Drei Wochen im November

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: Alba, 2003, Titel: 'Quince días de noviembre', Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2006, Seiten: 192, Übersetzt: Verena Kilchling

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Thomas Kürten
Kanaren-Krimi ohne Lokalkolorit

Buch-Rezension von Thomas Kürten Sep 2006

Als hätten wir nicht alle darauf gewartet, gibt es endlich einen Ermittler auch auf Gran Canaria. Der Schriftsteller, der dem Haudegen Ricardo Blanco das Leben eingehaucht hat, ist José Luis Correa, der bislang in der Krimi-Landschaft ebenso wenig in Erscheinung getreten ist. Correa - soviel zur Person - ist Professor an der Universität von Las Palmas (und darum unbedingt zu beneiden) und hat gemäß Angaben seines Verlages bei fünf bislang in Spanien veröffentlichten Romanen bereits zwei Literaturpreise abgesahnt.

Mit Drei Wochen im November hat der Unionsverlag in seiner renommierten metro-Reihe den ersten Fall des Privatdetektivs aus dem Jahre 2003 auf den deutschen Buchmarkt gebracht. Blanco wird dabei von der charismatischen Marancha beauftragt, die näheren Umstände des Selbstmords ihres Verlobten zu untersuchen. Sie glaubt nämlich nicht an ein Suizid, schildert dem Detektiv jedoch den Stimmungswandel ihres Verlobten in den vergangenen Monaten. Anders als die Polizei schenkt Blanco ihr glauben und sucht eine Fährte im engen Freundeskreis, in den er sich mit Hilfe von Marancha unter Vorwänden einschleicht. Die "Tarnung" fliegt auf, als er die Freunde auf einem Segeltörn auf eine andere, verschwundene Freundin anspricht. Rätselhaft bleibt aber nicht nur Blanco, warum er, nachdem er über Bord geworfen wurde, von den Freunden aus den tosenden Wogen gerettet wird. Wer war die verschwundene Freundin? Und wer verfolgt Blanco eigentlich? Er scheint dank Marancha auf die richtige Spur gekommen zu sein.

Original spanischer Kriminalroman

Correa schreibt in der Tradition von Manuel Vazquez Montalban. Literarisch anspruchsvoll in blumiger, metaphorischer Prosa. Die Tatsache, dass dies auch in der deutschen Übersetzung durchschlägt, ist mit einem besonderen Lob an die Übersetzerin Verena Kilchling verbunden, die mit diesem Werk keine leicht Aufgabe gehabt haben dürfte. Ein gutes sprachliches Niveau - wie es auch Montalban stets präsentierte - verzerrt mitunter die düstere und dreckige Welt des Verbrechens. Nichtsdestotrotz ist es insgesamt ein Genuss, die Sprachstärke des Spaniers auf sich wirken zu lassen.

Der Autor jedoch hält hinsichtlich der Stärke seiner Hauptfigur dem Vergleich mit Montalban nicht stand. Ricardo Blanco bekommt zwar einige Narben aus alten Fällen verpasst und er erzählt von Jugenderinnerungen und Liebschaften vergangener Tage, allerdings macht ihn das bei weitem nicht so authentisch wie eine einzige Bücherverbrennung von Montalbans Helden Pepe Carvalho.

Warum Gran Canaria?

Die Erzählperspektive - Blanco blickt als Ich-Erzähler auf die ein Jahr zurückliegenden Ereignisse zurück - rechtfertigt diese langen Rückblicke. Durch die Distanz zur Handlung rechtfertigt der Autor solch starke Reflexionen seines Helden, nimmt dadurch allerdings auch Tempo und Dynamik aus der Erzählung. In der Tat entwickelt sich die Ermittlungsarbeit nur sehr langsam, rückblickend ist es gar erschreckend, wie wenig Blanco auf den rund 190 Seiten in diesem Fall tatsächlich unternommen hat. Weniger Rückblicke wären da deutlich mehr gewesen.

Ermittler an Orten, die dem Durchschnittsbürger als beliebtes Pauschalurlaubsziel ein Begriff sind, sind insgesamt rar gesät. Sucht man ein Vergleichsbeispiel aus den letzten Jahren, so muss die Rede hier unweigerlich von Lorenzo Silva sein. Dessen Tödlicher Strand befindet sich auf Mallorca und sein Ermittlerteam Vila und Chamorro ermitteln an den Orten, die der Vergnügungssuchende Normaltourist täglich frequentiert, wodurch der Autor einen hohen Wiedererkennenswert hervorruft. Blanco hingegen könnte sich auch auf Formentera, Rhodos oder Rügen aufhalten und der Leser würde nichts davon merken. Wer von dem Buch (das immerhin den Untertitel "Ricardo Blanco, Privatdetektiv auf Gran Canaria" trägt) hier nun überbordenden Lokalkolorit von einer Ferieninsel erwartet, wird enttäuscht.

Für die Drei Wochen im November hat Correa keinen Preis erhalten. Dafür ist der Krimi-Anteil in diesem Roman einfach zu schwach und insgesamt einfach sehr vage aufgehängt: Ohne Umschweife findet der Detektiv den richtigen Täterkreis und das richtige Motiv. Rein sprachlich braucht Correa jedoch keinen Vergleich mit großen Vorbildern scheuen. Das Stilmittel, den Erzähler mit zeitlichem Abstand auf die Handlung zurückblicken zu lassen, sollte er zumindest noch einmal überdenken.

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