Trügerische Ruhe

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • New York: Pocket Books, 1998, Titel: 'Bloodstream', Seiten: 324, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1999, Seiten: 412, Übersetzt: Andreas Jäger
  • Augsburg: Weltbild, 2004, Seiten: 412
  • München: Blanvalet, 2006, Seiten: 412

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Peter Kümmel
Thriller in bester Stephen-King-Manier

Buch-Rezension von Peter Kümmel Okt 2003

Mysteriöse Geschehnisse in einer Kleinstadt im ländlichen Maine - mit diesen Gegebenheiten bringt man spontan den Autor Stephen King in Verbindung, der in diesem Roman der Medizinerin Tess Gerritsen sogar eine kurze Erwähnung findet. Demzufolge beruhen die Ähnlichkeiten mit den Büchern Kings wohl kaum auf Zufälligkeiten.

Bereits der kurze Prolog, der im Jahr 1946 - gut 50 Jahre vor der eigentlichen Handlung des Romans - spielt, treibt die Spannung auf einen Höhepunkt, von dem sie über die gesamte Handlung hinweg bis zum Ende hin selten abfällt.

Mit ihren Medical-Thrillern ist Tess Gerritsen bekannt geworden. Hier jedoch spielt die Handlung nur in kurzen Abschnitten in einem Krankenhaus. Doch die Hauptfigur von "Trügerische Ruhe" ist natürlich - wie könnte es anders sein - eine Ärztin. Dr. Claire Elliot ist mit ihrem Sohn Noah aus Baltimore in das abgelegene Nest Tranquility nach Maine gezogen und hat dort die Praxis des alteingesessenen Arztes übernommen. Für Claire war es eine Art Flucht nach dem Tod ihres Mannes. Ihr 14-jähriger Sohn wurde bei einem Autodiebstahl erwischt und drohte auf die schiefe Bahn zu geraten. Also hielt es die junge Ärztin für das beste, einen neuen Anfang zu machen. Doch es läuft nicht so wie geplant. Die Bewohner der Stadt sind Fremden gegenüber skeptisch und die Praxis läuft schlecht. Noah ist unzufrieden und möchte wieder zurück nach Baltimore. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ist gespannt und Claire ist unsicher, was sie tun soll.

An Noahs Schule fallen ungewöhnlich viele Jugendliche auf, die starke Aggressionen zeigen. Auch Noah ist davon nicht unbetroffen. Die Situation eskaliert schließlich, als in Noahs Klasse ein Mitschüler eine Pistole zieht, seine Lehrerin erschießt sowie mehrere Schüler verletzt. Der Täter, Claires Patient, wird ins Krankenhaus eingeliefert und ist nur schwer ruhig zu stellen. Claire vermutet Drogen oder eine bewustseinsverändernde Entzündung, doch die Untersuchungen verlaufen negativ. Der Vater des Jungen beschuldigt Claire, sie trage wegen der Absetzung eines Medikaments Schuld am Verhalten seines Sohnes und engagiert einen anderen Arzt, so daß Claire keine Chance hat, weiter nach der Ursache für den Gewaltausbruch zu forschen.

In den nächsten Wochen geschehen weitere Verbrechen ähnlicher Art. Claire vermutet schließlich, dass das Verhalten der Jugendlichen durch eine Substanz aus dem Badesee verursacht wird. Bei den Verantwortlichen der Stadt stößt sie damit jedoch auf Ablehnung und Unverständnis, denn die Stadt ist abhängig vom Tourismus im Sommer, und falls wirklich an der Sache etwas dran ist, darf nichts nach außen dringen. Die einzige Unterstützung findet Claire beim Sheriff der Stadt.

Bei "Trügerische Ruhe" handelt es sich um einen routiniert geschriebenen Thriller, bei dem einfach alles zusammenpasst - ein Roman von einer Qualität, die Stephen King seit Jahren nicht mehr erreicht und fast eine Hommage an den Altmeister des Mystery-Thrillers.

In ihrer gewohnt einfach zu lesenden Schreibweise versteht es die Autorin, die Spannung über die gesamte Story hinweg auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu halten. Dies gelingt ihr auch dadurch, dass sie oft Ort uind Personen der Handlung wechselt, so daß ständig etwas Neues passiert.

Auch, wenn Gerritsens Charaktere nicht sehr vielschichtig sind, sind sie dennoch gut greifbar und bildlich dargestellt. Die Figur der Claire Elliot kann man dabei als sehr realistisch bezeichnen, denn anders als bei den Alleskönnerinnen vergleichbarer Romane nimmt man ihr die Rolle als Frau, die gerne alles richtig machen möchte und doch oft vor unlösbaren Problemen steht, durchaus ab. Durch die Schwarz-Weiß-Darstellung der Figuren ist dem Buch zwar kein sonderlich großer Anspruch oder Tiefgang zuzubilligen, aber es unterhält den Leser von der ersten bis zur letzten Seite ganz hervorragend. Und anders als man es bei Stephen King gewohnt ist, bietet es sogar eine akzeptable Auflösung.

"Trügerische Ruhe" ist ganz eindeutig eine Empfehlung für spannende Unterhaltung der leichten Art.

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