Das dunkle Herz der Wüste

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • New York: HarperCollins, 2005, Titel: 'The Devil´s Wind', Originalsprache
  • München: dtv, 2006, Seiten: 370, Übersetzt: Lutz-W. Wolff

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Frank A. Dudley
Das dunkle Herz pulst unwiderstehlich

Rezension von Frank A. Dudley Jan 2007

"Eigentlich habe ich es ja immer gewusst, dass die Macht auf einer geheimen Verschwörung beruht, dass die wirklichen Entscheidungen von Männern gefällt werden, die nicht immer gut und auch keineswegs immer gewählt sind." Trotz dieser Erkenntnis begibt sich der Architekt Maurice Valentine, Erzähler der Geschichte, nur allzu gern in die Gesellschaft mächtiger Männer. Nachdem er während des Zeiten Weltkriegs mit zahlreichen Orden ausgezeichnet wurde, hat er die Tochter eines US-Senators geheiratet und ist jetzt, im Jahr 1956, einer der Stararchitekten in Kalifornien. Nicht zuletzt ein Ergebnis seines karriereorientierten Opportunismus, hat er doch den antikommunistischen Hexenjägern der McCarthy-Gremien seinen Partner ausgeliefert. Eine Haltung, die ihm auch zahlreiche Aufträge von der Glückspielmafia einbringt, für die er im aufstrebenden Las Vegas zahlreiche Hotels baut.

Während er also an seinem Aufstieg feilt und auch auf einen Senatorenposten schielt, tänzelt die kapriziöse und geheimnisvolle Mallory Walker in sein Leben, Mitte 20, platinblond und reich. Selbst Architekten, plant sie offensichtlich, den 40-jährigen Valentine als Karrieresprungbrett zu nutzen. Trotz gewichtiger Zweifel lässt Valentine auf eine Affäre mit der jungen Frau ein und nimmt sie mit nach Las Vegas zu einem Treffen mit Mafiaboss Paul Mantilini, seinem Auftraggeber. Den wiederum beeindruckt Mallory Walker nicht nur wegen ihres Aussehens, sondern auch mit Entwürfen für neue Hotels - die allerdings nicht an ihrem eigenen Zeichenbrett entstanden sind.

Recht schnell nach diesem Treffen überschlagen sich die Ereignisse: Während Valentine mit Mallory ebenso wie zahlreiche Hollywoodstars sonnenbebrillt von einem Hotelpenthouse einen oberirdischen Atomwaffentest bewundern ("gleichzeitig wunderschön und schrecklich"), geraten sie in eine Schießerei. Direkt danach stirbt Valentines Geliebte bei einem Verkehrsunfall. Der Architekt beginnt zu zweifeln, ob Mallory ihm alles über sich erzählt hat, ob sie nicht noch mehr als er selbst ein Geschöpf ihrer Karrieresucht gewesen ist, als er selbst. Nur gefährlicher.

Heiß und trocken

Die Musik von Frank Sinatra, große Autos mit Haifischflossen am Heck, die dunkle Verquickung von Politik und Kriminalität - fehlt nur noch der hartgesottene Privatdetektiv, dann wäre Richard Rayners Roman noir par excellence. Aber auch ohne einen Marlowe pulst Das dunkle Herz der Wüste so unwiderstehlich, versteht es der Autor, das Las Vegas der 50er Jahre derart verführerisch heraufzubeschwören, dass man sich ihm gerne und ganz hingibt. Vor dem Hintergrund der neonleuchtenden Spieleroase lässt Rayer seinen zwar etwas naiven, aber nicht unsympathischen Helden eine Geschichte erzählen, in der niemand den einmal in Bewegung gesetzten Ereignissen ausweichen kann. Am nachhaltigsten wirkt die Kaskade von Entdeckungen, die Valentine über Mallory macht, die scheinbare Femme Fatale. Ein schwarzer Roman über Macht, Intrigen und Lebensgier, mit einem unvorhersehbaren Finale so heiß und trocken wie der Wüstenwind Nevadas.

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