Der Schlaf der Toten

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • London: Flamingo, 2003, Titel: 'The American Boy', Seiten: 485, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 576, Übersetzt: Monika Koch
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 570

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Carsten Jaehner
Hier schlafen nicht nur die Toten

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2006

Viele Geheimnisse ranken sich um das Leben von Edgar Allan Poe, besonders in seiner Kindheit gibt es einige biographische Lücken. Einen Teil davon zu schließen, und dies mit einem Mordfall zu kombinieren, das ist die Intention von Andrew Taylors Roman "Der Schlaf der Toten".

Thomas Shield ist im Jahr 1819 Lehrer an eine Schule außerhalb von London cund tritt dort gerade seinen Dienst an. Er wird Tutor des scheuen Jungen Charles Frant, der bald einen anderen Jungen im gleichen Alter kennen lernt. Edgar Allan, der später noch den weiteren Nachnamen Poe bekommen wird, und Charles sehen sich zum Verwechseln ähnlich und werden die besten Spielkameraden.

Thomas freundet sich mit Charles' Mutter Sophia an, soweit, wie es die züchtige Zeit eben zulässt, und gerät somit in die Familiengeschichte hinein, da er auch in den Ferien als Privatlehrer für Charles und Edgar abgestellt wird. Als Sophias Mann, ein reicher Bankier, ermordet wird, ist Thomas hin- und hergerissen zwischen der Familie und seinem Job, denn eigentlich hat er ja mit der ganzen Sache nichts zu tun. Und dennoch gerät er immer tiefer in den Strudel der Ereignisse.

Sehr britische Stimmung

Andrew Taylor schafft es, auf 560 Seiten ein England zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu zeichnen, das man in solcher Intensität selten zu lesen bekommt. So steif, tradtionsbehaftet und die Stimmung einfangend hat man selten einen Roman dieser Zeit gelesen. Und genauso langsam, wie sich ein morgendlicher britischer Nebel verzieht, kommt auch Taylors Geschichte in Gang. Der (erste) Mord wird erst nach der Hälfte des Buches verübt, und dann nimmt das Geschehen endlich seine bedächtige Fahrt auf.

Dabei erweist sich Taylor durchaus als guter Erzähler, es dauert nur alles sehr lange. Seine Charakterzeichnungen sind durchweg verständlich und gut beobachtet, der Fall selber in sich logisch und auch zeittypisch gelöst. Warum er sich allerdings der Figur des Edgar Allan Poe bedient, bleibt im Endeffekt unklar, hier hätte der Junge auch gegen jeden anderen beliebeigen Jungen ausgetauscht werden können. Vielleicht finden sich ja einige der erlebten Motive in Poes Romanen und Geschichten wieder, aber das hätte man auch anders konstruieren können.

Lang und -weilig

Der Grund, warum man das Buch dennoch zu Ende liest, liegt allerdings nicht im Kriminalfall, sondern in einem anderen Aspekt des Buches, der hier nicht verraten werden soll. Der Mord spielt während des ganzen Buches sowieso nur eine untergeordnete Rolle, wenn man denn überhaupt soweit gekommen ist und das Buch nicht vorher schon enttäuscht ins Regal gestellt hat. Das Hangeln von einem Kapitel zum nächsten, in der Hoffnung, auf der nächsten Seite würde es endlich spannenden werden, kann sehr ermüdend sein und fordert dem Leser einiges an Stehvermögen ab - leider im negativen Sinne.

Am Ende des Romans finden sich einige Anmerkungen zu Edgar Allan Poe und zum Entstehen des des Romans, was sehr löblich ist, die fehlende Spannung aber nicht wiedergutmachen kann.

Dass "Der Schlaf der Toten" mit dem "Historical Dagger" ausgezeichnet wurde, kann sich nur auf das "Historical" und nicht so sehr auf das "Dagger" beziehen. Als historischer Roman bietet der Roman einen intensiven Einblick in die Zeit. Als Krimi ist der Roman eher langweilig und daher eine Enttäuschung.

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