Der Tod der Äbtissin

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Midlothian: Van Neste, 1999, Titel: 'Lumen', Seiten: 278, Originalsprache
  • München: Piper, 2006, Seiten: 363, Übersetzt: Sylvia Höfer

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Frank A. Dudley
Es gibt keine einfachen Wahrheiten

Buch-Rezension von Frank A. Dudley Jul 2006

Jeder Krieg ist ein einziges, kaum darstellbares Verbrechen. Für Martin Bora, Kavallerie-Hauptmann der deutschen Wehrmacht und Nachrichtenoffizier, ist der Überfall auf Polen jedoch eine sportliche Angelegenheit. Ideologisch eher neutral, sieht er es als seine soldatische Pflicht an, hinter dem Einsatz zu stehen und befolgt geflissentlich sämtliche Befehle. Die Geschichte beginnt im zweiten Kriegsmonat, als Bora mit der Aufgabe betraut wird, polnische Widerstandskämpfer in und um Krakau aufzuspüren.

Mord im Krieg

Boras Vorgesetzter, Oberst Hofer, ist weniger einsatzfreudig. Er wünscht sich nichts mehr, als nach Hause zurückzukehren, denn sein kleiner Sohn ist schwer krank. In seiner Verzweiflung sucht er regelmäßig Mutter Kazimierza auf. Die Oberin des Klosters Zu Unserer Lieben Frau gilt als heilig, sie wird von vielen gläubigen Polen angebetet, weil sie Visionen hat. Den deutschen Besatzern ist sie ein Dorn im Auge, denn Kazimierzas Aktivitäten könnten für Unruhe sorgen. Und wie die Zukunft wird, weiß ja ohnehin nur der Führer.

Als Bora Oberst Hofer von einer seiner Sitzungen bei Mutter Kazimierza abholen will, stürzt dieser mit Schrecken im Blick und seiner Pistole in der Hand auf die Straße. Beide rennen zurück ins Kloster, wo die Oberin tot auf dem Innenhof liegt, die Arme wie zur Buße ausgebreitet. Dieser Mord muss schnellstens aufgeklärt werde, und zwar im Sinne der Besatzer: Falls das Gerücht aufkommt, dass die Deutschen für den Tod verantwortlich waren, ist die tote Kazimierza gefährlicher als die lebendige. Nichts kann die Wehrmachtsführung weniger gebrauchen, als eine Märtyrerin, die dem Widerstand ideologisch nutzt.

Bora erhält den Befehl, die Ermittlungen in dem Mordfall aufzunehmen - eine Aufgabe, für die er nicht ausgebildet wurde, für die er aber hervorragend geeignet ist, wie sich bald herausstellt. Im Zuge seiner Nachforschungen trifft der Offizier mit den preußischen Tugenden auf den amerikanischen Pater Malecki. Er sollte im Auftrag des Vatikans herausfinden, was es mit den Weissagungen Kazimierzas auf sich hat. Nach anfänglichen Reibereien zwischen den beiden kristallisiert sich allerdings eine geistige Verwandtschaft heraus, der sie sich nicht mehr entziehen können: Gerechtigkeitssinn, der auf Idealismus basiert. Auch verbindet sie der katholische Glaube. Als sein Idealismus während der Ermittlungen erste und tiefe Kratzer abbekommt, lässt sich Bora von Malecki die Beichte abnehmen.

Fragen nach Gewissen

Ben Pastor beschränkt sich allerdings nicht auf einen Mikroblick, der ausschließlich den Mord an der Oberin verfolgt. Es ist Krieg, die Deutschen haben Polen überfallen und machen mit den Sowjets bei der Teilung des Landes vorerst gemeinsame Sache. Bora wird mit der Massenhinrichtung polnischer Offiziere durch sowjetische Einheiten konfrontiert. Er wird unfreiwillig Zeuge, wie SS-Truppen in einem entlegenen Waldstück polnische Juden erschießen. Er beobachtet, wie rücksichtslos und menschenverachtend Bauern von deutschen Soldaten behandelt werden.

Obwohl Bora in der Verfolgung der deutschen Kriegsziele seine Befehle mit kalter Präzision unnachgiebig ausführt, hat er auch eine andere Seite. Strenge Erziehung, klassische Ausbildung und katholischer Glaube machen aus ihm einen Menschen, der nach humanen Grundsätzen entscheidet und aus extremen Situationen ebensolche Lehren zieht. Er klagt nicht an, er versucht zu verstehen. Da dieser Weg zwangsläufig von Zweifeln bestimmt wird, bekommt Bora schnell Probleme mit seinen Vorgesetzten und dem politischen System der Nationalsozialisten. Die Frage, die Ben Pastor stellt, lautet: Wie kann der einzelne den Widerspruch in sich vereinen, als Werkzeug eines verbrecherischen Staates moralisch aufrecht zu bleiben?

"Der Tod der Äbtissin" ist ein Roman, der sich aufgrund seiner Thematik herkömmlicher Krimi-Kritik entzieht. Die Autorin, selbst italienisch-jüdischer Abstammung, meistert mit knapper und flüssiger Prosa eine Gratwanderung zwischen Erkennen und Reflektion, sie zeigt ihren Protagonisten als gut geöltes Rädchen im System und als Sandkörnchen im Getriebe. Dieser Krimi ist gleichzeitig Mysterythriller, klassisches Whodunit und ein Anti-Kriegsroman. Ein psychologisches Puzzle, in dem Fragen nach Glauben, Gewissen und Verantwortung aufgeworfen werden, die sich für den Hauptakteur zu einem existenziellen Dilemma entwickeln. Und die beim Leser für einen langen und intensiven Nachhall sorgen.

Aus editorischer Sicht verwirrt die Tatsache, dass "Der Tod der Äbtissin" der erste Roman Ben Pastors um den Wehrmachtsoffizier Bora ist, in Deutschland jedoch ein Jahr nach der Veröffentlichung des chronologisch letzten auf den Markt kam. So wurde den Lesern erst der vom Krieg körperlich und seelisch schwer gezeichnete Martin Bora des Jahres 1944 präsentiert und seine Entwicklung vorweggenommen. Vom Verlag war bis zum Redaktionsschluss hierzu keine Auskunft zu bekommen.

Der Tod der Äbtissin

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Letzte Kommentare:
21.10.2007 16:28:18
Ulrike

Ein spannendes Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Mal was ganz anderes, die Handlung in das besetzte Polen während des zweiten Weltkriegs zu verlegen.

22.11.2006 15:23:15
Jenni

Mein Fazit - ein gutes Buch, auf alle Fälle lesenswert. Man darf keine Hochspannung erwarten, aber gute Krimi-Kost. Wenn man sich dazu noch etwas für die Zeit im 2. WK interessiert, umso besser :-)

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