Des Teufels Werk

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2006, Seiten: 6, Übersetzt: Andrea Sawatzki, Bemerkung: gekürzt
  • London: Macmillan, 2005, Titel: 'The devil´s feather', Seiten: 356, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 414

Couch-Wertung:

85°
Wertung wird geladen
Peter Kümmel
Erfreuliche Entwicklung einer fast festgefahrenen Autorin

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jan 2006

Ort der Handlung: Sierra Leone während des Bürgerkriegs 2002. Die in Simbabwe aufgewachsene Reuters-Korrespondentin Conny Burns, tätig in den Krisengebieten dieser Welt, berichtet von einer Serie von Morden an Frauen, die vorher vergewaltigt wurden. Drei Jugendliche wurden schließlich für die Taten verantwortlich gemacht, als man sie bei der versuchten Entführung eines jungen Mädchens erwischte. Doch Conny glaubt nicht, dass man die wirklichen Täter erwischt hat. Sie verdächtigt den sadistischen Söldner John Harwood, den sie in einem Lokal dabei beobachtete, wie er einer Prostituierten den Arm brach. Sie kennt Harwood bereits aus dem Kongo, wo er unter dem Namen MacKenzie lebte. Als Connie Harwood um ein Interview mit dessen Vorgesetzten bittet, weist er sie rigoros ab. Ebenso ablehnend reagiert Connie, als sie vor ihrer Ausreise von Harwood gebeten wird, ein Päckchen an eine Mrs. MacKenzie mit nach England zu nehmen, worauf er eine versteckte Drohung ausspricht.

Zwei Jahre später ist Connie im Irak tätig. Dort entdeckt sie MacKenzie wieder als Ausbilder für irakische Polizisten. Jetzt nennt er sich Kenneth O'Connell. Als Connie bei dessen Arbeitgeber nachhakt, ist O'Connell plötzlich verschwunden. Connie recherchiert nach Morden an jungen Frauen im Irak und wird fündig. Nachdem Connie bemerkt, dass jemand in ihrem Hotelzimmer war und den Laptop benutzt hat, auf dem sie über ihren Verdacht gegen MacKenzie geschrieben hat, bekommt sie es mit der Angst zu tun und beschließt, das Land zu verlassen.

Auf dem Weg zum Flughafen wird Connie entführt und nach drei Tagen fast unversehrt wieder freigelassen. Connie schweigt über ihre Entführung. Die Öffentlichkeit vermutet, dass es sich nur um eine Inszenierung handelte, um Schlagzeilen zu machen.

Eine "neue" Minette Walters?

Ein Action-Thriller? Habe ich hier wirklich einen Roman von Minette Walters in den Händen? Oberflächlich betrachtet sieht alles vertraut aus: Einschübe von Zeitungsmeldungen und E-Mails, doch ansonsten hat man das Gefühl von angenehmer Abwechslung. Dann jedoch die schriftstellerische Kehtwendung: Connie zieht sich zurück in ein einsames heruntergekommenes Haus nach Dorset. Sie leidet unter Panikattacken und ist für keinen Menschen außer ihre Eltern auffindbar. Kontakt hat sie dort nur mit Jess Derbyshire, einer schweigsamen jungen Frau, die einen Bauernhof bewirtschaftet und als Außenseiterin gilt, sowie dem Arzt Peter Coleman. Das Buch scheint sich zunächst dem Cozy-Genre zuzuwenden, wandelt sich dann jedoch zu einem Psychogramm einer Frau, die unter Ängsten leidet, die keinem vertraut und sich dann nach und nach langsam öffnet und wieder an Selbtvertrauen gewinnt. Doch da ist noch mehr. Auch Jess Derbyshire scheint ein Geheimnis zu umgeben. Die ungewöhnliche Beziehung zweier verschlossener Frauen wird nun von Minette Walters langsam aufgearbeitet. Was hat Connie wirklich in ihrer Gefangenschaft erlebt? Ist MacKenzie eine Bedrohung für sie?

"Des Teufels Werk" ist ein Roman, der dem oft leichtfertig vergebenen Begriff "Psychothriller" gerecht wird, den man aber ob seiner Vielschichtigkeit trotzdem nicht ausschließlich als solchen klassifizieren sollte. Er deutet außerdem eine erfreuliche Entwicklung einer Autorin an, die ich nach ihren letzten Romanen als "festgefahren" bezeichnet habe. Minette Walters schafft in dem einsamen Haus in idyllischer Landschaft eine düstere, bedrückende Atmosphäre mit einer Einleitung in Kriegsgebieten, die optisch zwar einen Kostrast bieten, doch eigentlich mit offener Gewalt nur die Einstimmung auf die versteckte Drohung des Bösen bietet. Die Handlung ist absolut dialoglastig. Selbst die spannendsten Abschnitte werden nicht "live" geschildert, sondern als Beschreibung eines Polizeiverhörs nach Art eines Theaterstücks, ohne daß dies jedoch der Spannung Abbruch täte.

Ein aktuelles und brisantes Thema

Wenige Charaktere, die genau durchleuchtet werden. So kennt man die britische Autorin. Und endlich ist es einmal nicht das soziale Umfeld der englischen Arbeiterschicht, das für Verbrechen sorgt. Mit der Entführung einer Ausländerin in Krisengebieten und der Stellungnahme der Medien zu diesen Fällen streift sie ein hochaktuelles brisantes Thema.

"Des Teufels Werk" ist eindeutig das Beste, was Minette Walters seit ihrer Anfangszeit veröffentlicht hat und bei dem sie endlich wieder einmal mit ihren Worten brillieren kann. Die offene Frage zum Ende ist nicht als negativ anzusehen, sondern lässt dem Leser Spielraum für eigene Schlüsse.

Des Teufels Werk

Des Teufels Werk

Deine Meinung zu »Des Teufels Werk«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

BEHIND THE DOOR
Raum. Tat. Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR - spannende und interaktive Kurz-Krimis auf Krimi-Couch.de.

mehr erfahren