Rioja für den Matador

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • München: dtv, 2006, Seiten: 344, Originalsprache
  • Schwäbisch Hall: Steinbach, 2007, Seiten: 5, Übersetzt: Paul Grote

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Sabine Reiß
Wine and Crime

Rezension von Sabine Reiß Jan 2006

Passend zur Weinlese in diesem Jahr erscheint das neue Buch von Paul Grote, Journalist, Weinkenner und seit einiger Zeit auch Krimiautor. Im Stile von Dick Francis schickt der Autor nun bereits zum dritten Mal einen Amateurdetektiv ins Rennen: Nach der Toskana und dem Bordelais steht nun die Rioja im Mittelpunkt, Spaniens bekanntestes Weinanbaugebiet. Der Vergleich mit Dick Francis, dem Krimikönig des Reitsports, liegt nahe, da Grotes Helden annähernd so viel erleiden müssen wie die Ermittler im Rennsportmilieu. Zudem vermittelt er auf ähnliche Weise, nämlich eingebettet in eine spannende Handlung, sehr viel Wissenswertes über ein bestimmtes Gebiet, den Weinanbau.

Frankreich, Italien und nun Spanien

Nun, der gute Henry Meyenbeeker, Journalist bei einer Weinzeitschrift, weiß allerdings noch gar nicht, dass er ein Amateurdetektiv ist. Seine Reise in die Rioja kommt ihm jedoch gelegen, um dem redaktionsinternen Gezänk um den Posten des Chefredakteurs zu entkommen. Jaime Toledo, der Önologe der neu gegründeten Kooperative LAGAR, hat ihn eingeladen, damit dieser über mysteriöse Machenschaften berichtet, die das junge Unternehmen bedrohen. Doch Henry kommt nicht weit. Nach dem ersten Treffen mit Jaime in den Räumen der Kooperative, in dem der Baske nur Andeutungen macht und permanent durch irgendwelche organisatorischen Probleme abgelenkt wird, verabreden sich die beiden bei Toledo zu Hause. Dessen Frau und Henry warten jedoch vergebens mit dem Abendessen. Stattdessen erscheint die Polizei und teilt der schwangeren Frau mit, dass sie nun Witwe ist: Ihr Mann kam bei einem Autounfall in einer gefährlichen Kurve ums Leben. Obwohl sein Informant nun nichts mehr davon hat, fühlt sich Henry verpflichtet, der Kooperative zu helfen, was ihm jedoch sehr schwer gemacht wird. Und der Einzige, der ihm glaubt, dass es bei dem Tod von Toledo nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, ist nicht die Polizei - im Gegenteil -; er kann nur auf die Hilfe des örtlichen Automechanikers bauen.

Das, was Grotes zwei bisherige Romane ausgezeichnet hat, ist auch in seinem dritten Krimi zu finden. Das Wissen um die Weinherstellung - und das ist weit mehr, als dass Wein aus vergorenen Trauben gewonnen wird - findet sich auf vielen Seiten wieder, und zwar so interessant verpackt, dass es Spaß macht, mehr darüber zu erfahren. Auch für  jemanden, der sich schon mit der Materie beschäftigt hat, wird es nicht langweilig, und darüber hinaus kann dieser über kleine Anspielungen schmunzeln, wie z.B. über eine nicht gerade schmeichelhafte Bemerkung über den Weinpapst Robert Parker - von Grote Hobart Barker genannt -,  der Weine mittels einer Punkteskala von 50-100 bewertet. Entspricht ein Wein Parkers Geschmack (mit 90 Punkten und mehr), verkauft er sich wie warme Semmeln, und dementsprechend versuchen manche Winzer, ihren Wein nach seinen Vorlieben auszurichten, was natürlich dem Weingenießer per se ein Dorn im Auge ist. Man liest aus den Statements von Paul Grote heraus, dass Wein für ihn, wie für viele Europäer, ein Naturprodukt ist, das nun mal nicht immer gleich schmecken kann.

Parkerpunkte für den Krimi

Mit der Geschichte selbst kann der Autor allerdings nicht ganz so punkten, wie mit seinen beiden Vorgängerkrimis. Der Funke springt einfach nicht so leicht über, zu früh ist klar, wer der Bösewicht ist und ganz so brisant kommt einem das Ganze auch nicht vor, auch wenn wir hier von Mord sprechen. Es ist aber eher ein unbestimmbares Gefühl, als dass man es an bestimmten Details festmachen könnte. Aber auch ein Buch ist ein Naturprodukt und kann nicht immer gleich gefallen. Auf Parkers Punkteskala übertragen, liegt "Rioja für den Matador" für mich zwischen 70 und 79 Punkten, was durchschnittlich bedeutet.

Rioja für den Matador

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