Die Antiquitätenhändlerin

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006, Seiten: 288, Originalsprache

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Eva Bergschneider
Ein Krimi mit Flair und einer eigensinnigen Hauptdarstellerin

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Sep 2006

"Die Antiquitätenhändlerin" ist der dritte Kriminalroman der Theater-Schauspielerin Madeleine Giese, die seit 2002 als freiberufliche Schriftstellerin arbeitet. Sie debütierte mit Das Spiel heißt Mord als Krimi-Autorin. Bald darauf folgte der zweite Roman mit dem Ermittler Kommissar Prottengeier, Die letzte Rolle. Beide Romane spielen im Theater- und Schauspielermilieu, eine Welt, die der Autorin sehr vertraut ist. Mit ihrem dritten Krimi wagt sich Madeleine Giese auf ein neues Terrain, das des nicht immer ganz sauberen Handels mit antiken Möbeln. Sie schickt erstmals den Bremer Hauptkommissar Müntzer zu Ermittlungen in das französische Grenzgebiet an der Saar.

239 Schnecken und ein pensionierter Historiker sterben einen unerwarteten Tod

Marie Weller hat ihr Geschäft für Antiquitäten aufgegeben und versucht, ihr herunter gewirtschaftetes Elternhaus und den Garten in Schuss zu halten. Mit den Schnecken am Salat macht die eigenwillige Saarländerin kurzen Prozess. Die neugierige Nachbarin, Frau Blum auf Abstand zu halten, ist dagegen schon schwieriger. Die soll nichts davon mitbekommen, dass Marie endlich die Liebe ihres Lebens in Gestalt des pensionierten Historikers Dr. Theobald Bernd gefunden hat, den sie schon seit der gemeinsamen Studienzeit kennt. Marie und Theo geniessen ihr spätes Glück, doch eines Abends wartet sie vergeblich auf ihn. Der rüstige Kunstkenner ist aus dem Fenster des alten Torhauses, auf die spitzen, hohen Stäbe des gusseisernen Zauns gestürzt. Ein Schwächeanfall? Oder hat Theo seine zweite Leidenschaft, die Suche nach Original-Mobiliar des Schlosses Le Chêne, das Leben gekostet?

He vor is diss gemichet - Das ist hier geschehen

Eine Bürgerinitiative des Ortes engagiert sich für die originalgetreue Restaurierung der Überreste des einstigen Le Chêne Schlosses, des Torhauses und des Schlossgartens. Es soll ein Museum eingerichtet werden, dass diesen mit düsteren Legenden und Erinnerungen umhüllten Ort ein positiveres Image verleiht.
Eine der blutigen Geschichten, die die Anwohner mit Le Chêne verbinden, erzählt, dass zur Zeit der Französischen Revolution die Kammerfrau der ungeliebten Königin Marie Antoinette ermordet worden ist, als sie versuchte, den Schmuck ihrer Herrin auf dem Schlossgelände zu verstecken.

Eine weitere Geschichte liegt noch nicht so lange zurück; 1945 sollen SS-Männer während der letzten Kriegstage diesen Ort gewählt haben, um angebliche Plünderer hinzurichten.Und schließlich können sich die meisten noch gut an den unaufgeklärten Tod des geistig zurück- gebliebenen Straßenkehrers Fritz Clarin erinnern, der 1974 auf Le Chêne erschlagen aufgefunden wurde. Marie Weller ist der Ansicht, dass die Polizei den grausamen Tod des verrückten Fritzchens eher unter den Teppich gekehrt, als untersucht hat. Daher macht sich die alte Dame nach dem Tod ihres Geliebten gemeinsam mit dem 17-jährigen Jascha in ihrem alten Renault-Kastenwagen selbst auf die Suche nach dem Mörder. Beide geraten zwischen die Fronten zwielichtiger Kunsthändler und vermeintlich unbescholtener Bürger, die zu allem bereit sind, um ein altes Geheimnis zu wahren.

Authentisches Flair...

Madeleine Giese hat mit "Die Antiquitätenhändlerin" einen ganz besonderen Kriminalroman geschrieben, der fast alle Elemente vereint, die den etwas anspruchsvolleren Krimi-Leser erfreuen.
Die Atmosphäre der Handlungsorte in Saar und Elsass/Lothringen wurde überaus stimmungsvoll und ohne Klischees eingefangen und in Worte gefasst. Man spürt als Leser einen Hauch französischen Lebensgefühls und bekommt eine Ahnung, wie die Menschen in der Region ticken. Die lokale Authentizität wird zusätzlich durch einige Sätze in französische Sprache unterstrichen.

...kombiniert mit unbeugsamen Charakteren...

Die Hauptcharaktere Marie Weller und ihr 17-jähriger Begleiter Jascha haben, trotz des hohen Altersunterschiedes, zwei prägnante Charaktereigenschaften gemeinsamen, Unbeugsamkeit und Sturheit wider aller Vernunft. Ihre Freundschaft ist durch Freigeist und eine unkonventionelle Gesinnung geprägt, die Jascha bei Jugendlichen seiner Altersklasse vergeblich sucht.

Marie übernimmt Theos Aufgabe in der Initiative, obwohl sie sich bisher kaum für die Arbeit interessiert hat. Ihr Ziel ist einzig und allein Theos Mörder zu stellen, denn seit dem unaufgeklärten Tod Fritzchens misstraut Marie der Polizei. So hat der Bremer Hauptkommissar Müntzer, der sich auf dem unbekannten Saarländer Terrain noch unsicher fühlt, von Marie zunächst nicht viel Kooperation zu erwarten. Doch der Ermittler erweist sich nicht nur als kreativer Geist, sondern auch als sensibler Zuhörer, der allmählich Maries Schutzfassade aus Unnahbarkeit und Zynismus zu durchdringen versteht.

...in einer Geheimnis umwobenen Story, die stellenweise zuviel enthüllt

Besonders gut ist der Autorin die Einbettung der Handlung in einen historischen Hintergrund gelungen. Der immer wiederkehrende Bezug zur Vergangenheit verleiht der Geschichte nicht nur Substanz, sondern auch eine mystische Atmosphäre.

Die Handlung in "Die Antiquitätenhändlerin" wirkt allein schon durch die Erzählung aus den unterschiedlichen Perspektiven der handelnden Personen sehr abwechslungsreich. Die Autorin schildert die Fakten aus einer eingeschränkten, weil subjektiven Sichtweise. Dadurch wird die Wahrnehmung des Lesers eingeschränkt, der anschließend von Ereignissen überrascht wird, die sich im Verborgenen zugetragen haben. Trotz dieser Technik, sind einige Szenen zu durchschaubar geraten. Dadurch geht der Geschichte einiges an Spannung verloren. Die Auflösung des Plots ist logisch nachvollziehbar, wird aber am Ende zu sehr von Zufällen bestimmt.Sprachlich ist Madeleine Gieses Krimi perfekt auf den persönlichen Hintergrund der jeweiligen Person, aus dessen Perspektive gerade geschildert wird, abgestimmt. Hier profitiert die Autorin von ihre schauspielerischen Erfahrung, denn der Leser erlebt die Erzählung in ganz unterschiedlichen, individuellen Tonlagen.

Unterm Strich ist Madeleine Giese mit "Die Antiquitätenhändlerin" ein überzeugender, sprachlich frischer Krimi mit Tiefgang gelungen, der dem Leser spannende Unterhaltung bietet und Lust auf den Landstrich Saar/Elsass-Lothringen macht.

Die Antiquitätenhändlerin

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Letzte Kommentare:
22.07.2011 10:03:37
G. E.

In diesem Krimi muss mann sich einlesen. Wenn man eingetaucht ist in der Handlung legt man dieses Buch nciht mehr beiseite.
Zudem geht die Handlung immer noch in die Hintergründe der deutschen Geschichte des II. Weltkrieges zurück.
Verflochten mit aktuellen Themen und das Umfeld eines Grengebietes, mit all seinen wechselvollen Geschichten fließen auch sehr gut ein.
Das Wichtigste sich einlesen.
Mein Fazit. Es lohnt sich.