Eisfieber

  • Lübbe Audio
  • Erschienen: Januar 2005
  • 38
  • London: Macmillan, 2004, Titel: 'Whiteout', Seiten: 393, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2005, Seiten: 6, Übersetzt: Franziska Pigulla
  • Augsburg: Weltbild, 2006, Seiten: 477
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2007, Seiten: 461
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Peter Kümmel
70°1001

Krimi-Couch Rezension vonApr 2006

Terrorismus mit Biowaffen oder Familiendrama?

In der Nacht zu Heiligabend herrscht höschste Alarmstufe bei Oxenford Medical, einer schottischen Firma, die Impfstoffe entwickelt. Antonia "Toni" Gallo ist seit kurzem Sicherheitschefin und hat als solche den Ehrgeiz, alles menschenmögliche zu tun, um Gefahren fernzuhalten. Keiner nimmt also die Sache ernster als sie selber, als zwei Proben aus einer neuen Experimentierreihe fehlen, die höchster Geheimhaltung unterliegen. Natürlich kann es dafür eine harmlose Erklärung geben. Vielleicht hat einfach jemand vergessen, die Entnahme zu protokollieren. Doch solche Ausreden lässt Toni nicht zu. Alle Mitarbeiter, die Zugang zum Hochsicherheitslabor haben, werden, wenn es sein muß, mitten in der Nacht in ihrem Urlaub kontaktiert. Schließlich bleibt nur noch ein Techniker übrig. Er wird in seinem Haus aufgefunden, aus Nase und Ohren blutend. Kurze Zeit später stirbt er. Man stellt fest, dass er ein Versuchstier aus dem Labor mitgenommen hat und sich an ihm mit einer tödlichen Krankheit infizierte.

Diese Episode ist jedoch nur die Vorgeschichte zu einem Ereignis, dass zu einer der größten Katastrophen des Landes führen kann. Denn skrupellose Verbrecher planen einen Coup, für dessen Ausführung sie sich der Hilfe von Kit Oxenford, dem Sohn des Firmeninhabers, bedienen. Dieser wurde nach einem von Toni Gallo entdeckten Betrug aus der Firma entlassen, hat hohe Spielschulden und ist auf seinen alten Herrn nicht mehr gut zu sprechen. Um so erstaunter ist der Vater, dass Kit gemeinsam mit der ganzen Familie das Weihnachtsfell im Landhaus in Steepfell verbringen will, nichts davon ahnend, dass dies Kit nur als Alibi dienen soll.

Doch von Anfang an klappt nichts so, wie es soll. Aber nicht nur bei der vierköpfigen Verbrecherbande geht Schritt für Schritt alles schief, auch auf Seiten des Gesetzes gibt es Überraschungen zuhauf. Hauptschuldiger daran ist ein Schneesturm, der über Schottland tobt und die Straßen an Weihnachten zunehmend unpassierbar macht. Dies führt schließlich dazu, dass es die Verbrecher schließlich auch nach Steepfell verschlägt, wo es in den Morgenstunden des 1. Weihnachtsfeiertages zum großen Showdown kommt.

In gewohnt rasantem Tempo lässt Ken Follett seinen Lesern wieder mal keine Atempause. Die Handlung von nicht viel mehr als zwei Tagen - und vor allem Nächten - wird auf den 460 Seiten im Stundentakt aus wechselnden Perspektiven und mit zahlreichen Ortswechseln erzählt.

Trotz allem kein Follett von gewohnter Art und gewohnter Qualität. Dazu bleibt der britische Thrillerautor hier viel zu oberflächlich. Angekündigt ist Ken Folletts "Eisfieber" als Wissenschaftsthriller, doch zwischen die Thrillerhandlung versucht Follett noch ein Familiendrama einzubetten, bedient sich dazu jedoch viel zu eindimensionalen Charakteren. Einem alternden begehrten Witwer, dessen Ferrari origellerweise blau ist. Dem egoistischen Sohn, der beleidigt ist, als Papa kein Geld mehr rausrücken will. Den beiden Töchtern, die Angst um ihr Erbe haben, als Toni dem verwitweten Vater Avancen macht. Brutale Verbrecher, die den Grips nur in den Muskeln stecken haben, ihre Gefangenen aber nicht töten, da sonst das Buch zu Ende wäre. Ein in seiner Ehre verletzter Ex-Freund, der es der Verflossenen gerne heimzahlen möchte, ein typischer Reporter, und, und, und...

Nach den ersten Pannen ist dem Leser schnell klar, wie es weiter geht und die Handlung ist viel zu vorhersehbar. Neben zwei kriselnden Ehen hat der Autor auch noch gleich zwei Liebesgeschichten eingebaut, die mit dafür sorgen, dass der Schluß doch allzu weichgespült ist.

Verblüffend: der Mangel an Mobiltelefonen. Entweder verlegt oder mit leerem Akku. 17- und 15-jährige Jugendliche im Jahr 2004, die kein Handy besitzen, obwohl die Eltern vermögend sind. Nicht sehr glaubhaft, aber zwingend notwendig, damit die Spannung aufrecht erhalten werden kann.

Doch selbst ein schwacher Follett ist besser als so mancher Thriller. Spannend ist der Roman allemal und vermag mit Sicherheit gut zu unterhalten, vor allem, wenn man die Muße findet, ihn in Echtzeit zu lesen. Wiederholungen in seinen Themen kann man Follett schon gar nicht vorwerfen. Doch alle weiteren Gedanken an die Handlung sind vergeudet und überflüssig, auch wenn das aktuell brisante Thema Terrorismus mit Biowaffen Stoff für mehr bieten könnte.

Eisfieber

Ken Follett, Lübbe Audio

Eisfieber

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