Tanner

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Pendo, 2003, Seiten: 386, Originalsprache
  • Piper: München, 2005, Seiten: 386, Originalsprache, Bemerkung: Ungekürzte Taschenbuchausgabe

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Thomas Kürten
Ekstatisches Puppenspiel

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mär 2006

Der Schweizer Dramatiker und Theaterwissenschaftler Urs Schaub hat sich seit 1979 einen Ruf als freier Theaterregisseur erarbeiten können. Zahlreiche Inszenierungen an deutschsprachigen Bühnen sprechen dafür. Mit "Tanner" hat der Wahlberliner 2003 einen Debütroman vorgelegt, der überzeugen kann. Seine Liebe zur Bühne und seine Erfahrung in der Dramaturgie tragen zu dem Erfolg des Romans zweifelsohne bei.

Bei "Tanner" denkt manch einer vielleicht noch an den Assistenten von Tatort-Schimanski, seinerzeit immer wieder herrlich verkörpert von Eberhard Feik. Mit diesem hat Schaubs Tanner allerdings herzlich wenig zu tun. Sein Held ist ein nach einem mehrjährigen Auslandseinsatz in Marokko suspendierter Schweizer Kommissar, der aufgewühlt von bestialischen Verbrechen Zuflucht in einem Dorf in den Schweizer Alpen sucht. Dieses im Roman oft als "Dorf, das keine Kirche hat" bezeichnete Fleckchen Erde hat er sich aber nicht ganz zufällig ausgesucht, denn hier fanden in jüngerer Vergangenheit ebenso abscheuliche Verbrechen statt.

Die Skepsis im Dorf

In Marokko war die Tochter einer Bekannten eines von drei nach dem selben Muster ermordeten Mädchen worden. Zwei weitere Morde führen ihn heim in die Schweiz in das Dorf, das keine Kirche hat. Er bezieht Quartier auf einem Bauernhof und macht schnell Bekanntschaft mit der Familie Finidori. Während Tanner im gesamten Dorf nicht gerade euphorisch aufgenommen wird, ist die offene Ablehnung einiger Finidoris augenfällig. Der kleine Butler Honoré scheint jedoch in Tanner eine vertrauenswürdige Person auszumachen. Er scheint auch zu wissen, weshalb der Kommissar ins Dorf gekommen ist und arrangiert eines Nachts ein skurriles Marionettenspiel, nachdem er Tanner auf einen Drogentrip geschickt hat. Am nächsten Morgen ist Honoré tot und Tanner der Hauptverdächtige.

Zum Glück treten aber doch noch einige Personen auf, die dem Tanner wohlgesonnen sind. Allen voran sicherlich Elsie, alleinerziehende Mutter, die vor einigen Jahren bei einem Autounfall ihren Mann verloren hat und deren jüngste Tochter vor nicht allzu langer Zeit als Opfer des Kindermörders starb. Mit dieser liebevollen Person beginnt Tanner eine Romanze. Und da wäre Kommissar Michel, der zum Glück auf sein Bauchgefühl hört und Tanner Vertrauen schenkt. Ohne die Unterstützung dieser beiden und auch noch einiger anderer könnte Tanner bestimmt nicht diesen verzwickten Fall in seiner Gänze lösen.

Individuell erzählt

"Tanner" zu lesen ist nicht gerade einfach. Autor Schaub verzichtet im gesamten Roman auf direkte Rede. Nicht ein einziges mal findet der Leser einen Satz oder auch nur einen Ausruf in Anführungszeichen. Anspruchsvoll geschrieben, individuell erzählt und dennoch immer wieder eine Freude, wie der Autor einzelne Situationen oder Dialoge beschreibt. Insbesondere die Liebesszenen, mit denen Schaub den Roman gespickt hat, gehören zum Besten, was man in dieser Hinsicht in Kriminalromanen in den letzen Jahren finden konnte.

Simon Tanner kann zudem die gewissen Sympathiewerte erobern, die dem typischen Serienhelden entsprechen. Er ist Eigenbrötler und Individualist. Stets betont wird seine Vorliebe für Shakespeare, was ihm letztlich bei der Lösung nicht abträglich sein soll. Und er ist ein begnadeter, leidenschaftlicher Liebhaber - welcher Romankommissar kann solche Attribute schon auf sich vereinigen. Unterdessen wirkt der Fall jedoch mitunter gewaltig konstruiert. Hier ist der Dramaturg in Schaub ein wenig zu sehr mit ihm durchgegangen. Besonders das merkwürdige, oben angesprochene Puppenspiel erscheint unnötig und überflüssig: Warum teilt sich ein Honoré nicht direkt mit? Okay, damit hätte sich der Autor vielleicht 200 Seiten in seiner Erzählung sparen können... aber genau diese Frage beschäftigt uns ja in viel zu vielen Kriminalromanen. Die Art und Weise, wie Tanner letztendlich die Puzzlestücke zusammen fügt, ist dann schon wieder wesentlich überzeugender. Hierin bestätigt der Autor, dass er seine handwerklichen Fähigkeiten mit einer wohl durchdachten Handlung kombinieren kann. In der Bundesliga der deutschen Kriminalromane ragt "Tanner" dank individuellem Schreibstil und eines nonkonformen Kommissars momentan klar heraus.

Tanner

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Letzte Kommentare:
20.08.2016 11:06:47
ClausimUrlaub

Von der Sprache her hat mir der Roman gut gefallen, der Aufbau interessant und Spannung erzeugend. Viele interessante Figuren, kräftig und witzig überzeichnet. Etwas enttäuscht hat mich der Schluss: Der Held zieht mal wieder gegen alle Vernunft alleine los und wird dann glücklicherweise doch gerettet - das ist irgendwie zu banal, zu oft gelesen. Und leider werden auch nicht alle offenen Erzählstränge zu einem sinnvollen Ende gebracht, so dass eine ganze Reihe offener Fragen bleibt. Aber die Lektüre hat Spaß gemacht.

29.09.2012 09:44:36
Balzac

Alt-Männer-Phantasien, klischeehafte Charaktere - kann man sich sparen. Damit wird es schwierig die 300-Zeichen-Mindesteingabe zu füllen.

15.02.2012 00:33:21
gabriela z

ich fand das buch auch spannend. die sexszenen fand ich auch übertrieben , im 2. band werden die ein bisschen weniger und im 3. band ist es dann gut. mich erinnern die bücher an friedrich glauser , die art wie sie geschrieben sind. keine städte, keine namen und trotzdem weiss der kenner wo es handelt. spannend bis ans ende und nicht zu brutal. für schweizer krimis sehr gut . angenehme sprache.

01.06.2010 09:52:42
Sofie34

Was man dem Buch zugute halten muss: Es ist spannend. Vor allem die zweite Hälfte und der Schluss sind packend, sodass man den Krimi kaum aus den Händen legen mag. Was mich nervte, war die übersteigerte Selbstwahrnehmung dieses Tanners, dass jede Frau nur nach ihm lechzt, überhaupt, dass Frauen nur danach lechzen, dass endlich DER (bis anhin unbekannte) Mann zur Tür hereinstürmt und wilden Sex mit ihnen hat. Die Ekstase wirkt auf mich konstruiert, unnatürlich. Was im übrigen schon ein Kennzeichen dieses Krimis ist, dass vieles ziemlich stark konstruiert wirkt.
Aber eben, spannend ist er...