Das Einstein-Projekt

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Claasen, 2006, Seiten: 560, Übersetzt: Elisabeth Müller
  • Berlin: Ullstein, 2008, Seiten: 563

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Wolfgang Weninger
Ein Wissenschaftsthriller von beachtlichem Format

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Sep 2006

Elisa Robledo und ihr Kommilitone Ricardo Valente sind die Absolventen der Studienrichtung Theoretische Physik an der Universität von Madrid. Nach einem Seminar bei Professor Blanes werden die beiden zu einem Studienprojekt nach Zürich eingeladen. Doch Zürich ist nur eine Zwischenstation zu einem geheimnisvollen Forschungslabor auf der tropischen Insel New Nelson.

In den spartanischen Unterkünften auf New Nelson geht den Mitgliedern der Forschungsgruppe jegliches Privatleben verloren. Ständig unter Beobachtung experimentieren die Wissenschaften mit Zeit-Strings. Zeit-Strings sind mehrdimensionale Lichtteilchen, gemessen im kleinstmöglichen Zeitintervall. Durch Beschuss in einem Miniatur-Teilchenbeschleuniger, praktisch die Taschenausgabe von CERN in Genf, könnten ihnen Informationen aus der Zeit ihrer Entstehung entlockt und in Bilder umgewandelt werden. So gelingt es dem Team auch, sowohl Bilder einer unbekannten Dinosaurierart sichtbar zu machen, als auch zur Zeit von Jesus Christus eine Frau in Nazareth auf die Monitore zu holen.

Doch das Eintauchen in die Vergangenheit hat auch nachteilige Auswirken auf Elisa Robledo, Ricardo Valente und die anderen Mitarbeiter. Durch das Betrachten der Bilder entsteht beim Betrachter eine psychische Veränderung, die als Impact bezeichnet wird und unterschiedlichste Auswirkungen haben kann. Einer der Wissenschaftler, möglicherweise der plötzlich verschwundene Ric Valente, wird vom Impact so stark getroffen, dass er auf unmenschliche Art und Weise zu morden beginnt und dabei das Forschungslabor fast vollständig zerstört, so dass die Überlebenden ihren Aufenthalt abbrechen müssen.

In ihren realen Wachträumen wird Elisa Robledo über Jahre von einem geheimnisvollen Mann mit weißen Augen drangsaliert. Aber auch die anderen Mitglieder des Teams machen ähnliche Erfahrungen und als zehn Jahre nach dem Vorfall zwei der Forscher auf grausamste Art und Weise verstümmelt werden, ist es an der Zeit im Jahr 2015 den Folgen des Impacts und dem unmenschlichen Treiben ein Ende zu setzen ...

José Carlos Somoza, vielfach für sein literarisches Schaffen mit Preisen ausgezeichnet, hat bei Claasen in der Übersetzung von Elisabeth Müller Zigzag als Das Einstein-Projekt für den Liebhaber von futuristischen Wissenschaftsthrillern veröffentlicht und auf 564 Seiten behauptet: "Hinter den Grenzen der Physik lauert der Abgrund."

Allerdings dauert es reichlich lange, bis der Leser erkennt, worum es sich bei diesem Abgrund handelt. Denn Somoza vollendet die ersten Kapitel fast immer nur mit einem Hinweis, dass es doch immer noch viel schlimmer kommen wird und hüllt sich in Andeutungen, speziell wenn es um das Leben und die Angstzustände der Physikerin Elisa Robledo handelt. Der Leser begleitet die junge Frau in Rückblenden über einen Zeitraum von zehn Jahren bis ins Jahr 2015 und kann sich dabei einen guten Überblick über die gelungene Charakterisierung der Hauptperson aneignen. Vorausgesetzt man bringt ein gewisses Grundmaß an physikalischem Verständnis auf, um dem Geschehen rund um die Forscher und ihre Arbeit, sowie die Wandlung deren Psyche und die Lösung des Falles richtig verstehen zu können.

Am Spannungsaufbau der Geschichte gibt es nichts auszusetzen. Die Story lebt von den zunehmenden Perversitäten, die ER den Mitgliedern des Forschungsteams antut und die allesamt in kleineren und größeren Katastrophen enden. Wobei ER bis zum Ende der Geschichte nicht erkennbar wird und auch das Warum bis zum Schluss erklärungsbedürftig bleibt, aber im Endeffekt überraschend und wenig befriedigend ausfällt.

Damit die Erzählung über die fast sechshundert Seiten nicht einbricht, bedient sich der Autor konsequent der Darstellung von körperlicher Gewalt und Psychoterror, sät Misstrauen unter den Mitgliedern der Forschungsgesellschaft und lässt sie unter permanenter Beobachtung hantieren. Wenn das Denken und Tun der einzelnen Forscher und der gewaltsame Tod einzelner Wissenschafter auch nicht immer ausreichend logisch begründet werden, sondern einfach als gegebene Fiktion aus den Beeinträchtigungen des Impact zu akzeptieren sind, so hat der Leser doch hin und wieder das Gefühl, dass die Schlussfolgerungen an den Haaren herbei gezogen sind.

Grundsätzlich muss man dieses Buch als nicht ganz einfache, aber gelungene Lektüre klassifizieren. Von einem Krimi ist der Stoff weit entfernt, aber als Wissenschaftsthriller ist er von beachtlichem Format. Dass dabei die Leichtigkeit beim Lesen ähnlicher Genrereißer aus dem Amerikanischen nicht erreicht wird, schränkt den Leserkreis allerdings auf Grund des höheren Anspruch deutlich ein.

Das Einstein-Projekt

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