Blut für Bolivar

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Bielefeld: Pendragon, 2005, Seiten: 296, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Eher eine Karikatur, denn ein ernstzunehmender Politthriller

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jan 2006

Der Pendragon-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, bereits ältere Kriminalromane neu als Taschenbuch aufzulegen. In dem Buch "Blut für Bolivar" finden sich zwei Kurzromane von D. B. Blettenberg. "Weint nicht um mich in Quito" erschien 1981 und heimste prompt den Edgar-Wallace-Preis ein und "Agaven sterben einsam" erschien im Jahr darauf.

Der vielgereiste Autor, der die meiste Zeit in Übersee lebte und auch in Ecuador längere Zeit verbrachte, versteht es in erster Linie, Land und Leute zu beschreiben. Seine Kenntnis der herrschenden politischen Zustände fließen in die Krimis ein und sind ausschlaggebend dafür, dass man ihm diverse Preise verlieh, denn von der Handlung her sind die Erzählungen längst nicht das Gelbe vom Ei.

Warum der Pendragon-Verlag auf der Rückseite des Buches lediglich ein Kurzstatement über "Weint nicht um mich in Quito" andruckt und die zweite Romanerzählung mehr oder weniger vergisst, bleibt deren Geheimnis.

"Weint nicht um mich in Quito"

Wolf Straßner ist deutscher Sozialtechniker, hat als solcher in Ecuador allerdings reichlich wenig zu tun und verdingt sich als Privatschnüffler. Dabei legt er nicht nur die hübsche Frau seines alten Auftraggebers flach, sondern sich selbst mit Typen an, denen die örtlichen Gewerkschaftsvertreter ein Dorn im Auge sind. Straßner kann natürlich nicht zusehen, wie seine Bekannten reihenweise ins ecuadorianische Gras beißen und mischt sich ein. Mord und Totschlag, Attentate und Bespitzelung scheinen in Quito an der Tagesordnung zu sein und unser wackerer deutscher Held spielt den James Bond für Arme, was ihm schlussendlich gar nicht gut bekommt. Aber er überlebt und tummelt sich alsbald im

"Agaven sterben einsam"

und heißt jetzt plötzlich Richard Braunschweig und verfolgt, was es heißt, in Ecuador Politiker zu sein. Putschversuche und Intrigen sind an der Tagesordnung. Generäle und Minister feilschen nicht nur um die Posten an der Macht und die fettesten Pfründe. Bomben und Militär bestimmen das Alltagsleben und mitten drin verdingt sich wieder Wolf Straßner mit neuem Namen, um der vermeintlichen Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Wie ihm das gelingt, verrät der Pendragon in der Neuauflage "Blut für Bolivar".

Nun können beide Geschichten, auf 296 Seiten gepresst, eher als zeitgeschichtliches Dokument der Verhältnisse in Lateinamerika, speziell in Ecuador sein. Als Krimi finde ich jeden Jerry Cotton-Roman besser, denn was sich Wolf Straßner als penetranter Frauenbeglücker und Revolverschwinger leistet, ist eher eine Karikatur, denn ein ernstzunehmender Politthriller. Wären nicht die wirklich geglückten Beschreibungen der Zustände und der Lebensumstände in einer Bananenrepublik, könnte man die Erzählungen getrost vergessen und eine miserable Wertung für "Blut für Bolivar" abgeben. So aber gewinnen die Romane durch ihre erzählerische Dichte im lateinamerikanischen Ambiente, während besonders die Dialoge und Gedankensplitter von Wolf Straßner eher in die unterste Schublade der Artikulation zu verbannen sind.

D. B. Blettenberg versucht zwar mit seinem Machohelden Wolf Straßner Stimmung zu machen, aber die Geschichten an und für sich, scheinen eher nur halb ausgegorene Romankonstruktionen zu sein. Sie lesen sich leicht und locker ohne jeden Anspruch, die Charakterisierung der Personen (vor allem der Deutschen) reiht eine Platitüde an die nächste. So wurde aus einem guten Grundkonzept leider nur ein knapp mittelmäßiger Sammelband, der Blettenberg längst nicht von der besten Seite zeigt. Und jemand, der bereits drei Mal den Deutschen Krimi-Preis erhalten hat, sollte wirklich Besseres zu bieten haben.

Blut für Bolivar

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Letzte Kommentare:
08.07.2008 20:43:01
Markus Strub

Hervorragend gelungen finde ich geschichtliche und örtliche Beschreibungen von Quito und Equador. Die Hauptfigur erscheint mir wenig glaubwürdig und, im Gegensatz zu den politischen Beschreibungen, sehr erfunden.
Mit Genuss und in einem Zug las ich diesen Thriller und auch "Agaven sterben einsam".

11.01.2006 13:44:40
kue

Ein Buch, dass eine zutiefst zwiespältige Wirkung auf mich hat. Sicherlich hat der Pendragon-Verlag gut daran getan, die zwei relativ kurzen Romane in einen Band zu packen. Sonst wäre mir nach einem schwachen "Weint nicht um mich in Quito" der wirklich gute "Agaven sterben einsam" garantiert nicht zwischen die Finger gekommen. Aber so habe ich weiter gelesen...

Den Debütroman Blettenbergs habe ich als eine zähe Aneinanderreihung von Aktionen erfahren, ohne die Beweggründe der einzelnen Charaktere auch nur im Ansatz erahnen zu können. Die Auszeichnung mit dem Edgar-Wallace-Preis des Jahres 1981 hefte ich mal ab unter geschickte Marketingaktion des Goldmann-Verlages, der den Roman damals verlegte und auch für die Vergabe der Auszeichnung verantwortlich war.

Wesentlich besser gefiel mir da "Agaven sterben einsam", der sehr geschickt ein politisches Mordkomplott beschreibt. In Bezug auf Aufbau und Konzeption von Handlung und Erzählung war der Autor sehr gründlich. Hintergründe eines Putschversuches, unterschiedliche Interessenlagen und örtliche Begebenheiten sind sehr komplex beschrieben.

Woran es für mich in beiden Romanen mangelt, sind greifbare Charaktere. Die Akteure kommen klischeebeladen und nahezu comichaft rüber. Insofern wird obiger Vergleich zu Jerry-Cotton-Romanen noch verständlich, wenngleich ich ihn hinsichtlich Sprache und Handlung ansonsten nicht gelten lassen mag. Unter dem Strich bleibt ein unterdurchschnittlicher und ein guter Roman, meine Wertung wäre vielleicht bei etwa 55° gelandet.

05.01.2006 22:11:33
Claus

Detlef B. Blettenberg ist ein großartiger Erzähler und die Leser sollten sich durch die Rezension von Wolfgang Weninger von der Lektüre des Doppelbandes nicht abhalten lassen. Blettenberg ist einer der wenigen deutschen Autoren von internationalem Format! Und das beweist er in den beiden Romanen
Sein Debütroman (!) „Weint nicht um mich in Quito“ ist eine lineare Erzählung mit einem komplexen Plot und mehreren Parallelhandlungen, besitzt aber schon alle Elemente, die für Blettenberg später charakteristisch werden. Einzelne Erzählstränge werden episodenhaft aneinander montiert, ohne innere Monologe oder Reflektionen. Psychologische Motive der handelnden Personen oder Reflektionen sind bestenfalls skizzenhaft erkennbar. Die Innenwelt seiner Figuren wird von Blettenberg übersetzt in Action pur.
"Agaven sterben einsam“ ist ungleich komplexer. Blettenberg greift hier zum Stilmittel der andeutenden Vorwegnahme der Handlung und erzeugt damit eine große, intensive Spannung.
Blettenberg unterfüttert seine Plots mit fundierten Hintergrundinformationen, die auf seine langjährigen Erfahrungen als Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes basieren. Dieses verleiht den Geschichten etwas Authentisches. Blettenberg kennt sich aus und hält sich doch wohltuend mit Detailwissen zurück.
Blettenberg hat ein feines Gespür für Dramaturgien und atmosphärische Inszenierungen. Sein Gespür für interessante Figuren, der verwickelte Plot und seine lakonische, zurückhaltende Sprache zeigen die Qualität und Meisterschaft dieses Autors.
Und davon sollte man sich durch diesen Doppelband überzeugen lassen !!!