Die Petrusakte

  • Ullstein
  • Erschienen: Januar 1998
  • Berlin: Ullstein, 1998, Seiten: 304, Originalsprache
  • München: Ullstein, 2000, Seiten: 304, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2005, Seiten: 304, Originalsprache
Die Petrusakte
Die Petrusakte
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Wolfgang Weninger
60°

Krimi-Couch Rezension vonApr 2006

Die Idee hätte eine deutlich bessere Umsetzung verdient

Ariccia ist eine unwichtige Kleinstadt in den Albaner Bergen, mit einem verfallenen Schloss, in dem es noch einen Schlossherrn, namens Alessandro Chigi gibt. Der charismatische Mann bekommt Besuch von der deutschen Übersetzerin Marion Meiering, die sich kurzerhand in dem halb verfallenen Gemäuer einnistet. Sie geht hier nicht nur ihrem Beruf nach und versucht ihre Sprachkünste an einem alten Schmöker, sondern sie teilt über kurz oder lang auch die Laken mit dem liebestollen Edelmann.

Bei der Lektüre des Buches stößt sie auf einige Ungereimtheiten. Unter anderem erkennt sie, dass jemand schon vor ihrer Zeit ihr Leben exakt beschrieben hat und was noch viel Schlimmer ist: sie liest ihr eigenes Todesurteil und der Tag ist nicht mehr fern ...

Gleichzeitig kommt in die entlegene Siedlung in den Bergen ein neuer Gottesmann. Prälat Vincenzo Peo, ein ebenso kluger wie wagemutiger und weltoffener Mann, wird ausgerechnet in dieses Nest berufen, wo seine sozialen Vorstellungen von Jugendarbeit und Gemeinschaftswesen kaum zu verwirklichen sein werden. Natürlich bleibt es nicht aus, dass der Kirchendiener auch mit Marion Meiering in Kontakt kommt. Die junge Frau und der junge Priester kommen sich näher, als der Kirche lieb ist und Peo muss ernsthaft daran denken, seine klerikale Laufbahn zu beenden.

Vorher hat er Marion Meiering allerdings noch bei ihren Recherchen zu helfen, denn wenn die Angaben im zu übersetzenden Buch korrekt sind, dann muss unter der Kirche San Nicola eine zugemauerte Kapelle sein, in der sich die Grabstätte des Simon befindet. Jenes Simon, der als "der Zauberer" in die Kirchengeschichte eingegangen ist. Und die Aufzeichnungen, die als "Akten des Petrus" dann ihren Wahrheitsgehalt bewiesen hätten, könnten das geschriebene Kirchenwort revolutionieren ...

Im Vorjahr wurde bei Lübbe ein schon 1998 im Ullstein Verlag erschienenes Buch wieder aufgelegt, dass die Marketingstrategen ohne Rücksicht auf Verluste als "Vatikan-Thriller" abgestempelt haben. Kein Wunder, denn der Autor Andreas Englisch, dem wir "Die Petrusakte" zu verdanken haben, gehört zu den renommiertesten Vatikanjournalisten der Welt und ist einer der sechs Reporter, die Papst Johannes Paul II auf seinen Reisen begleitet haben. Er ist auch der Verfasser des Buches "Das Geheimnis des Karol Wojtyla" (2003) und als solcher ein wirklicher Vatikankenner.

Allerdings hat "Die Petrusakte" nur im weitesten Sinne mit dem Vatikan zu tun, wenn eine Auslegung der Petrusakte, die tatsächlich um das Jahr 150 nach Christi Geburt entstanden ist, wie in diesem Thriller beschrieben wird, in jedem Fall ein Umdenken im gesamten katholischen Bereich zur Folge gehabt hätte. Im Endeffekt hat Andreas Englisch jedoch nur einen Kirchenkrimi geschrieben und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Terminologie "Vatikan-Thriller" und der Hype um Dan Brown & Co. längst nicht aktuell war.

"Die Petrusakte" kann man getrost als spannende Lektüre bezeichnen, jedoch unterliegt der Spannungsbogen auf den 300 Seiten ziemlich deutlichen Schwankungen. Dafür sorgen zum Einen die relativ zahlreich eingestreuten kirchenspezifischen Erläuterungen, die zwar für den Handlungsverlauf wichtig sind, aber im Endeffekt Langeweile aufkommen lassen. Zum Anderen ist der Plot so extrem konstruiert, dass die Handlungen der Charaktere mehr als unwahrscheinlich abfolgen. Dazu kommt noch ein "Dornenvögel-Effekt", der für ein wenig Aufregung im Dorf sorgt, aber des Lesers Blut kaum in Wallung bringt. Und somit bleibt "Die Petrusakte" nur ein mittelmäßig spannend inszeniertes Buch, an dem sich nur wirkliche Freunde des Genres ergötzen können. Die Idee, aus diesem geschichtlichen Werk und der "Legenda Aurea" von Jacobus de Voragine aus dem 13. Jahrhundert einen Reißer von Format zu machen, hätte sich deutlich eine bessere Umsetzung verdient.

Die Petrusakte

, Ullstein

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