Ein Bolero für den Kommissar

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Granada: Zoela, 2003, Titel: 'Que en vez de infierno encuentres gloria', Originalsprache
  • Innsbruck: Haymon, 2006, Seiten: 166, Übersetzt: Studierenden der Universität Innsbruck
  • Innsbruck: Haymon, 2011, Seiten: 166

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Lars Schafft
Leichtigkeit und Bedrückung

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2006

Mit dem Charme des Buena Vista Social Clubs oder dem Bacardi-Feeling hat der Roman des Kubaners Lorenzo Lunar Cardedo soviel zu tun wie Fidel Castro mit Coca Cola. Und auch unterscheidet er sich von denen seines Landsmannes und Krimi-Kollegen Leonardo Padura - Paduras Mario Conde ermittelt in der Hauptstadt Havanna, Cardedos Leo Martín im Provinznest Santa Clara. Und dort, in seinem Viertel, dem "verrückten Viertel", das er nie verlassen und in dem er es zum Polizisten gebracht hat, gibt es für Martín einiges zu tun.

Denn er hat einen Mord aufzuklären. Brutal. Und absolut undurchsichtig. Den alten Cundo, einen Säufer zwar, aber doch eine Art Ziehvater für Martín, hat jemand dahingerafft. Es gibt dankenswertere Aufgaben, als diesen Fall aufzuklären: In diesem Mikrokosmos der kubanischen Realität der 90er kennt jeder jeden. Die Säufer die Huren, die Bettler die Dealer, die Kleinkriminellen die Abhängigen. Und Leo Martín kennt sie alle. Doch macht das die Sache nicht wirklich einfacher. Ob man in Santa Clara jemanden kennt oder ihm vertraut, ist ein himmelweiter Unterschied. Insbesondere, wenn jeder irgendwo Dreck am Stecken hat - und sei es nur, weil er unerlaubterweise ein Pferd geschlachtet hat - und dementsprechend alles andere als kooperativ ist.

Und der Fall führt den noch recht jungen Kommissar in seine eigene Vergangenheit. Seine Jugendfreunde wissen mehr über den Tod des alten Cundo, als sie ihm beichten mögen. Dass einer von ihnen sich schnellstens aus dem Staub und damit äußerst verdächtig macht, lässt Martín das ein oder andere graue Haar wachsen. Wieviel muss er tun, um den Fall zu lösen? Wieviel darf er tun, um in diesem verrückten, seinem Viertel nicht als Aussätziger betrachtet zu werden? Was kann er tun, um seine Freunde nicht zu tief mit hinein zu ziehen?

Cardedos erster auf deutsch erschienener Roman ist kein Feuerwerk an kriminalistischer Spannung. Aber darum geht es auch gar nicht. Vielmehr um die vielen kleinen Schicksale in einem maroden Staat, wo es sich meist um nichts anderes dreht als um das tägliche Überleben. Große, politische Situationen an den kleinen festzumachen, das Herunterbrechen des allgegenwärtig scheinenden Schlechten auf den manchmal so simplen Alltag - das ist die besondere Leistung Cardedos. Und dabei gelingen dem Kubaner äußerst liebenswürdige Figurenzeichnungen.

Cardedo erzählt von ersten gemeinsamen sexuellen Erlebnissen mit einer Prostituierten, vom Kriegswirrwarr in Angola, von Beerdigungsquoten, davon, dass sich praktisch jeder dort heilig sprechen lassen kann, von Besäufnissen und einer Auswegslosigkeit, die in Santa Clara Worte wie Freundschaft trotzdem nicht in Vergessenheit geraten lässt. Bei der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit des Autors und den mit feinsinnigem Humor gespickten Anekdoten (die Kapitel sind auch noch nach Romanen Hammetts und Chandlers benannt), verliert Cardedo den tieftraurigen Sinn des Boleros für den Kommissar dennoch nie aus den Augen.

Und das macht diesen Roman zu einer kleinen Entdeckung. Autoren wie Padura und Cardedo berichten mehr über das Leben unter Fidel Castro, als jede Reportage es derzeit tun könnte. Leichtigkeit und Bedrückung schließen sich nicht zwangsläufig aus. Sie ergeben sogar einen vorzüglichen Kriminalroman - mit Betonung allerdings auf den letzten beiden Silben.

Ein Bolero für den Kommissar

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