Endstation Färöer

Erschienen: Januar 1995

Bibliographische Angaben

  • Tórshavn: Mentunargrunnur Studentafelagsins, 1990, Titel: 'Blið er summarnátt á Føroyalandi ', Seiten: 263, Originalsprache
  • Münster: Pettersson, 1995, Titel: 'Mild ist die färöische Sommernacht ', Seiten: 237, Übersetzt: Christel Hildebrandt
  • Dortmund: Grafit, 2006, Titel: 'Endstation Färöer', Seiten: 252, Übersetzt: Christel Hildebrandt

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Thomas Kürten
Der letzte Winkel Skandinaviens

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mär 2006

Zuerst kamen die Schweden, dann die Norweger, Finnen und auch einige Dänen. Im Kielwasser eines Henning Mankell ließ sich in den letzten Jahren sehr gut mitschwimmen. Teilweise musste man auf dem deutschen Buchmarkt den Eindruck gewinnen, dass auch jeder viertklassige skandinavische Autor in Deutschland einen Verleger findet, solange sich sein Name nur schön nordisch anhört. Zuletzt wurden die Isländer entdeckt, womit nun die gesamte Palette skandinavischer Staaten abgedeckt schien - Die ganze Palette? Nein! Denn ein kleines Inselreich, das zwar zu Dänemark gehört, aber eigentlich nichts mit Dänen am Hut haben will, pocht auch noch auf das Recht, wahrgenommen zu werden.

Die Färöer Inseln sind besonders den österreichischen Fußballfans bekannt. Hat die Inselnationalmannschaft eigentlich jemals gegen irgendeinen anderen Gegner ein Spiel gewonnen? Aber keine Bange, liebe Freunde des runden Leders, in "Endstation Färöer" geht es keineswegs um die Qualitäten der lokalen Fußballmannschaft. Es ist vielmehr ein Kriminalroman um verborgene Machenschaften deutscher Nazis in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Tod wartet auf den Inseln

Journalist Hannis kehrt nach längerem Auslandsaufenthalt zurück in seine färöische Heimat. Im gleichen Flieger sitzt sein alter Bekannter Hugo, der ihm abends im Thorshavner Bierclub vom angeblichen Unfalltod ihrer gemeinsamen Freundin Sonja berichtet. Hugo glaubt jedoch nicht an einen Unfall - bevor er Hannis weiteres anvertrauen kann, stirbt er selber auf mysteriöse. Argwohn und journalistische Neugierde sind bei Hannis geweckt. Sonja hatte zuletzt für die Zeitung in Thorshavn eine Serie über den Zweiten Weltkrieg geschrieben, war außerdem wiederholt an Bord eines unter der Flagge von Paraguay segelnden Schoners gegangen. Die Mannschaft des Schoners verhält sich ausgesprochen ablehnend gegenüber jedem, der sich in Dunstkreis des Anlegeplatzes begibt. Was hatte Sonja mit den blonden und blauäugigen Südamerikanern zu schaffen?

Raue Atmosphäre

Die Einsicht, dass der Roman nicht mehr ganz taufrisch ist, begegnet dem Leser unterwegs gleich mehrfach. Besonders an den Stellen, wo Hannis Nachforschungen am Computer tätigt, fällt die antiquierte Bedienung auf. Und tatsächlich datiert der Roman aus dem Jahr 1990. Es gab sogar mal eine deutsche Übersetzung, erschienen 1995 in einem kleinen Verlag unter dem Titel "Mild ist die färöische Sommernacht". Kein Wunder, dass das nicht wirklich durchschlagend erfolgreich war...

Dies tut jedoch der insgesamt spannenden Handlung keinen Abbruch. Die schroffen und zerklüfteten Klippen der Inseln im Nordmeer bilden eine ausgezeichnete Kulisse für ein Abenteuer. Das erlebt Hannis schließlich auch bei seinen Nachforschungen in den Grotten der Nordküste. Autor Jogvan Isaksen peitscht seinen Lesern Wind und Regen um die Nase, dass es einfach nur eine Freude ist.

Es gibt jedoch auch Passagen, an denen der Autor seine Erzählfreude gegen einen schlichten Aufsatzstil eingetauscht hat. Die seitenlangen Erklärungen zu den Naziverbrechen im Zweiten Weltkrieg sind betont nüchtern gehalten und eignen sich in diesem Roman auch gewiss nicht, um Unterhaltung oder gar Stimmung beim Leser zu bewirken. Warum ist das nötig? Ist den Färingern das Schreckensregime des Dritten Reiches nicht ausreichend bekannt gewesen, dass der Autor sich zu einer Nachhilfestunde in seinem Roman veranlasst sah? Gerade in der geneigten deutschen Leserschaft dürfte ob dieser Passagen Befremden geweckt werden.

Obwohl es sich so langsam "ausgeMankellt" haben dürfte, ist "Endstation Färöer" eine Bereicherung auf dem deutschen Buchmarkt und eine positive Ergänzung der skandinavischen Krimilandschaft. Die Story ist über weite Strecken spannend und unterhaltsam geschrieben, wobei es der Autor blendend versteht, die Natur der Färöer Inseln als Kulisse einzusetzen. Wer von den doch etwas langatmigen Aufsätzen über das Dritte Reich absieht, wird zudem mit einem dramatischen, beinahe filmreifen Finale belohnt. 1:0 für Färöer...

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