Alles was Recht ist

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Wien: Edition Innsalz, 2006, Seiten: 169, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Flott und humorig

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2006

Herta Baumann ist Sachbearbeiterin beim ehemaligen Arbeitsamt, heute neudeutsch AMS abgekürzt. Und weil sie eine richtig, verbiesterte Schreckschraube ist, wundert es hinterher keinen, dass ihr frühmorgens eine scharfe Klinge vor ihrem Arbeitsplatz die Kehle durchtrennt.

Ihr Pendant bei der Pensionsversicherungsanstalt, zuständig für die Beurteilung von Berufsunfähigkeitspensionen, ist Frau Doktor med. Brigitte Neuhold. Ihre Erfolgsquote bei der Ablehnung von Pensionsanträgen steigt umgekehrt proportional zu ihrem Beliebtheitsgrad bei ihren Klienten. Sie ereilt ihr Schicksal auf der Toilette und auch ihr wird der Kopf vom Rumpf getrennt.

Solcherlei Untaten rufen Kommissar Müller auf den Plan. Wenn er schon nicht im Badewasser den Radetzkymarsch pfeifen kann oder seine geliebten Würstel mit Saft in einem richtigen Wiener Beisl zu sich nehmen darf, dann vergnügt er sich nächtens mit der Polizistenbraut Liesi oder er steht tagsüber seinem Chef zur Seite. Dr. Patrick Sandor, aus altem Adel in die Bürgerlichkeit gerutscht, weiß natürlich sofort, was gespielt wird und gemeinsam klappern die Polizisten jene Kundschaft ab, die sowohl von der Baumann als auch von der Neuhold abschlägige Bescheide bekommen haben...

Jaqueline Gillespie hat im Edition Innsalz Verlag nach Nimm dir, was du willst ihren zweiten Kriminalroman Alles was Recht ist in den Handel gebracht. Die alte Krimiautorenweisheit, dass Serienmorde für viele Seiten sorgen, kann man bei dem 169 Seiten schwachen Buch allerdings nicht anwenden.

Musste man schon beim literarischen Vorgänger über mangelnde kriminalistische Raffinesse hinwegsehen, hat sich auch im Nachfolger auf ermittlerischem Niveau nicht sehr viel geändert. Frau Gillespie erzeugt zwar gleichbleibende Spannung, die Lösung des Falles wird allerdings deutlich zu schnell durchgepeitscht. Dabei wird die Kombinationsgabe von Dr. Sandor auf eine harte Probe gestellt, denn beim geübten Krimileser kann spätestens auf Seite 108 der begründete Verdacht aufkommen, wer der Täter sei, der Polizeichef benötigt fünfzig Seiten länger.

Die Stärken der Autorin liegen also nicht in der kniffligen Aufbereitung einer Mordserie. Zur Bestform läuft sie auf, wenn sie Lokalkolorit erzeugt und Menschen beschreibt, wie es das (Wiener) Leben zuhauf bietet. Von der Clique der Möchtegernschönen und Möchtegernreichen bis hinunter in die unterste Arbeiterschicht lässt Frau Gillespie die herrlichsten Charaktere aufleben, die samt und sonders mit viel Ironie betrachtet werden. Dazu kommt noch ein Schuss Kritik an der regionalen Politik und fertig ist ein Regiokrimi, der zwischen dem Herrn Karl von Helmut Qualtinger und der Berichterstattung der örtlichen Kronenzeitung anzusiedeln ist. Wobei nicht immer ganz klar erscheint, wieweit sich die Herren von der Exekutive dem einen oder anderen Milieu zuordnen lassen.

Trotz der eher matt inszenierten Story bekommt der Leser hier ein vergnügliches Stück Polizeiarbeit geliefert, vor allem, wenn man des Wienerischen mächtig ist. Dabei rutscht die Autorin jedoch nicht in die sprachlichen und grammatikalischen Tiefen eines Wolf Haas ab, auch wenn Kommissar Müller gelegentlich seinem Frust Ausdruck verleiht und etwas "Orsch" findet, was aber seit Wolfgang Bauer hierzulande zum guten Ton zu gehören scheint.

Alles was Recht ist lässt sich flott und humorig lesen und stellt an den Leser keine wie immer gearteten intellektuellen Ansprüche. Jacqueline Gillespie bringt mit diesem Buch harmlose Abendlektüre rechtzeitig vor Weihnachten auf den Markt, damit auch leichte Krimikost den Weg unter den Christbaum findet.

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Letzte Kommentare:
07.01.2007 17:22:41
Fritz Heckl

"Alles was Recht ist" liest sich flüßig-spannend und ist für Wienkenner mit Hinblick auf bekannte Adressen zusätzlich amüsant.
Auf den Titel bezogen erwartet man anfänglich einen auf das Arbeitsmarktservice und die Pensionsversicherungsanstalt verärgerten Täter, ist dann aber beinahe erleichtert schon vor Ende des Buches einen durch seine kranke Psyche belasteten Mörder zu erkennen.
Vielleicht liefert die Autorin bald wieder einen mit bekannten geographischen und institutionellen Gegebenheiten hinterlegten Kriminalfall?
Als kurzweilige 2-Abende-Lektüre ist dieses Buch sehr zu empfehlen.