Die Buchmalerin

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2005, Seiten: 537, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2006, Seiten: 527, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 527, Originalsprache

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Eva Bergschneider
Ein spannender, atmosphärischer Mittelalter-Krimi mit einer couragierten Heldin

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Sep 2005

Nach ihrem viel beachtetem Debüt-Krimi »Der Heilige in Deiner Mitte« stellt Beate Sauer mit »Die Buchmalerin« erstmals einen historischen Kriminalroman vor, der ebenso wie der Vorgänger im kirchlichen Umfeld spielt. Das ist für Beate Sauer vertrautes Terrain, sie studierte Philosophie und katholische Theologie in Würzburg und konnte so vieles aus ihrem Studium mit in diesen Roman einbringen.

Als Leser fragt man sich nun, ob sich dieser Roman wie ein religionswissenschaftlich-historisches Fachbuch lesen würde oder ob man sich auf einen richtig spannenden Krimi mit interessanten Charakteren von hohem Unterhaltungswert freuen kann.

Ein machthungriger Kardinal, eine verängstigte junge Frau und ein kaltblütiger Mord

Die junge Buchmalerin Donata befindet sich bereits seit vier Jahren auf der Flucht, als sie an einem bitterkaltem Wintertag Schutz in einer Ruine sucht und schließlich Zeugin eines Mordes wird. Der mächtige Kirchenfürst, Kardinal Enzio von Trient, ersticht den Inquisitor Gisbert. Für die ohnehin schon vor der Inquisition fliehenden Donata beginnt nun eine unerbittliche Jagd, denn dem Diener des Kardinals ist nicht verborgen geblieben, dass es einen unbekannten Zeugen für den Mord gegeben hat. Völlig verängstigt versucht sich Donata als Junge verkleidet nach Köln durchzuschlagen und findet in einem Kloster eine Anstellung als Schreiber. Zunftgenossen neiden ihr die Anstellung und zünden die Scheune an, in der Donata schläft. Es gelingt ihr zwar zu fliehen, doch sie wird als Frau enttarnt und gilt nun als Zauberin, die durch Magie das Feuer entfacht hat. In dieser Nacht kommt ihr der Kurier Kaiser Friedrichs des II, Roger zur Hilfe, der sich fortan mehr und mehr zu der jungen Buchmalerin hingezogen fühlt. Mit letzter Kraft in Köln angekommen, wird Donata von den Beginen, einer freien Ordensgemeinschaft, aufgenommen und gesund gepflegt. Doch Enzio von Trient hat das gleiche Reiseziel, denn sein Ränkespiel um Intrigen zwischen päpstlicher und kaiserlicher Macht führt ihn zum Kölner Erzbischof Müllenark. Dieser leicht beeinflussbare, genusssüchtige Kirchenfürst soll dem Kardinal helfen, den deutschen König Heinrich als Verbündeten im Kampf gegen den Papst und Kaiser Friedrich II, zu gewinnen.

Flucht, Farben und Verrat

Donata und mit ihr die bis dahin friedlich in Köln lebenden Beginen geraten ins Visier des Kardinals und werden nun unnachgiebig verfolgt. Donata schafft es um Haaresbreite, zu den Benediktinerinnen zu flüchten, sie findet dort eine weitere Vertraute in der Äbtissin, die ein offenes Ohr für ihre Sehnsucht nach Farben und lebendiger Kunst hat. Bald muss sie sich wieder auf den Weg machen und begegnet dem kaiserlichen Kurier Roger erneut, der schließlich mit ihr gemeinsam vor den Häschern des Kardinals flieht. Donatas schwieriges Verhältnis zu dem geheimnisvollen Mann, verändert sich allmählich. Mit Rogers Hilfe findet sie wieder Zugang zu ihren künstlerischen Fähigkeiten.

Der Friede ist nur von kurzer Dauer. Vor Donata liegt eine schwierige Entscheidung. Sie kann nicht zulassen, dass Menschen, denen sie vertrauen konnte, unschuldig leiden. Wie kann sie die Wahrheit offenbaren, obwohl sie als Ketzerin gilt? Was für Konsequenzen wird diese Enthüllung von Mord und Verrat für sie und ihre Fürsprecher haben?

Eine spannende Geschichte und lebendige Charaktere in einem historischen Kontext

Donatas Geschichte war für mich atemlos spannend zu lesen, sie ist ständig auf der Flucht und entkommt oft nur in letzter Sekunde ihren Verfolgern. Mancher Leser mag das vielleicht als unrealistisch und übertrieben empfinden, ich habe die Dramatik genossen, mit Donata gezittert und mich mit keiner der 537 Seiten dieses Romans gelangweilt. Donatas Flucht führt schließlich an das Ende, das der Leser erwartet hat, aber die Handlung der Geschichte ist abwechslungsreich und voller überraschender Wendungen. Die Charaktere sind besonders lebendig geschildert, da sie durch ihre Ecken und Kanten viel Profiltiefe aufweisen. Einige Charaktere werden erst als mysteriös und geheimnisvoll beschrieben und offenbaren schließlich ihre ganz besondere Persönlichkeit. Die Hauptfigur Donata ist zunächst nur verschreckt und verzweifelt dargestellt, doch dann entwickelt sie sich zu einer klugen, couragierten und sensiblen jungen Frau. Beate Sauer hat mit Donata eine nicht auf Anhieb sympathische, aber umso interessantere Heldin geschaffen, die einige Überraschungen zu bieten hat.

Die Einbindung der Handlung in die Historie des Mittelalters ist besonders gelungen. Einige Details mögen dem Historiker nicht exakt genug getroffen sein, für mich ist dennoch die mittelalterliche Atmosphäre, das Düstere und Mystische dieser Zeit absolut glaubwürdig eingefangen und wunderbar beschrieben. Handlungsort ist überwiegend das mittelalterliche Köln, aber auch Trier und die Eifel, dadurch wirkt die geschilderte Umgebung sehr facettenreich.

Beate Sauers Schreibstil trifft auf unaufdringliche Weise immer genau den richtigen Ton. Dramatische Szenen sind hektisch beschrieben, Landschaft und Kunst ist dagegen malerisch und poetisch in Worte gefasst. Der Roman ist trotz der Länge schnell und flüssig zu lesen.

Eine Lovestory tut nicht jedem Roman gut

Was mich nicht ganz überzeugte, war die Liebesgeschichte, die etwas halbherzig in die Handlung eingebaut ist und nicht richtig zu dem sonst so dramatischen Geschehen passt. Der Schluss fällt zudem für meinen Geschmack etwas sehr "fantastisch" aus, eine düstere Prophezeiung bewahrheitet sich, das Ende der Geschichte hat etwas sehr viel Mittelalter-Klischee.

Fazit: ein Mittelalter-Krimi, wie er sein soll: atmosphärisch, spannend und mit faszinierenden Charakteren.

Die Buchmalerin

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Letzte Kommentare:
01.05.2007 16:39:25
K.-G. Beck-Ewe

Dieser Roman führt uns ins Jahr 1235 und die Zeit der Inquisition in deutschen Landen, die unter anderem auch hinter der jungen Buchmalerin Donata her ist. Dies hat schwer wiegende politische Gründe, da die junge Frau auf ihren Wanderungen in einer Nacht unfreiwillige Zeugin eines Mordes an einem Mönch geworden. Sie selbst ist allerdings schon seit vier Jahren auf der Flucht, weswegen sie sich nicht an die Obrigkeit wenden kann – vor allen Dingen auch, weil der Mörder und einer der Mittäter zu den obersten Rängen dieser Obrigkeit gehört.

Im weiteren Verlauf ihrer Reise bringt sie auch noch einige andere Schreiber gegen sich auf, denen sie bei einer Bewerbung für die Arbeit in einem Kloster eine Stelle wegschnappt und als diese in einem Handgemenge bemerken, dass sie gar kein junger Mann ist, als der sie zuvor aufgetreten war, muss sie ihre Flucht unorganisiert und schwer verletzt fortsetzen. So gelangt sie schließlich nach Köln und in das Haus der Beginen, wo sie zunächst einmal nur halb bei Bewusstsein wieder gesund werden muss. Doch auch nach einer gütigen Aufnahme hier kann sie nicht bleiben, denn ihre Verfolger haben kurz nach ihr gleichfalls Köln erreicht, ge-nau wie die Mörder, die sie im Wald beobachtet hat. Und die Beginen müssen sowieso vorsichtig sein, da ihre Gemeinschaft immer nah am Ketzereivorwurf lavierte. Und so findet sich Donata nach vier Jahren wieder in einem Benediktinerinnenkloster und bangt um ihr Leben.

Und dies nur allzu recht. Viele Kölner Bürgerinnen und Bürger sind auf den Erfolg der Beginen in geschäftlichen Dingen eifersüchtig und so dehnt sich der Vorwurf der Ketzerei, der zunächst nur Donata anhängt bald auch auf die übrigen Frauen in dem Haus aus und dieses wird zunächst von einem Mob angegriffen und danach von Soldaten des Kardinals unter Schutzhaft gestellt, während die Beginen zum Verhör abgeführt werden. Sogar die Äbtissin der Benediktinerinnen sieht sich auf einmal unter Ketzereiverdacht und nur durch schnelle Flucht kann Donata einer Durchsuchung des Klosters entgehen. Wieder befindet sie sich auf der Flucht durch den winterlichen Wald, wobei sie allerdings unerwartet Hilfe bekommt.

Die politischen und religiösen Verstrickungen außerhalb von Donatas Sicht werden immer unübersichtlicher und machen dabei etwas die Hälfte des Texts dieses Romans aus. Auch diese sind in sich sehr abwechslungsreich und spannend und die beiden Handlungsebenen überschneiden sich immer wieder in sehr glaubhafter Art und Weise, so dass nie der Eindruck einer Konstruiertheit entsteht, was für sich genommen bei einem Debütroman eine große Leistung darstellt. Dass die Geschichte dann auch noch überaus interessant und spannend ist, macht diesen Roman zu einem wahren Lesevergnügen. Im Nachwort erfahren interessierte Leserinnen und Leser auch noch ein wenig zur Historizität der beschriebenen Ereignisse.

11.09.2005 22:49:09
Silvia Koczmann

Die Buchmalerin ist ein gut lesbares Buch das die Zeit des Mittelalters anschaulich beschreibt und Interesse erweckt. Das Buch bleibt nicht an der Oberfläche wobei die Schilderung aber immer konkret bleibt. Der Schluss darf nicht mit unseren nüchternen Augen betrachtet werden, sondern ist in der mystischen Welt des Mittelalters durchaus glaubwürdig.