Der Malteser Falke

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

- Voreditionen:

  • New York: Alfred A. Knopf, 1930, Titel: 'The Maltese Falcon', Originalsprache
  • Nürnberg: Nest, 1951, Seiten: 302, Übersetzt: Peter Fischer, Bemerkung: Krähen-Bücher
  • Zürich: Diogenes, 1974, Seiten: 234, Übersetzt: Peter Naujack
  • Frankfurt am Main: Das goldene Vlies, 1955, Seiten: 187, Übersetzt: Peter Fischer, Bemerkung: Ullstein-Bücher Nr. 57
  • München: Goldmann, 1973, Seiten: 219, Übersetzt: Peter Fischer
  • Berlin: Volk und Welt, 1978, Seiten: 276, Übersetzt: Peter Naujack
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006, Seiten: 220, Übersetzt: Peter Naujack
  • München: Goldmann, 1967, Seiten: 197, Übersetzt: Peter Fischer
  • Zürich: Diogenes, 2009, Seiten: 8, Übersetzt: Wiglaf Droste, Bemerkung: ungekürzt
  • Zürich: Diogenes, 2011, Seiten: 234, Übersetzt: Peter Naujack

- neu aus dem Englischen von pociao

- HC, 334 Seiten

Couch-Wertung:

70°
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Sabine Bongenberg
Grüße aus einer anderen Welt

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Nov 2020

Privatdetektiv Sam Spade und sein Partner Miles Archer glauben an einen Glückstag, als die aufregende, rothaarige Miss Wonderly in ihrem Büro auftaucht und sie mit der Suche nach ihrer verschwunden Schwester beauftragt. Diese Freude – verbunden mit einem gewissen Ziehen in der Lendengegend – verwandelt sich aber alsbald in Bestürzung, denn schon in der ersten Nacht, die auf die Auftragserteilung folgt, wird Miles erschossen. Spade muss nun die Ermittlungen allein weiterführen, und alsbald sieht er sich mit einem eigenartigen Spiel der immer noch so hübschen „Miss Wonderly“, zwielichtigen Gestalten, weiteren Verbrechen und der Suche nach einer wertvollen Vogelskulptur konfrontiert. Hier können nur die Besten bestehen – und dazu gehört Sam Spade!

Neuübersetzung eines Klassikers

Möglicherweise wundern sich einige Couchbesucher darüber, dass mein Einleitungstext hier ein wenig „zugunsten“ des berühmten „hard-boiled“ Detektivs eingefärbt sein könnte. Natürlich stimmt das, soll aber andererseits auch darauf einstimmen, was die Leser in diesem Roman (der insbesondere durch die Verfilmung mit Humphrey Bogart heute noch bekannt ist) erwartet: Dashiel Hammett erzählt eine Geschichte aus einer vergangenen Zeit, und so sind auch seine Helden gestrickt. Sam Spade ist ein harter Knochen, dem es offensichtlich nicht allzu viel ausmacht, wenn er so richtig eine auf die Glocke bekommt; die gängige Bezeichnung für die Damen ist „mein Engel“ und es sind dann auch nicht wenige, die an seine breite Brust sinken. Im Zeitalter selbstbestimmter Frauen und vor allem der „MeToo-Bewegung“ hatte ich manchmal das Gefühl, auf ein eigenartiges Fossil gestoßen zu sein, das – zwar versteinert – immer noch auf ein Leben in der Vergangenheit hinweist und bei dem man denkt, es ist schon nicht schlecht, dass das vorbei ist. Dennoch wird hier auch eine Welt beschrieben, an die ich mit ein bisschen Wehmut zurückdenke: wo die Büros geprägt waren vom raschen Tippen auf den Schreibmaschinen und dem regelmäßigen melodischen „kling“, das das baldige Ende der Zeile ankündigte.

Hammets handelnde Personen werden generell ein wenig holzschnittartig dargestellt: Der harte Detektiv, die undurchschaubare Schönheit, der dicke Auftraggeber, dessen schmierige, geckenhaft auftretende Handlanger – alle könnten auch Figuren aus einem frühen Detektivcomic sein. Manchmal erzeugt das sogar eine (vermutlich) unfreiwillige Komik, so z.B. als der Autor Sam Spade einen Tag nach dem Tod seines Partners die Sekretärin damit beauftragen lässt, das „Spade & Archer“ an der Türe entfernen und durch „Samuel Spade“ ersetzen zu lassen.“

Mit der Neuausgabe hauchte der Kampa-Verlag diesem bereits 1934 erschienenen Werk durch eine neue Übersetzung eine bessere Lesbarkeit in der heutigen Zeit ein und trug damit dazu bei, diesen Edelstein zu erhalten. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die schöne Aufmachung des Buches, das den namensgebenden Falken und die verwirrende Femme Fatale zeigt. Eine gute Ergänzung sind auch das Vorwort des Autors zur ersten Ausgabe aus dem Jahr 1934 und eine neues Nachwort von dem freischaffenden Lektor und Herausgeber Heiko Arntz. Aber eines konnte auch die neue Übersetzung nicht verhindern - nämlich dass der heutige Krimileser, der ein anderes Tempo gewöhnt ist, manchmal doch mit der sehr ausführlichen (um nicht zu sagen langatmigen) Erzählweise des Autors zu kämpfen hat. Dennoch schafft Hammet es immer wieder, seine Leser einzufangen und im Bann zu halten, und so zeigt sich zum guten Schluss, dass auch Sam Spade nicht nur der abgebrühte – und eben hard-boiled – Detektiv ist, den wir erwarten.

Fazit

Der Malteser Falke nimmt uns mit auf eine Zeitreise in eine vergangene Welt. Mit diesem Buch wurde seinerzeit eine neue Erzählweise erschaffen - heute mag sie uns manchmal etwas antiquiert erscheinen. Wer aber abseits von den Serien von Toten und den Seen von Blut, die heute manchmal an der Tagesordnung sind, einen ruhig erzählten Roman aufbereitet in einem sehr schönen Buch sucht, der ist hier immer noch richtig.
 

Der Malteser Falke

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