Ein dunkles Gefühl

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Innsbruck: Haymon, 2005, Seiten: 250, Originalsprache
  • München: Diana, 2008, Seiten: 255, Originalsprache

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Wolfgang Reuter
Ausgezeichnete literarische Fähigkeit zur Umsetzung der Sachkenntnis

Buch-Rezension von Wolfgang Reuter Jun 2006

"Das neue Buch der Glauser-Preisträgerin!" — so tönt es auf dem Umschlag. Als hätte dieses Buch bereits den nächsten Preis in Aussicht. Ein Glauser-Abonnement sozusagen. Ich persönlich kann mit solchen Ordensverleihungen wenig anfangen. Zu viele gute Bücher (wie auch Schauspieler, Musiker, etc.) kommen niemals auch nur in die Nähe dieser Ehrenzeichen der Marktwirtschaft. Doch ich möchte niemanden langweilen, und daher endlich zur Sache:

Friederike Weber ist Kriminaloberkommissarin für Mordsachen. Da kennt sie sich aus: Mord, das hat Hand und Fuß, da gibt es Täter und Opfer. Ein Student wird tot in seinem Zimmer aufgefunden. Ein romantischer Träumer, der in den Texten von E.T.A. Hoffmann seine ideale, einzig wahre Liebe sucht. Doch mitten in die Ermittlungen zu diesem Mordfall wird Frau Weber in die Abteilung für Sexualdelikte versetzt.

Dort muss die erfahrene Beamtin erkennen, dass ihre bisherige Einteilung der Welt in Gut und Böse nicht mehr hält. Die Wahrheiten von Tätern und Opfern sind extrem subjektiv, oft jenseits der Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion. Psychische Abnormitäten und Persönlichkeitsstörungen sind an der Tagesordnung. Doch Friederike ist selbstbewusst genug zu glauben, auch ohne entsprechende Ausbildung, ihrem Instinkt vertrauend, die Fälle lösen zu können.

Ein dreizehnjähriges Mädchen zeigt ihren Stiefvater wegen Vergewaltigung an. Ihre Schilderungen und ihr Auftreten ist glaubhaft, aber ihr Stiefvater ebenso. Manche Ungereimtheiten treten auf, die Beweisführung ist enorm schwierig, die beigestellte Psychologin und die Anwältin des Mädchens machen Druck auf die Ermittler, schließlich nähert sich der Prozess. Die Ermittlungen sind mehr von "dunklen Gefühlen" geleitet als von Anhaltspunkten. Und immer noch ist nicht sicher, ob es sich um einen pubertären Racheakt des Mädchens oder tatsächlich um einen Missbrauch gehandelt hat. Schließlich kommt es zur entscheidenden Katastrophe...

Gabriele Wolff, ein Pseudonym für Gabriele Gordon, ist hauptberuflich Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte und Jugendstrafsachen. Anlass für dieses Buch dürfte ein tatsächlich geschehener Justizirrtum in einem Missbrauchsfall gewesen sein. Sie kennt sich also mit dieser Materie bestens aus. Und nicht nur das, sie ist literarisch auch derart versiert, um aus dieser Kenntnis locker und unaufdringlich die thematische Substanz dieses Romans herzustellen. Mit großer Glaubwürdigkeit, einfühlsam, intelligent und einfach sympathisch.

Gabriele Wolff erzählt und erzählt und das manchmal ein bisschen im Stile von Rosamunde Pilcher, wenn sie das Liebesleben der Oberkommissarin ausführlich schildert, da kommt die Gänsehaut leider nicht immer von der Spannung. Die Sache mit E.T.A. Hoffmann, die Suche des Studenten nach dem Absoluten und Vollkommenen, empfinde ich parallel zu der Suche nach der Wahrheit in den Ermittlungen etwas vordergründig. Die Figur der Friederike Weber ist nicht uninteressant, eine 45-jährige, selbstbewusste und eigenwillige Frau, die sich den Herausforderungen stellt und ihrem Instinkt vertraut.

Wirkliche Spannung sucht man hier vergebens, die Abschweifungen ins Liebesleben der Hauptfigur muss man akzeptieren, sie sind wenigstens sehr natürlich und auch nicht humorlos geschrieben.

Die Stärken dieses Krimis liegen zweifellos in der Sachkenntnis der Autorin und ihrer ausgezeichneten Fähigkeit zur literarischen Umsetzung derselben. Insgesamt eine Leseempfehlung für Freunde des ruhigeren Genres. Thematisch und auch stilistisch vielleicht einzuordnen in die sogenannte Frauenliteratur.

Ein dunkles Gefühl

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Letzte Kommentare:
11.03.2009 14:20:11
Cabriofahrerin

Kein Krimi zum Fürchten

Der Krimi von G. Wolff ist ein ruhiger, leiser Roman.
Er erzeugt seine Spannung nicht durch eklige Beschreibungen blutrünstigen Abschlachtens, grausamer Folterungen, widerlicher Vergewaltigungen der Akteure. Auch lebt er nicht in der z. Zt aktuellen Vampir- und Werwolfmanie.
Das hat mir sehr gut gefallen.
Der Sprachstil der Autorin ist gekennzeichnet durch sehr detaillierte, mit Adjektiven angereicherte Beschreibungen der handelnden Personen, der Tatorte, der Arbeitssplätze - hier die Kommissariate - oder der Umgebung. Dieser Stil wird nie durchbrochen, selbst in den Beschreibungen der kriminellen Handlungen und der daraus resultierenden Konsequenzen.
Das Buch ist in tägliche Zeitraster eingeteilt, d. h. es beginnt am "Sonntag, 1. Mai" und endet am "Freitag, 13. Mai". Dies ist eine sehr schnelle Sachbearbeitung. Aber für den Leser fließt die Zeit langsamer dahin.
Friederike Weber, Kriminaloberkommissarin, untersucht zunächst die Ursachen, die zum Tod eines jungen Mannes, Markus Vierling, geführt haben. Man findet ihn leblos in seinem Zummer. Er hatte zuletzt Kontakt mit Mira, die von ihm Nachhilfestunden erhielt. Seine letzte Begegnung soll er allerdings mit der geheimnisumwitterten und nicht auffindbaren Jessica gehabt haben ...
Friederike Weber wird aber dann von diesem Fall abgezogen und ins Kommissariat für Sexualdelikte versetzt.
Ihr neuer Fall: die dreizehnjährige Jenny, die ihren Stiefvater angezeigt hat. Er soll sie vergewaltigt haben ...
Diese beiden Handlungsstränge verlaufen zunächst parallel, berühren sich dann aber während der Beerdigung des Markus Vierling. Auf dem Friedhof glaubt Friederike, Jessica gesehen zu haben ...
Der eigentliche Showdown, die Aufklärung beider Fälle, vollzieht sich auf den letzen ca. 30 Seiten. Beide Fälle gehören zwangsläufig zusammen. Die Auflösung wirkt nicht schriftstellerisch konstruiert.