Miss Lizzie kehrt zurück

  • dtv
  • Erschienen: Januar 2006
  • New York: Mysterious Press, 2016, Titel: 'New York nocturne - The return of Miss Lizzie', Seiten: 290, Originalsprache
  • München: dtv, 2006, Seiten: 314, Übersetzt: Ursula-Maria Mössner
Miss Lizzie kehrt zurück
Miss Lizzie kehrt zurück
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Sabine Reiß
80°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2005

Und die Lizzie mit dem Beile...

Es liegt nahe, nach der Lektüre von Walter Satterthwaits Buch "Miss Lizzie kehrt zurück" auf den bekannten Kinderreim hinzuweisen:

 

Lizzie Borden mit dem Beile,
hackt Mama in 40 Teile.
Das Ergebnis freut sie sehr,
bei Papa wird's ein Teil mehr.

 

...denn auch hier spielt ebendiese Lizzie Borden wie im Vorgängerband eine tragende Rolle. Nachdem Miss Lizzie drei Jahre zuvor der dreizehnjährigen Amanda Burton aus der Klemme half, als diese unter dem Verdacht stand, ihre Stiefmutter mit einem Beil erschlagen zu haben welch eine Parallele zu Lizzies eigenem Fall viele Jahre zuvor benötigt Amanda abermals Hilfe. Da ihre Eltern für längere Zeit verreist sind, wird sie zu ihrem Onkel John nach New York geschickt; ein Abenteuer für Amanda. Sie erlebt das New York der 20er Jahre, der "Roaring Twenties", und genießt ihre erste Woche in vollen Zügen, bis sie eines Morgens aufwacht und die Leiche ihres Onkels in der Bibliothek findet: Er wurde offensichtlich mit einem Beil erschlagen. Sie tätigt zwei Anrufe, einen bei der Polizei und einen bei ihrem Bruder.

Die Polizisten machen kurzen Prozess und nehmen das junge Mädchen mit aufs Revier. Bei ihrer Vorgeschichte liegt es doch nahe, dass niemand anderes als sie John Burton getötet hat. Rettung naht in Gestalt eines Anwalts, der sie aus der Zelle befreit und ins Hotel Alonquin bringt, wo nicht nur Miss Lizzie auf sie wartet, sondern auch deren Freundin Dorothy Parker sowie ein Privatdetektiv. Amandas Bruder hatte Lizzie Borden kontaktiert, da der Familienanwalt nicht zur Verfügung stand. Wenn schon die Polizei nicht gewillt ist herauszufinden, wer ihren Onkel wirklich ermordet hat, dann müssen die drei den wahren Täter eben selbst entlarven.

Die Roaring Twenties, Harlem und der legendäre Cotton Club

Walter Satterthwait lässt hier die 20er Jahre so aufleben, dass man ein gutes Gefühl für das Leben in der damaligen Zeit erhält. Er lässt einige reale Personen auftreten wie die bereits erwähnte Dorothy Parker, bekannte Theaterkritikerin und Journalistin, die tatsächlich im Hotel Alonquin residierte, oder Owney Madden, den Besitzer des legendären Cotton Club, den auch Amanda mit ihrem Onkel besuchte. Ebenso hat die spätere Leinwanddiva Mae West einen Gastauftritt, vielleicht noch begleitet von weiteren Personen, was sich jedoch dem Leser nicht unbedingt erschließt, wenn er nicht über ein bestimmtes Hintergrundwissen verfügt. Dies ist aber auch nicht notwendig, denn alle Figuren wirken sehr real, ob sie es nun sind oder nicht.

Ungeachtet der Tatsache, ob Lizzie Borden den grausamen Mord, dessen sie angeklagt war, begangen hat (dieses Rätsel wird verständlicherweise auch hier nicht gelüftet), wird sie als sympathische Person dargestellt, die sich in vielen Lebenslagen zu helfen weiß, sei es durch Hartnäckigkeit oder auch mal durch Kartentricks. Man muss Walter Satterthwaits Stil einfach mögen. Er lässt die Geschichte von einer erwachsenen Amanda im Rückblick erzählen, das erkennt man an den entsprechenden Einschüben. Ihre Erzählweise ist absolut nicht kindlich, aber locker und amüsant. Der Autor weist eigentlich allen seinen Figuren einen charakteristischen Sprachstil zu, von dem man auf deren sozialen Hintergrund schließen kann.

Uneingeschränkt empfehlenswert

Der Fall an sich bietet zwar keine Spannung auf Höchstniveau, aber dennoch gelingt es dem Autor, den Leser wie gebannt an sein Buch zu fesseln. Seite um Seite liest es sich so gut, man möchte gar nicht aufhören. Da Satterthwait andeutet, dass Amanda später in einem ähnlichen Metier wie Pinkerton, der Privatdetektiv, arbeitet, kann man vielleicht noch auf weitere Abenteuer von Amanda Burton hoffen. Dass Miss Lizzie ein weiteres Mal mit von der Partie sein wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Sie stirbt 1927, drei Jahre nach ihrem hier geschilderten New York-Besuch und da der Autor sich an Fakten hält, würde er sicher auch in diesem Fall so verfahren.

"Miss Lizzie kehrt zurück" ist ein Krimi, den man wirklich uneingeschränkt empfehlen kann: dem Jugendlichen, der seine ersten Krimi-Versuche unternimmt, dem Erwachsenen, der mal etwas anderes als 08/15-Krimis lesen möchte und allen anderen, die einfach herrlich entspannende Lektüre mit einen winzigen Schuss Realität zu schätzen wissen.

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