Ultramarin

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Göteborg: Tre böcker, 2004, Titel: 'Ultramarin', Seiten: 237, Originalsprache
  • München: dtv, 2006, Seiten: 277, Übersetzt: Knut Krüger

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Eva Bergschneider
Ein schwedischer Detektivroman

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Feb 2006

Henrik Tandefelt etablierte sich mit seinem ersten international publizierten Kriminalroman "Lauf, Helin, lauf" als ein schwedischer Autor, dem es unter zahlreichen Konkurrenten gelungen ist, seine ganz eigene Nische zu finden. Tandefelt wirft, wie so viele seiner schwedischen Kollegen, in "Lauf, Helin, lauf" einen kritischen Blick  auf die schwedische Gesellschaft, tut dies jedoch aus der Sicht des humorvollen, weltoffenen Fotografen Josef Friedmann, der zufällig in einem Kriminalfall ermittelt. Wird  Tandefelt in "Ultramarin" seinem eigenwilligen Erzählstil treu bleiben, der sich durch seine Leichtigkeit und Phantasie von denen anderer Autoren absetzt?

Ein finnisches Sommervergnügen und ein verjährtes Verbrechen

Josef Friedmann wird von seinem langjährigen Freund Knut Lindström dazu überredet, den finnischen Kriminalkommissar Olli Mustonen zu besuchen. Er soll dessen zugelaufenen Hund in Pflege zu nehmen, der bei Ollis Enkelkindern Allergien auslöst. In der idyllisch-finnischen Umgebung des Sommerhauses mit Sauna und See erfährt Fiedmann von einem fünf Jahre zurückliegenden Raubmord an dem hochbetagten Arzt Jens Bäck. Der alte Mann praktizierte noch gelegentlich, galt  als eigenbrötlerischer Sonderling und bewohnte einen herunter gekommenen Hof in der Nähe des Sommerhauses. Bei einem Einbruch in sein Haus überraschte Jens Bäck Diebe, die es offensichtlich auf seine drei Ölgemälde des berühmten russischen Künstlers Ivan Ajvazovskij abgesehen hatten. Der sich heftig wehrende Arzt wurde schwer misshandelt und erlag drei Wochen nach dem Überfall seinen Verletzungen. Der kontaktscheue Mann bewohnte den Hof mit Dimitri, seinem russischen Gehilfen. Dieser pflegte ebenfalls keinerlei Beziehungen, niemand weiß, wie und wann er nach Finnland gekommen ist und ob Dimitri überhaupt sein richtiger Name ist. Bäcks Gehilfe ist seit dem Überfall spurlos verschwunden und so gilt er bei der finnischen Polizei als Hauptverdächtiger für den Mord an seinem Arbeitgeber.

Wer fragt bekommt Antworten

Die spätsommerliche Idylle im Sommerhaus wird jäh unterbrochen, als eine skelettierte Leiche im Wald aufgefunden wird. Der Russe Dimitri ist offensichtlich erschossen worden. So sind zwei Menschen, die auf einem einsam gelegenen Hof lebten, ungefähr zur selben Zeit ermordet worden. Muss es da nicht einen Zusammenhang geben? Ist Dimitri Zeuge des Raubes geworden oder hat ihn eine eigene dunkle Vergangenheit in den finnischen Wäldern eingeholt?  Was ist eigentlich aus den gestohlenen Bildern geworden ? Fragen auf die der "Hobbydetektiv" Friedmann beharrlich eine Antwort sucht. Er recherchiert das Leben des einsamen Arztes und  findet in seiner schwedischen Heimat heraus, dass er während seiner Studienjahre Vater eines Sohnes geworden ist. Friedmann nimmt Kontakt zu Bäcks ehemaliger Freundin auf, kann aber nicht mehr mit ihr reden, da sie unmittelbar vor seinem Eintreffen stirbt. Der Sohn Hakon Österlind hat angeblich gar keinen Kontakt zu seinem Vater gehabt. Und doch gibt es im Nachlass seiner Mutter Fotos, auf denen die Drei scheinbar glücklich vereint abgebildet sind. Friedmann kann schließlich mit Hilfe des finnischen Kriminalbeamten Olli Mustonen, seiner Mutter, eines illustren Bekanntenkreises,  einiger Reisen in seine schwedische Heimat, kreativ-logischen Schlussfolgerungen und geduldiger  Recherche die lange zurückliegenden Verbrechen und das Schicksal der drei russischen Ölgemälde aufklären.

Ideenreiche Erzählung mit viel skandinavischem Lebensgefühl

"Ultramarin" liest sich wie ein klassischer Detektivroman. Die Aufklärungsarbeit und nicht die Art des Verbrechens steht im Vordergrund. Humorvoll, ideenreich und mit viel Liebe zum Detail schreibt Tandefelt über Friedmanns Suche nach der Wahrheit, aber auch über seinen Alltag, seine Liebe zur Opernsängerin Bella und die Menschen in seinem Leben.
Die Geschichte wird mit viel Erzähltalent überwiegend aus Friedmanns Perspektive in Ich-Form und Gegenwart erzählt. Tandefelts Stil ist ungewöhnlich lebensnah und natürlich. Die Interaktionen der Charaktere und die ganze Atmosphäre haben einen familiären Charakter, alles wirkt ruhig und vertraut. Die Spannung in diesem Roman wird durch Friedmanns akribische Recherche und deren manchmal überraschende Ergebnisse vermittelt. Als Leser hat man immer den gleichen Wissensstand wie der Ermittler, man fühlt sich unmittelbar am Geschehen beteiligt. Dadurch geht allerdings ein wenig an Spannung verloren, einige zusätzliche Überraschungsmomente wären denkbar gewesen, wäre der Leser nicht stets über alle Einzelheiten informiert worden.

Die Charakterisierung der Personen gelingt Tandefelt exzellent. Haupt- und Nebencharaktere  überzeugen durch ihre Eigenarten, Vorlieben und kleinen Schwächen als individuelle Persönlichkeiten.

Ein "must read" für Skandinavienliebhaber

Tandefelts Landschaftbeschreibungen sind so anschaulich wie aus einem Reiseprospekt und fügen sich nahtlos in die allgegenwärtige Vermittlung des skandinavischen Lebensgefühls ein.

Skandinavienfans werden diesen Roman lieben, die anderen Leser auf Land und Leute neugierig gemacht. Gesellschaftskritische Töne sind in diesem Roman eher selten. Der Autor vergleicht die finnische und schwedische Gesellschaft, einige Seitenhiebe auf die Politik in seiner Heimat sind zu finden, überwiegend fällt dieser Vergleich jedoch wertfrei aus.

Ein ruhiger, skandinavischer Detektivroman, der die Aufklärung eines lange zurückliegenden Verbrechens, die besondere Atmosphäre und das Lebensgefühl in Schweden und Finnland in den Mittelpunkt stellt.
Zusätzliche Überraschungsmomente und ein paar kritischere Untertöne hätten dem Roman etwas mehr Würze verleihen können. Dennoch ein Buch, dass flüssig zu lesen ist und durch seinen mitreißenden Erzählstil nie langweilig wird.

Ultramarin

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Letzte Kommentare:
13.09.2009 22:32:53
Christof Lampart

Ein lockerer Erzählstil aus der Ich-Perspektive, wie ich ihn von anderen Autoren nicht kenne. Schon alleine deshalb lesenswert, das Buch. Allerdings ist es kein Buch, dass einen atemlos in Spannung hält, sondern eher emotional warm "einlullt" - genau das richtige für einen kalten Herbstabend. Ich bin jetzt schon gespannt auf neue Fälle des kriminalistisch ermittelnden Fotografen...