, wo er andere Mystiker treffen soll, um gemeinsam den apokalyptischen Plan der Gnoseos aufzudecken und zu vereiteln.

Ein mörderischer Wettlauf mit der Zeit beginnt, der für David umso prekärer wird, da seine Stieftochter Stacy ebenfalls auf der Namensliste steht und einem ersten Entführungsversuch durch die Dunklen Engel nur um Haaresbreite entkommen konnte.

Ist es möglich, dass durch Das Buch der Namen endlich eine Erklärung für die Zunahme so vieler schrecklicher Naturereignisse wie Tsunami, Waldbrände, Erdbeben etc. geliefert wird? Dass nämlich jedesmal die Welt ein bisschen schlechter wird und entsprechend reagiert, wenn einer der Gerechten getötet und damit das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gestört wird?

Denn dies ist der Kern, den das Buch erzählt; und wenn man sich erst einmal auf diese Thematik oder besser gesagt, Dramatik einlassen kann, findet man sich in einer recht spannenden Geschichte wieder, die auf jahrhundertealte religiöse Überlieferungen aus dem jüdischen und kabbalistischen Glauben zurückzuführen ist.

Zeit für Langeweile kommt dabei nicht auf, denn nicht nur auf der Flucht von David und Yael nach Israel überschlagen sich die Ereignisse geradezu. Im rasanten Tempo, aber dennoch gut strukturiert kann der Leser mit verfolgen, wie David den Hintergründen für seine eigene Geschichte auf die Spur kommt. Und mit diesem neu gewonnenen Wissen nimmt er die Herausforderung und seine besondere Fähigkeit an, um sich zum Wohle der Menschheit, insbesondere für seine Stieftochter Stacy als letzte überlebende Lamedwownik dieser Generation, einzusetzen.

In einem aufwendig inszenierten Showdown beschreiben die Autorinnen schließlich den alles entscheidenden Kampf zwischen Gut und Böse zur Rettung der Welt am geheimen Treffpunkt der Gnoseos. Leider ist dies gleichzeitig auch ein Schwachpunkt des Buches, denn die Darstellungen der Kampfszenen sind derart ausführlich und detailliert, dass man meinen könnte, ein Drehbuch zu lesen.

Doch dank der über weite Strecken gut gehaltenen Spannung des Buches insgesamt und einem sprachlich sehr anschaulichen Schreibstil lässt sich darüber hinwegsehen.

Das Buch der Namen

Jill & Tintori Gregory, Rowohlt

Das Buch der Namen

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