Das Hiroshima-Tor

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Helsinki: WSOY, 2004, Titel: 'Hiroshiman portti', Originalsprache
  • München: dtv, 2006, Seiten: 438, Übersetzt: Stefan Moster
  • München: dtv, 2008, Seiten: 438

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Jörg Kijanski
Eher ein Drehbuch denn ein Roman

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2006

Paris: Einer jungen Frau wird die Handtasche von einem Vespafahrer entwendet, doch dieser bleibt wenige Meter später im dichten Verkehr stecken und schmeißt die Tasche kurzerhand in die Seine. Fast zeitgleich springen die Frau und ein Mann der Tasche hinterher. Wenig später taucht der Mann wieder auf und verschwindet, die Frau hingegen ist tot. Ihr wurde die Kehle durchschnitten.

In der Handtasche befand sich eine Diskette mit geheimen Unterlagen aus dem Archiv des KGB. So verwundert es nicht, dass nicht nur jener Mann, Dick Novak, ein Mitarbeiter der auf militärische Dienstleistungen spezialisierten Firma MilCorp, die für die CIA arbeitet, sich für die Diskette interessiert, sondern auch der für den chinesischen Geheimdienst arbeitende Kim Jorgensen mit seinem Team. Doch die französische Kriminalpolizei konnte den ursprünglichen Inhalt der Handtasche sicherstellen und der DGSE, dem französischen Auslandsnachrichtendienst, zur Auswertung übergeben. Danach enthält die Diskette unter anderem für Finnland, wo die Präsidentschaftswahlen kurz bevorstehen, hochbrisantes Material, denn nach dem KGB-Archivmaterial zu urteilen, war die zur Wiederwahl antretende Präsidentin Kirsti Heino früher eine Handlangerin des KGB.

So wundert es Timo Nortamo, der für die Anti-Terroreinheit der EU, die TERA, arbeitet, nicht sehr, dass auf einem Foto, welches bei jenem Vorfall an der Seine zufällig aufgenommen wurde, der Schwager der finnischen Premierministerin zu sehen ist. Mächtige Kräfte in deren Umfeld wollen eine Wiederwahl Heinos um jeden Preis verhindern, nicht zuletzt, weil sie einem Beitritt Finnlands zur NATO ablehnend gegenübersteht. Nortamos ehemaliger Chef Pauli Rautio, ehemals Referent von Präsidentin Heino, heute Chef der finnischen Sicherheitspolizei, setzt Nortamo jedoch energisch unter Druck, nicht weiter gegen die Präsidentin zu ermitteln. Aber Nortamo, dessen Vater der Politik Heinos zum Opfer fiel, hat noch eine persönliche Rechnung offen. Zeitgleich beschäftigt Nortamo eine Serie von Anschlägen auf eine der Baustellen des neuen Kernkraftwerkes bzw. dessen Meiler "Olkiluoto 3".

Währenddessen erhalten sowohl die Amerikaner wie auch die Chinesen auf unterschiedliche Weise Informationen über den Inhalt der KGB-Diskette. Eines der Dokumente verweist auf den britischen Professor Vaucher-Langston, zu dessen Forschungsschwerpunkten die sog. "Dulcert-Karte" aus dem Jahr 1339 und die Karte des Piri Reis aus dem Jahr 1513 zählen. Als Novak Vaucher-Langston befragen möchte kommt er allerdings zu spät, denn das chinesische Team um Jorgenson war ihnen bereits einen Schritt voraus. Die einzig brauchbare Spur dessen Verhörs führt zu dem Astronom Bronislaw Zeromski in Krakau und einem Kongress, der im Jahr 1989 stattfand...

Die meisten Namen der mitwirkenden Figuren und Organisationen, die auf den ersten Seiten des oben ansatzweise skizzierten Plots vorkommen, habe ich nicht einmal genannt und all zu weit in der Handlung sind wir ebenfalls noch nicht. Sollte Ihnen dennoch schon jetzt der Kopf rauchen, dann ist "Das Hirsoshima-Tor" womöglich kein geeigneter Roman für Sie. Es wimmelt nur so von Akteuren und "geheimsten Geheimorganisationen" wie beispielsweise der sog. DARPA, welche für wissenschaftlich-technische Forschungsprojekte beim US-Verteidigungsministerium zuständig ist.

Der Plot teilt sich in zwei Aspekte auf. Jenen Teil, der sich auf das finnländische Machtgefüge beschränkt und jenen (Haupt)Teil, in welchem amerikanische und chinesische Top-Agenten einem sensationellen Geheimnis hinterher jagen, wobei ihnen gelegentlich ein Mitarbeiter der TERA zuvor kommt. Timo Nartamo eckt anlässlich seiner persönlichen Rachegelüste schnell bei einigen Vorgesetzten an und verliert kurzerhand seinen Job. Nun will er natürlich erst recht wissen, was es mit der geheimnisvollen Diskette auf sich hat und hier baut der finnische Autor Ilkka Remes eine "ungeheure" Story auf, die sich mit der eines Dan Brown messen kann. Allerdings erscheint es dem Laien, dass Remes intensiver und sorgfältiger als sein vorgenannter Kollege recherchiert hat.

Die schon angesprochene Karte des Piri Reis, wie gesagt aus dem Jahr 1513 stammend, zeigt unter anderem äußerst detailliert gezeichnet das Südpolgebiet, obwohl diese Region erst 300 Jahre später entdeckt wurde. Zudem kommt hinzu, dass die Küstenlinie im 16. Jahrhundert von einer anderthalb Kilometer dicken Eisschicht überzogen war.

Prähistorische Fossile und SETI-Programm: Erich von Däniken lässt grüßen

Konnte Piri Reis auf unbekannte, ältere Kartenwerke zurückgreifen oder gar auf Luftaufnahmen? Luftaufnahmen im 16. Jahrhundert? Die älteren Leser werden, da auch ein Verweis auf die Sternkunde der Maya und deren für die damalige Zeit sensationelles Wissen nicht ausbleibt, womöglich aufschreien und auf außerirdische Besucher verweisen, so wie einst ab Ende der 1960er Jahre der erfolgreiche Schweizer Schriftsteller und Bestsellerautor Erich von Däniken. So passt es gut, dass im weiteren Verlauf des Plots das CERN-Institut sowie das SETI-Programm (Suche nach intelligentem Wesen im All) vorkommen und zu allem Überfluss der Bogen zu jenem Kongress aus dem Jahre 1989 geschlagen wird, in dem es um die Latimeria, zu deutsch den Quastenflosser, ging. Doch dieser dürfte wohl nicht die Ursache für das Interesse der Supermächte sein. Hier hilft dann schon eher der Buchtitel weiter...

Klischeehafter Aufbau, aber dennoch überdurchschnittlich gute Unterhaltung

Wie zahlreiche Kollegen schreibt der Finne eher ein Drehbuch denn einen Roman und wo andere schon mal ein wenig die Landschaft beschreiben setzt Remes nahezu ausschließlich auf Tempo. Immerhin haben wir hier einen (Geheimdienst-)Thriller vorliegen und wenn gleich drei Parteien dem wichtigsten Geheimnis der Menschheit (zumindest aus militärischer Sichtweise) nachjagen, ist halt Action angesagt und die genreüblichen Klischees einschließlich eines Shoot-Out-Finales wollen ebenfalls bedient werden.

Immerhin wartet der Autor noch mit einem gewissen Privatleben des Protagonisten Nortamo auf, denn neben dem Jobverlust droht zusätzlich eine ernsthafte Ehekrise und so bleibt dem Leser ein vorletztes, leider schon viel zu oft gelesenes Klischee beim Finale nicht erspart. Sie ahnen es, seine Frau gerät in die Hände... und das letzte Klischee erraten sie ebenfalls von selber!

Schnörkellos und mit den genretypischen Abläufen handwerklich bestens umgesetzt ist "Das Hiroshima-Tor" eine lesenswerte Story, in der der Leser lange daran zu rätseln hat, wie die scheinbar nicht zusammen passenden Themen am Ende (zumindest weitestgehend) schlüssig zusammen gefügt werden. Trotz der eingangs erwähnten Verschachtelungen, der vielen Namen und Handlungsstränge, die einen quer durch Europa führen, kommt man nach und nach immer besser in die Story. Nicht nur für Fans des bereits angesprochenen Dan Brown eine lohnenswerte Alternative. Da mitunter etwas sehr auf technische und naturwissenschaftliche Aspekte bezogen, vom geheimdienstlichen Firlefanz und seinen Begleiterscheinungen mal abgesehen, dürfte das Buch vor allem männliche Leser ansprechen.

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Letzte Kommentare:
15.06.2008 16:07:27
Bio-Fan

Manchmal braucht man ja einen Anstoß von außen, um sich auf einen neuen Autor einzulassen. Meine Lesegewohnheiten sind durch eine völlig unbegründete Zurückhaltung gegenüber skandinavischen Autoren geprägt. So wäre ich wohl nie alleine auf Ilkka Remes gekommen und das wäre schade gewesen.
"Das Hiroshima-Tor" hat mich von der ersten Zeile an fasziniert. Teils Agententhriller, teils Wissenschaftliche Ausrichtung mit bemerkenswerten philosophischen Ansätzen. Das hört sich vielleicht ein bißchen "dröge" an, aber das Gegenteil ist der Fall. Sehr lebhafte und authentische Protagonisten tummeln und jagen sich quer durch Europa.
Die vielen rivalisierenden Gruppen machen anfangs den Überblick etwas schwierig, doch, wie auch bei den vielen Steinchen der zulösenden Puzzleaufgabe führt uns Remes zu einem konsequent durchdachten Finale.
Der Spannungslevel ist immer hoch, denn Remes hat immer sehr überraschende Wendungen und Entwicklungen parat.
Eine Empfehlung meinerseits für alle, die mal Abwechslung zum üblichen Ermittleralltag suchen.

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